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Lokales Lübeck Lübecker Linienbus-Attentäter fühlte sich von Laser verfolgt
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08:28 23.02.2019
Anschlag auf Passagiere der Buslinie 30 nach Travemünde in der Travemünder Landstraße. Quelle: Wolfgang Maxwitat
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Lübeck

Der Bus-Attentäter von Lübeck-Kücknitz steht vor dem Lübecker Landgericht. Dem gebürtigen Iraner mit deutscher Staatsangehörigkeit wird vorgeworfen, am 20. Juli des Vorjahres in einem Linienbus auf dem Weg zur Travemünder Woche zwei Spiritusflaschen entzündet und zwölf Menschen mit einem Messer verletzt zu haben, einige davon lebensgefährlich.

Der Angeklagte räumte die Taten ein. Die Staatsanwaltschaft geht von 48-fachem versuchten Mord aus. In dem Verfahren wird die Unterbringung in der forenischen Psychiatrie geprüft.

„Er fühlte sich von Laserstrahlen verfolgt und glaubte, dass Menschen in Lübeck und Bad Oldesloe sich gegen ihn verschworen hätten“, erklärte Staatsanwältin Ann-Sofie Portius.

Eine entsetzliche Bluttat erschüttert Lübeck: Ein junger Mann entzündet im Bus nach Travemünde seinen Rucksack, schlägt und sticht dann wahllos auf die Fahrgäste ein. Auch der Fahrer wird verletzt. Das Motiv ist unklar.

„Immer, wenn ich rausgegangen bin, hat meine Haut gebrannt“

Mit einem etwa 30 Zentimeter langen Küchenmesser habe er im Bus um sich gestochen. Eine Frau erhielt einen lebensgefährlichen Stich in den Nacken, eine andere in den Oberschenkel. Einem dritten Fahrgast, einem jungen Holländer, rammte der 34-jährige Täter das Messer in die Brust. Das Opfer erlitt einen Lungenkollaps. Portius: „Sein Leben konnte nur durch eine mehrstündige Notoperation gerettet werden.“

All dies geschah nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft im Zustand der Schuldunfähigkeit. Laut psychiatrischen Gutachten leidet der Beschuldigte an paranoider Schizophrenie. „Immer, wenn ich rausgegangen bin, hat meine Haut gebrannt“, schilderte der Deutsch-Iraner, der mit sieben Jahren nach Deutschland kam und zuletzt in Lübeck lebte. Deshalb habe er oft eine Sonnenbrille getragen und selbst im Sommer eine dicke Jacke.

Angeklagter zeigt Reue

Erst seit er in der Psychiatrie Medikamente bekomme, sei das Hautbrennen verschwunden. Mit der Tat habe er „eine Lektion“ erteilen wollen. „Die Leute sollten Angst bekommen und so etwas nie wieder machen.“

Vor Gericht zeigte der Mann sich reuig. „Wenn ich nachts im Bett liege, überlege ich, dass ich Menschen Leid zugefügt habe.“ Die Tat tue ihm leid, sagte er auf Nachfrage. „Auf jeden Fall.“

Nicht alle Opfer nehmen die Entschuldigung an

Bei den Opfern, die schon gestern als Zeugen geladen waren, versuchte er sich zu entschuldigen. Nicht alle nahmen dies an. „Worte können das nicht wieder gutmachen“, entgegnete ihm eine der damals Verletzten, die seither an Beklemmungen und Panikattacken leidet.

Sieben weitere Termine mit Zeugenvernehmungen sollen folgen. Am 15. März soll das Verfahren enden, voraussichtlich mit der Einweisung. „Das steht doch sowieso fest“, erklärte Oliver Dedow, der Anwalt des Beschuldigten. Die Unterbringung ende nur, falls der Beschuldigte gesund werde, sagte Oberstaatsanwältin Ulla Hingst. „Das wird jedes Jahr geprüft.“

Die Lübecker Nachrichten berichteten zu der Tat

Messerangriff in Linienbus: Die LN berichteten im LIVE-Ticker

Die Zusammenfassung des Geschehens am Tag der Tat

Bildergalerie: Alle Eindrücke vom Tatort in Kücknitz

Video: Held von Kücknitz – dieser Busfahrer hat sich dem Messerangreifer entgegen gestellt

Video: Diese Zeugen saßen im Bus und sprechen über das Erlebte

Busfahrer Peter Spoth: Der Held von Kücknitz im Interview

Reportage aus Kücknitz: Ein mulmiges Gefühl bleibt – das sagen die Anwohner

Elf Tage nach der Tat: Beschuldigter der Bus-Attacke von Kücknitz schweigt

Anklage: Staatsanwaltschaft wirft Angreifer versuchten Mord in 48 Fällen vor

Erster Prozesstag: Linienbus-Attentäter fühlte sich von Laserstrahlen verfolgt

Reportage aus dem Gerichtssaal: „Worte können das nicht wieder gut machen“

Marcus Stöcklin