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Lübeck Wieder nur Mittelmaß: Radfahrer geben Lübeck schlechte Noten
Lokales Lübeck Wieder nur Mittelmaß: Radfahrer geben Lübeck schlechte Noten
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21:20 10.04.2019
Tausende Lübecker fahren Rad, der Anteil der Fahrradfahrten am Verkehr steigt. Doch viele fühlen sich unsicher.
Tausende Lübecker fahren Rad, der Anteil der Fahrradfahrten am Verkehr steigt. Doch viele fühlen sich unsicher. Quelle: Wolfgang Maxwitat
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Lübeck

Beim bundesweiten Fahrradklimatest des Fahrrad-Clubs ADFC schneidet die Hansestadt Lübeck seit Jahren immer gleich ab. Es gibt stets die Gesamtnote vier. Und die Radfahrer, die an der Umfrage teilnehmen, bemängeln immer die gleichen Punkte – die Qualität der Radwege, Wegeführung an Baustellen, Autofahrer, die auf Radwegen parken und nicht kontrolliert werden, sowie zu viele Fahrraddiebstähle.

„Die ohnehin schon schlechte Gesamtnote aus der vorherigen Befragung hat sich noch einmal leicht verschlechtert“, sagt der Lübecker ADFC-Vorsitzende Wolfgang Raabe. 2016 gab es eine 4,04, jetzt eine 4,09.

Die Kreisverkehre in Lübeck stellen für Radfahrer eine besondere Herausforderung dar. Quelle: Lutz Roeßler

Oberflächen der Radwege mangelhaft

1159 Bürger haben sich im Herbst 2018 beteiligt (2016: 1297), das waren deutlich mehr als in Kiel oder Flensburg. Die mieseste Note erhalten die Oberflächen der Radwege. Raabe spricht von einer „blamablen Note von 5,1“. Vor zwei Jahren war es eine glatte fünf. Die gibt es diesmal für die Mitnahme von Rädern in Bussen. Weil viele Radwege zu schmal sind, gibt es dafür eine 4,9.

2018 löste die Radwegeführung während der Bauarbeiten im Mühlentorteller erhebliche Kritik aus. Quelle: LN-Archiv

Ein Dauerbrenner ist auch die Führung von Radfahrern durch Baustellen, „die mit einer 4,8 abgestraft wird“, sagt Raabe. Die gleiche Note gibt es für die vielen Fahrraddiebstähle. Radfahrer ärgern sich zudem über Ampelschaltungen (4,5) und fehlende Kontrollen von Falschparkern auf Radwegen (4,6). Der Winterdienst auf Radwegen wurde diesmal deutlich schlechter bewertet als 2016 und erhält eine 4,2 (vorher 3,9).

Es gibt auch gute Beispiele: Der 2,8 Kilometer lange Rad- und Fußweg entlang der Travemünder Landstraße wurde von der Stadt in zwei Abschnitten saniert und erweitert. Quelle: LN-Archiv

Zwei Nackenschläge für die Stadt

Erst die Unfallzahlen, bei denen Lübeck landesweit wieder trauriger Tabellenführer wurde, jetzt der Klimatest des ADFC – gleich zwei Nackenschläge für die Stadt, die sich eigentlich bis 2020 maßgeblich verbessern wollte. „Besonders besorgniserregend ist der Trend, dass sich Menschen beim Radfahren immer unsicherer fühlen“, sagt ADFC-Vorsitzender Raabe. Das sei vor allem auf zu schmale Radwege und die häufig fehlende Trennung vom Autoverkehr zurückzuführen. „81 Prozent der Befragten ist es wichtig, vom Autoverkehr getrennt zu sein“, berichtet Raabe. Da passt eine Entscheidung, den Radverkehr auf der Roeckstraße auf die Fahrbahnen zu verlegen, sicherlich schlecht ins Bild.

Radfahrer auf die Straße. Das ordneten die Verkehrsbehörden in der Roeckstraße an, weil die Radwege so kaputt sind, dass dort Unfälle drohen. Viele Radfahrer fühlen sich aber zwischen Autos unsicher. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen

Jährlich zwei Millionen Euro

„Lübeck liegt im Mittelfeld, wir sind nicht die ,bad boys’“, versucht der SPD-Verkehrspolitiker Ulrich Pluschkell, die Ergebnisse einzuordnen. „Es ist auch nicht so, dass nichts passiert.“ Pluschkell erinnert an die Beschlüsse der Bürgerschaft zu Stadtgrabenbrücke und Radschnellweg. Der SPD-Politiker: „Es dauert, bis die ersten Erfolge sichtbar sind.“ Christopher Lötsch (CDU), Vorsitzender des Bauausschusses, erinnert an den jüngsten Beschluss der Bürgerschaft, ab 2020 jährlich zwei Millionen Euro für den Um- und Ausbau von Radwegen zur Verfügung zu stellen.

ADFC-Vorsitzender Wolfgang Raabe: „Die ohnehin schlechte Gesamtnote hat sich noch einmal weiter verschlechtert.“ Quelle: 54°/Felix König

„Wir müssen massiv in den Ausbau investieren“, sagt Bruno Hönel, Fraktionsvize der Grünen, „es gibt Wege, auf denen man einfach nicht fahren kann.“ Den Grünen geht vieles nicht schnell genug. Beispiel, so Hönel: „Über ein Fahrradparkhaus am Hauptbahnhof diskutieren wir seit Jahren. Jetzt dümpelt das Projekt irgendwo in der Verwaltung herum.“ Auch das Baustellenmanagement müsse verbessert werden.

Es gibt auch gute Noten

Die Teilnehmer des ADFC-Fahrradklimatests bewerten nicht alles in Lübeck als schlecht, es gibt auch gute Noten. Die Erreichbarkeit des Stadtzentrums erhält eine 2,4, die Möglichkeit zum zügigen Fahren eine 2,8 und die Freigabe der Einbahnstraßen in die Gegenrichtung für Radfahrer eine glatte Drei. Die Wegweiser im ganzen Stadtgebiet werden mit 3,1 benotet. Im Ranking der Städte über 200 000 Einwohnern landete Lübeck auf Rang 19.

Trotz der Umstände würde jeder dritte Lübecker annähernd täglich mit dem Rad unterwegs sein, rechnet der ADFC-Vorsitzende Raabe vor: „Sie legen dabei jedes Jahr fast 180 Millionen Kilometer zurück.“

Kai Dordowsky