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Lübeck Radschnellweg kostet 15 Millionen
Lokales Lübeck Radschnellweg kostet 15 Millionen
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18:09 09.01.2019
ADFC-Mitglieder fuhren im vergangenen Sommer eine mögliche Wegeführung – hier in der Willy-Brandt-Allee – ab. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
Lübeck

Auf bis zu 57 Millionen Euro summiert sich der volkswirtschaftliche Nutzen eines Radschnellweges von Bad Schwartau über die Innenstadt bis nach Groß Grönau. Das hat der Vorstand des Fahrrad-Clubs ADFC ausgerechnet.

Mit Hilfe zahlreicher Daten und Annahmen hat der ADFC-Vorsitzende Wolfgang Raabe die Auswirkungen dieses 14,9 Kilometer langen Weges kalkuliert. Für den Zugewinn an Lebenszeit und Lebensqualität durch das Umsteigen auf das Fahrrad kommt Raabe auf rund 27 Millionen Euro. Die Fahrzeitersparnis für Radfahrer beziffert Raabe mit mehr als 18 Millionen Euro. Rund 75 000 Menschen würden im Einzugsgebiet des Radschnellweges von Bad Schwartau bis Groß Grönau leben, rechnet der ADFC vor. Als Einzugsgebiet gelten je 500 Meter links und rechts der Trasse.

Diese Trassen für neue Radschnellwege werden gegenwärtig von Planungsbüros untersucht. Quelle: Metropolregion Hamburg

Für den Bau kalkuliert Raabe mit einer Million Euro pro Kilometer, macht insgesamt einmalig 14,9 Millionen Euro. Für die jährliche Unterhaltung setzt der ADFC 280000 Euro an. „Große Teile der Route verlaufen auf Nebenstraßen“, erklärt Raabe, „hier ist die Umgestaltung zu Fahrradstraßen als vergleichsweise kostengünstige Maßnahme anzusehen.“ Größere Neubauten würden anfallen – eine neue Rampe von der Marienbrücke zur Willy-Brandt-Allee, eine neue Ampelanlage an der Kreuzung Körnerstraße/St. Jürgen-Ring und eventuell eine planfreie Querung der Kreuzung Tremskamp/Cleverbrücker Straße. „Das Verhältnis zwischen Nutzen und Kosten fällt außerordentlich günstig aus“, schlussfolgert der ADFC-Vorsitzende Raabe.

Geld für Fahrradprojekte

Seit Januar 2019 ist die Kommunalrichtlinie des Bundesumweltministeriums in Kraft, aus der Kommunen Fördermittel für ganz unterschiedliche Klimaschutz-Maßnahmen erhalten können. Lübeck könnte aus dem Fördertopf Mittel für den Neubau von Radwegen oder die Errichtung von Fahrrad-Parkhäusern beziehen, sagt SPD-Fraktionschef Peter Petereit. „Bislang profitieren jedoch nur millionenschwere Fahrradprojekte in Kiel, Flensburg, Elmshorn und Norderstedt. Höchste Zeit, dass auch Lübecker Projekte gefördert werden.“

Fünf Konsortien von Planungsbüros untersuchen derzeit die Umsetzbarkeit von acht Radschnellwegen in der Metropolregion Hamburg und erstellen Konzepte für die Gestaltung. Die Metropolregion, ein Zusammenschluss von vier Bundesländern, 1000 Kommunen und 20 Kreisen sowie kreisfreien Städten rund um Hamburg, fördert diesen Prozess mit einer Million Euro.

Im Mai 2017 hat die Bürgerschaft einstimmig bekräftigt, dass für einen Radschnellweg zwischen Bad Schwartau und Groß Grönau ein erheblicher Bedarf besteht. Aber sind die Politiker auch bereit, dafür 14,9 Millionen Euro zu zahlen?

Der ADFC-Vorsitzende Wolfgang Raabe hat die Kosten-Nutzen-Analyse für den Radschnellweg vorgelegt. Quelle: 54° / Felix König

Radschnellweg ja, aber nicht zu Lasten anderer Radverkehrsmaßnahmen, sagen SPD und CDU. „Wir müssen erst die genaue Route kennen, dann können wir sagen, in welchem Umfang wir Geld dafür investieren“, erklärt Ulrich Pluschkell (SPD). „Wir stehen hinter dem Projekt, aber dafür dürfen andere Maßnahmen nicht geschoben werden“, erklärt Christopher Lötsch (CDU), der davon ausgeht, dass die Summe nicht auf einen Schlag fällig wird. Ab 2020 stellt die Bürgerschaft jährlich zwei Millionen Euro für den Radverkehr bereit. Das hat die Bürgerschaft beschlossen.

Gibt es genug Personal, um den Weg zu planen?

„Klar ist, dass wir den Radschnellweg brauchen, weil er den Straßenverkehr entlastet“, betont Bruno Hönel (Grüne), „aber fast 15 Millionen Euro sind eine große Aufgabe.“ Antje Jansen (GAL) spricht von einer „guten Investition für Lübeck“. Jansen: „Klar ist, dass man diesen Weg nicht kostenlos kriegt.“ Thomas Rathcke (FDP): „An uns soll es nicht scheitern, wenn das Projekt vernünftig ist.“ Die Liberalen hegen aber Zweifel, dass die Bauverwaltung mit ihrem Personal eine solche Planung zusätzlich leisten kann.

„In keinem Fall muss Lübeck das alleine stemmen“, sagt der ADFC-Vorsitzende Raabe, der mit Zuschüssen vom Bund und der Metropolregion Hamburg rechnet. Seit 2017 stellt der Bund über eine Kommunalrichtlinie jährlich 25 Millionen Euro für den Bau von Radschnellwegen bereit. 925000 Euro stehen Schleswig-Holstein zur Verfügung. Die Mittel seien bisher nicht abgerufen worden, sagt SPD-Verkehrspolitiker Pluschkell: „Das Geld könnte für erste Maßnahmen zur Realisierung des Radschnellwegs verwendet werden.“

Kai Dordowsky

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