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Lübeck In der Travemünder Allee hui, in der Roeckstraße pfui
Lokales Lübeck In der Travemünder Allee hui, in der Roeckstraße pfui
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18:19 20.08.2019
Da jubelt das Herz des Radfahrers: eine breite Piste, genug Abstand zu den Autos auf der Travemünder Allee und an den Einmündungen Einfärbungen, die die Fahrradfahrer schützen. Quelle: Holger Kröger
Lübeck

Die zwei Seiten der Lübecker Radwegepolitik: In der Travemünder Allee wird auf 650 Metern eine breite Piste für einen Zweirichtungsradweg gebaut. Die Stadt lässt sich nicht lumpen. Fast 1,2 Millionen Euro kostet der drei Meter breite Radweg, das Land übernimmt 426 000 Euro. Zum Schutz der Radfahrer werden an Einmündungen und an einer Bushaltestelle farbige Untergründe gewählt – das bekannte Rot, aber erstmals auch Grün.

21 von 114 Parkplätzen fallen weg

Bis Ende August soll der gesamte Abschnitt zwischen Gustav-Radbruch-Platz und Eschenburgstraße fertig sein. Auf der anderen Straßenseite bekommen die Radfahrer stadtauswärts zudem einen Schutzstreifen auf der Fahrbahn. Die Autos müssen dafür zusammenrücken – und es fallen auch 21 von 114 Parkplätze weg.

Weg von der Fahrbahn, rauf auf die Fahrbahn

Totales Kontrastprogramm nur wenige Meter weiter in der Roeckstraße. Seit Mitte Juli müssen Radfahrer auf der schmalen Straße fahren – zusammen mit 400 Bussen und 9350 Autos pro Tag. Nach jahrelangen, fruchtlosen Debatten über eine Sanierung der Radwege in der Roeckstraße fiel der Stadt schließlich nichts mehr ein.

Folge: Um die Radfahrer vor den hohen Kanten, Wurzelaufbrüchen und Unebenheiten zu schützen, wurden sie auf die Straße geschickt. Erst stadtauswärts. Das geschah im Dezember 2018. Seit Juli nun auch stadteinwärts.

Bürger sprechen von Schildbürgerstreich

Die Beschwerden von Radfahrern reißen nicht ab. „Hupende Autofahrer verschaffen sich laut Gehör beim Überholen und verscheuchen rücksichtslos die Radfahrer, die den Komfort des neuen Straßenbelages genießen“, schreibt Dr. Jürgen Loeber den LN. „Beim Stau während des Berufsverkehrs ist für die Radfahrer kein Durchkommen mehr, da sich die Autos und insbesondere die Busse nach rechts orientieren müssen, um sich nicht gegenseitig zu behindern.“ Das Ganze sei ein Schildbürgerstreich. Loeber: „Unsere Stadt eignet sich wunderbar zum Fahrradfahren, doch es wird immer gefährlicher.“

Der Radfahrer schlägt vor, die Roeckstraße zur Einbahnstraße zu machen. Busse, Taxis und Radfahrer könnten wie in der Wahmstraße in beide Richtungen fahren. Das erinnert an die Vorschläge des Fahrrad-Clubs ADFC bei einer Veranstaltung der Grünen im Februar. Dr. Wolfgang Raabe, Vorsitzender des Lübecker ADFC, erklärte damals: „Eine Möglichkeit wäre, den Durchgangsverkehr aus der Straße herauszunehmen und nur noch Anlieger und Busse zuzulassen. Die zweite Möglichkeit wäre, die Roeckstraße zu einer Einbahnstraße zu machen und eine Fahrbahn für den Radverkehr zu reservieren.“

Vor allem die CDU ist mit der lübschen Radwegepolitik unzufrieden. Der Ortsverband St. Gertrud fordert neue Radwege in der Roeckstraße. Dafür könnten Parkplätze geopfert werden, die am Radbruch-Platz neu geschaffen werden sollten. Der Vorsitzende des Bauausschusses, Christopher Lötsch (CDU), will sogar ein Gesamtkonzept für den Verkehr, der über das Burgtor in Richtung Altstadt will.

Ohnehin ist die CDU derzeit mit der lübschen Radwegepolitik nicht einverstanden. Der Ortsverband Lübeck-Süd hat bemängelt, dass für eine neue Strecke wie in der Travemünder Allee so viel Geld ausgegeben wird. Von den Summen könnte die Stadt zahlreiche, kleine Maßnahmen finanzieren – beispielsweise Reparaturen und Lückenschlüsse.

Der breite, bunte Radweg in der Travemünder Allee war politisch umstritten. Im Vorfeld der Baumaßnahme hatte der Bauausschuss das Verfahren sogar angehalten. Auch die Grünen bemängelten Ende vergangenen Jahres, dass mit dieser großen Maßnahme gleich das gesamte Budget eines Jahres draufgehe.

Von Kai Dordowsky

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