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Lübeck Kultkneipe „Im alten Zolln“ eröffnet neu
Lokales Lübeck Kultkneipe „Im alten Zolln“ eröffnet neu
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09:07 20.02.2019
Nach dem Tod ihres Mannes Hardy hat Carola Büttner die Leitung der Traditionskneipe übernommen. Sie kann sich auf die Unterstützung ihres Teams und der Familie verlassen. Quelle: 54° / John Garve
Innenstadt

Es war keine leichte Zeit: Im Mai 2018 erlag Kultwirt Hardy Büttner einem Krebsleiden. 40 Jahre lang hatte er die urige Kneipe – von der er stets sagte, sie sei das älteste Bierhaus Lübecks – mit Leib und Seele betrieben. Studenten, Lehrer, Doppelkopfrunden und der Lübecker Autorenkreis – sie alle waren hier Stammgäste. Doch dann erkrankte Büttner und verstarb im Mai 2018.

Viel Unterstützung in harter Zeit

Leicht, sagt Büttners Witwe Carola (55), sei es ihr und den beiden erwachsenen Kindern Agnes (26) und Malte (24) nicht gefallen, weiterzumachen. Und doch ging es irgendwie. Auch, „weil meine Kinder mir eine extreme Stütze waren und mir viel Kraft gegeben haben.“

Carola Büttner, die sonst oft am Tresen gestanden hatte, übernahm zusätzlich die Büroarbeit, die ihr Mann krankheitsbedingt zum Schluss ein wenig vernachlässigt hatte. „Manchmal“, sagt sie, „war ich fix und fertig, wusste nicht, wo mir der Kopf stand“. Und doch ging es irgendwie. Dank der Kinder, Dank der erweiterten Familie, zu der auch das Zolln-Team, Jens Koop von der Firma Dramburg & Hertwig sowie Horst-Theodor Kayser gehören. „Sie haben mir den Rücken gestärkt“, sagt Carola Büttner.

Weiter mit Live-Musik

Verändert hatte sich nach dem Tod des Kult-Wirtes nur wenig: Sonntags war der Zolln seit dem Tode ihres Mannes geschlossen, „als kleine Verschnaufpause für uns“, sagt Carola Büttner. Künftig allerdings wird alle vier Wochen sonntags wieder geöffnet sein – für den Lübecker Autorenkreis, der traditionell sonntags hier tagt. Aber dass regelmäßig Live-Bands im Zolln spielen, wie die Renhornen aus Schweden, zu denen Hardy Büttner fast 40 Jahre lange beste Kontakte unterhielt, hat sich nicht geändert. Sie kommen am 8. Juni wieder nach Lübeck, und bereits im März spielt die Lehrer-Band der Oberschule zum Dom im Zolln.

Diane Behrndt räumt die Gaststube im Obergeschoss auf. Quelle: 54° / John Garve
Klicken Sie hier, um weitere Eindrücke aus der Lübecker Kultkneipe „Alter Zolln“ zu sehen!

Kommunikations-Kneipe

Und noch eines bleibt, wie es unter Hardy Büttner all die Jahre war: „Es wird aus Überzeugung keine Musik nebenbei laufen, denn wir sind eine Kommunikations-Kneipe.“ Das sei auch seit eh’ und je das Schöne: „dass alle Altersgruppen abgedeckt werden und dass alle miteinander kommunizieren.“

Renovierung

Die vergangenen fünfeinhalb Wochen war die Kultkneipe geschlossen – Auffrischungs- und Renovierungsarbeiten. Die Küche wurde zum Teil erneuert, die Sitzbänke neu gepolstert, die Toiletten erneuert. Auch der alte Tresen musste raus, der Buffetschrank hinterm Tresen wurde ebenfalls aufgefrischt und hat eine größere Tiefe, um mehr Platz für Gläser zu bieten.

Teamwork vor der Wiedereröffnung

„Mein Mann hat noch die Planung gemacht, wir machen alles in seinem Sinne“, sagt Carola Büttner. Am Dienstag waren Team und Handwerker noch voll zu Gange – da macht dann jeder alles, der Ton ist herzlich-familiär. Diane Behrndt (44), die seit zwölfeinhalb Jahren im Service arbeitet, räumt gerade im Obergeschoss die Stühle von den Tischen. „Sie ist meine Perle“, sagt Carola Büttner. Finn Henk (19) von der Tischlerei Henk schraubt irgendwo herum, Elektriker Sascha Ziele (47) steht auf einer Leiter und schließt Lampen an, während Köchin Kathrin Bunge (42) die Gläser entstaubt und sie anschließend einräumt. Auch Fynn Tarek Ziech (20) ist unter den Helfern. „Der alte Zolln“, sagt er, „gehört seit jeher zu meiner Familie.“

Kathrin Bunge poliert ein Weizenbierglas. Der vergrößerte Schrank hinter dem Tresen muss wieder eingeräumt werden. Quelle: 54° / John Garve

Wenn sich am Donnerstag um 11 Uhr die Türen des „neuen“ alten Zolln öffnen, wird alles hübsch und frisch sein. „Dann kommen auch meine Kinder“, sagt Carola Büttner – „ich freu mich!“

Hier lesen Sie mehr zum Alten Zolln.

Sabine Risch