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Lübeck Von Rate-Systemen und Gespenstertönen
Lokales Lübeck Von Rate-Systemen und Gespenstertönen
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18:48 16.04.2019
Kurzweilige Exkurse mit Enten: 12 Wissenschaftler und Künstler aus drei Hochschulen erzählen in der Petrikirche über Fake Science. Quelle: Friederike Grabitz
St. Jürgen/Innenstadt

„Ich spiele Ihnen jetzt einen Ton vor“, sagt der Akustik-Professor Jürgen Tchorz, „heben Sie die Hand, sobald Sie ihn hören“. Einige Momente herrscht Stille in der mit 500 Besuchern gut gefüllten Petrikirche. Dann gehen nach und nach zwei Dutzend Hände hoch, bevor für alle hörbar ein Ton erklingt.

Tchorz ist einer der Referenten einer neuen Ringvorlesung über „Fake Science“, also Täuschung und Lüge in der Wissenschaft, die am Montag eröffnet wurde. Pastor Dr. Bernd Schwarze hat die dreiteilige Vorlesung als unterhaltsame Mischung aus Kultur- und Wissenschaftsbeiträgen konzipiert. Ein Beispiel für eine Wissenschafts-Ente ist die Geschichte von Alessandro Binomi, dem Urheber der binomischen Formeln. Obwohl es ihn nie gegeben hat, steht sein Name in einigen Lehrbüchern und ein Asteroid wurde nach ihm benannt.

Fake News werden oft gegen wissenschaftlich abgesicherte Wahrheiten gesetzt. Aber auch Wissenschaft unterliegt Paradigmen, also Moden, und arbeitet mit Annahmen. „Wissenschaftliche Hypothesen sollten nicht frei erfunden sein, aber eben schon gut ausgedacht“, sagt ironisch Prof. Dr. Cornelius Borck, der den Abend zusammen mit Bernd Schwarze moderiert. Von der kopernikanischen Wende bis zur Epigenetik führt er in das Thema ein. „Das Wort ‚Fakten’ kommt von ‚Facta’, das Gemachte“.

Hoch komplexe Ratesysteme

Bei der Produktion solcher „Fakten“ gibt es Irrtümer. Auch diejenigen, die Informationen aufnehmen, sind „nicht nur Informations-Verarbeiter, sondern hoch komplexe Ratesysteme“. Wie diese Ratesysteme funktionieren, beleuchten zehn Wissenschaftler und Künstler aus drei Hochschulen unter dem Motto „Ich sehe was, was du nicht siehst“. So verrät der Psychiater Dr. Bartosz Zurowski in einem Kurzvortrag, dass „unser Gehirn dazu neigt, das Wahrscheinliche zu glauben, auch wenn die Sinne uns das Gegenteil sagen“.

Dass der Ton die Musik macht, zeigen die zwei Studentinnen Marie-Theres Dammann und Hannah Tebartz-von Elst in einem Sketch, in dem sich ein Paar über den Tag austauscht. Sie führen die gleiche Situation zwei Mal vor, einmal sprechen sie freundschaftlich miteinander, das zweite Mal im Streit – mit exakt den gleichen Worten.

Täuschungen in der Musik

Der Komponist Prof. Sascha Lino Lemke erzählt über Täuschungen in der Musik. So entstehe bei manchen Stücken von Johann Sebastian Bach der Eindruck, als spielten mehrere Instrumente, obwohl es nur eines ist. Er spielt ein Klavier-Musikstück des Komponisten Helmut Lachenmann ein, das aus nur zwei sehr hohen Tönen besteht. Während der vier Minuten legen sich darunter „Ton-Gespenster“: Töne, die er gar nicht gespielt hat.

Sie lassen sich ähnlich erklären wie der Fake-Ton, den manche Zuhörer im Vortrag von Jürgen Tchorz gehört haben. Wenn man Menschen in einen geräuschlosen Raum setzt, sagt er, haben 90 Prozent von ihnen nach einer Weile den Eindruck, einen Ton zu hören, „und im Gehirn ist dieser Ton tatsächlich da. Wir haben also fast alle einen Tinnitus, aber die meisten hören ihn im Alltag nicht“.

Am Ende wird der Raum für Diskussionen geöffnet. Ein Zuschauer entfacht eine kleine Debatte über Subjektivität und verteidigt die Verlässlichkeit der Wahrnehmung: „Es heißt ja wahr-nehmen, also enthält es Wahrheit“.

Die beiden weiteren Folgen des monatlichen Formats werden bei freiem Eintritt jeweils Montags um 19 Uhr am 13. Mai und am 17. Juni in der Petrikirche stattfinden.

Friederike Grabitz

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