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Lübeck Rockerkontrollen: Kuttenverbot auf der Travemünder Woche
Lokales Lübeck Rockerkontrollen: Kuttenverbot auf der Travemünder Woche
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01:00 29.06.2011
Verbotene Kutten: Während der Kieler Woche durften Rocker keine Abzeichen in der Stadt tragen. Foto: dpa Quelle: LN
Lübeck

Im Kampf gegen kriminelle Rocker greift der Norden zu neuen Mitteln: Nachdem Schleswig-Holsteins Innenminister Klaus Schlie (CDU) im Frühjahr 2010 Gruppen der Hells Angels und Bandidos in Neumünster und Flensburg grundsätzlich verboten hat, hat die Landeshauptstadt Kiel jetzt erstmals das Tragen der Kutten und Abzeichen von 14 Motorradclubs in der Öffentlichkeit untersagt.

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Ein Modell, das nach Ansicht Lübecker Landtagsabgeordneter von SPD und Grünen jetzt auch in der Hansestadt schnell umgesetzt werden sollte.

Kiels Oberbürgermeister Torsten Albig (SPD) hatte Mitte Juni die „Stadtverordnung über das befristete und örtlich begrenzte Verbot bestimmter Bekleidungsgegenstände und Embleme“ auf den Weg gebracht. Inhalt: Während der Kieler Woche durften im Stadtgebiet keinerlei Abzeichen von Rockerclubs öffentlich getragen werden. Ein Verbot, von dem nicht nur Hells Angels und Bandidos, sondern insgesamt 14 Organisationen betroffen waren. Auch jegliche Abkürzungen, Abwandlungen und charakteristischen Symbole hatte Kiel auf den Index gesetzt, drohte bei Verstößen mit empfindlichen Geldbußen von bis zu 1000 Euro und der Konfiszierung der Kleidung. „Ziel war es, öffentliche Konfrontationen zu verhindern – und unser Konzept ist aufgegangen“, sagt Stadtsprecher Tim Holborn.

Auch Stefan Jung vom Landeskriminalamt (LKA) ist zufrieden: „Gerade Volksfeste und öffentliche Veranstaltungen bieten den kriminellen Clubs eine Bühne, als Gruppe Macht zu demonstrieren. Dieses Mittel ist den Organisationen genommen worden“, so Jung. Er hofft, dass weitere Kommunen dem Kieler Vorstoß folgen. Rechtlich ist an einem Kuttenverbot nicht zu rütteln. Das Landesverwaltungsgesetz lässt keine Interpretation zu. Zusätzlich hatte sich Kiel seine Verordnung vom Innenministerium absegnen lassen. „Ein krimineller Motorradclub ohne Kutte wirkt wie ein harmloser Zusammenschluss von Motorradfreunden“, sagt der LKA-Sprecher. Überdies würden Urlaubern und Touristen die Provokationen und Einschüchterungen durch ein Kuttenverbot erspart bleiben.

Thomas Rother, Sicherheitsexperte der SPD-Landtagsfraktion aus Lübeck, plädiert jetzt dafür, dass Lübeck dem Kieler Vorbild folgt. „Die Kriminellen definieren sich über ihre Kutten. Wenn man den Rockern diese durch eine Verordnung nimmt, trifft man sie an entscheidender Stelle“, sagt Rother. Auch der innenpolitische Sprecher der Grünen im Landtag, Thorsten Fürter, bezeichnet ein Kuttenverbot als sinnvolle präventive Maßnahme. „Eine entsprechende Verordnung sollte auch für Großveranstaltungen wie der Travemünder Woche oder dem Duckstein-Festival umgesetzt werden“, sagt Fürter. Die öffentliche Wahrnehmung von Hells Angels, Red Devils und Co müsse so gering wie möglich gehalten werden.

Im Rathaus der Hansestadt zögert man noch: „Bislang haben wir in Lübeck glücklicherweise keine nennenswerten Probleme mit Rockern gehabt“, sagt Lübecks Bürgermeister Bernd Saxe (SPD). Eine Verordnung nach Kieler Modell sei entsprechend auch noch nicht angedacht. Dennoch gebe es keine zwei Meinungen: „Wenn erforderlich, kann und werde ich sehr schnell reagieren“, kündigt Saxe an.

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