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Lübeck Roeckstraße: Neue Hürden für Radfahrer in Lübeck
Lokales Lübeck Roeckstraße: Neue Hürden für Radfahrer in Lübeck
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19:20 23.07.2019
Was Bürger von der Absperrung des stadteinwärts führenden Radweges in der Roeckstraße halten, haben sie auf den Absperrgittern verewigt. Schon die Sperrung des stadtauswärts führenden Radweges war sehr umstritten. Nun müssen alle Radfahrer auf der Straße fahren. Quelle: Holger Kröger
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Lübeck

9350 Fahrzeuge, 400 Busse und 2800 Radfahrer sind täglich auf der Roeckstraße zwischen Heiligen-Geist-Kamp und Gustav-Radbruch-Platz unterwegs. Jetzt müssen sie noch ein bisschen mehr zusammenrücken. Die Radwege der Roeckstraße sind nun auf beiden Seiten dicht.

Am 11. Dezember 2018 wurde der Radweg stadtauswärts zwischen Gustav-Radbruch-Platz und Krügerstraße gesperrt. Zahlreiche Baumwurzeln und Absätze würden die Radfahrer zu sehr gefährden, erklärte die Stadt. Sie kündigte zugleich an, dass die andere Seite in diesem Jahr folgen würde. Alle Radfahrer müssen auf die Straße, auf der Tempo 30 angeordnet wurde.

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Alle fahren jetzt auf der Straße

Vor einer Woche wurden die festen Gitter gesetzt. 2020 sollen die Radwege auf beiden Seiten entsiegelt und die Gehwege verbreitert werden, soweit es der Baumbestand zulässt. „In der langfristigen Planung ist vorgesehen, die Radfahrenden bereits kurz hinter der Kreuzung Heiligen-Geist-Kamp in Richtung Gustav-Radbruch-Platz auf der bisherigen rechten Fahrspur zu führen“, erklärt Stadtsprecherin Nicole Dorel.

22 Varianten für die Sanierung wurden untersucht und verworfen

Jahrelang hatten Verwaltung und Politik nach Wegen für eine Sanierung der Radwege gesucht. Bäume, Grundstückseinfahrten und Parkplätze am Straßenrand erschwerten das Unterfangen. 22 verschiedene Varianten untersuchte der Verwaltung – ohne Ergebnis.

Die Roeckstraße ist seit Jahren Sinnbild für eine Stadt, die gerne Fahrradstadt sein will, aber immer wieder an dem Anspruch scheitert. Doch der SPD-Verkehrspolitiker Ulrich Pluschkell hat einen Fahrradstädte-Index 2019 der Versicherung Coya ausgewertet. „Das Radwegenetz ist besser als sein Ruf“, schlussfolgert Pluschkell. Tatsächlich landet die Hansestadt im Vergleich von 50 deutschen Städten auf Rang 15 – vier Plätze vor Kiel.

SPD-Politiker: Radwege in Lübeck besser als ihr Ruf

„Bei der Coya-Untersuchung wurden vor allem sachliche Faktoren herangezogen wie Länge der Radwege, Unfallzahlen, Fahrraddiebstähle und Investitionen in die Infrastruktur“, sagt Pluschkell. Man habe sich in Lübeck an eine „prinzipielle Kritik am Radwegenetz gewöhnt“, erklärt der SPD-Politiker: „Schön, dass bei einer neutralen Betrachtung das Bild wesentlich erfreulicher zu sein scheint.“

Polizei: Keine Unfälle

Hat es auf der Roeckstraße Unfälle gegeben, seit die Radfahrer auf der Fahrbahn fahren müssen? Die Lübecker Polizei hat vier Unfälle am Gustav-Radbruch-Platz und einen an der Täuferstraße aufgenommen. Auf der Roeckstraße selbst habe es seit dem 1. Dezember 2018 keine Unfälle mit Radfahrern gegeben, erklärt ein Polizeisprecher.

Kann das wirklich sein? In diesem Jahr erzielte die Hansestadt beim Fahrradklimatest des ADFC wieder nur die Note vier. Die befragten Radfahrer benoteten die Oberflächen der Radwege mit 5,1 und die schmalen Pisten mit 4,9. Die Polizei meldete für 2018 einen deutlichen Anstieg der Unfallzahlen. Und die Kriminalstatistik weist rund 1600 Fahrraddiebstähle aus.

ADFC bezweifelt Städteranking einer Berliner Versicherung

Der ADFC Lübeck bezweifelt die Coya-Ergebnisse, „Ich glaube nicht, dass man allein aus statistischen Daten etwas zu der Qualität der Radverkehrsbedingungen sagen kann“, erklärt Martin Brüning auf LN-Anfrage. Die Länge des Netzes enthalte keine Aussage über Wege, die in einem desolaten Zustand seien und eigentlich gar nicht mehr benutzt werden dürften. Die subjektiven Bewertungen der Nutzer seien aussagekräftiger, ist der stellvertretende ADFC-Vorsitzende überzeugt.

Auch das gute Abschneiden Lübecks bei den Investitionen in Radwege bei Coya kann Brüning nicht nachvollziehen. Laut ADFC müsste die Stadt mehr als sechs Millionen Euro jährlich investieren, um das Wegenetz auf Vordermann zu bringen. Künftig soll es 2,5 Millionen Euro geben.

Coya, eine 2016 gegründete Berliner Versicherungsgesellschaft, die Versicherungen gegen Fahrraddiebstähle vertreibt, hat den Städtevergleich erstmals angestellt. „Der Wert für die Straßen, für die Lübeck eine hohe Punktzahl erreicht hat, wurde hauptsächlich mittels Kartierung berechnet“, erklärt Unternehmenssprecher Thilo Grösch, „die Qualität der Radwege wurde nicht auf der Ebene der einzelnen Städte untersucht.“ Beim nächsten Städtevergleich soll darauf verzichtet werden.

Kai Dordowsky