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Lübeck Schavan im Interview: „Das ist mehr als eine persönliche Ehrung“
Lokales Lübeck Schavan im Interview: „Das ist mehr als eine persönliche Ehrung“
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23:42 11.04.2014
Annette Schavan sieht die Uni für die Zukunft gerüstet. Quelle: Lutz Roeßler
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Lübeck

Lübecker Nachrichten: Sie haben bereits vier Ehrendoktortitel bekommen. Welche Bedeutung hat der Lübecker Ehrendoktor?

Annette Schavan: Jeder dieser Titel erinnert mich an eine besondere Verbundenheit der jeweiligen Hochschule mit meiner Person und ist damit Ausdruck der gemeinsamen Leidenschaft für die Wissenschaft. Auf Lübeck bezogen zeigt das, welch‘ große Bedeutung Wissenschaft in dieser Stadt hat.

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Lesen Sie hier den Kommentar: Der Titel gebührt den Bürgern

LN: Im Vorfeld der Verleihung gab es auch Kritik aufgrund der Plagiats-Affäre. Gab es für Sie einen Zeitpunkt, dass Sie erwogen haben, nicht nach Lübeck zu kommen?

Schavan: Im Januar 2012 wurde vom Senat der Universität einstimmig beschlossen, mir die Ehrendoktorwürde zu verleihen. Kurz danach war dann allerdings Wahlkampf. Und im Jahr 2013 kam die Debatte um meine Dissertation auf, so dass eine weitere Verschiebung in dieses Jahr stattfand.

LN: Können Sie denn die kritischen Stimmen der nun vollzogenen Verleihung nachempfinden?

Schavan: Ich verstehe durchaus, wenn der eine oder andere jetzt sagt, das finde ich nicht richtig. Deshalb hat es ja ein neues Meinungsbild an der Hochschule gegeben, und dies war wieder eindeutig. Und vor dieser Einstimmigkeit des Senats habe ich Respekt, und deshalb bin ich gern nach Lübeck gekommen. Und auch weil ich finde, dass die Universität damit ein Zeichen für die medizinische Forschung setzt und für deren Stärkung eintritt. Das ist also mehr als eine persönliche Ehrung. In Wirklichkeit feiern wir die Entwicklung der medizinischen Forschung.

LN: Was können Sie sich diesbezüglich auf die Fahnen schreiben?

Schavan: Wir haben gemeinsam das Konzept der deutschen Gesundheitsforschungszentren entwickelt. Es ging um eine Bündelung der Kräfte mit dem Ziel, dass Ergebnisse aus der Grundlagenforschung schneller für den Patienten in Diagnose und Therapie umgesetzt werden. Die Diskussion um die Zukunft der Uni Lübeck war nicht nur eine Debatte um Lübeck, sondern auch um die Entschiedenheit, wie unsere Forschung weiter entwickelt werden soll.

LN: Mit dem Dr. h.c. werden auch Ihre Verdienste um den Erhalt der Uni gewürdigt. Fühlen Sie sich denn als Retterin der Uni Lübeck?

Schavan: Das wird landläufig so gesagt. Wahr ist aber, dass die Universität weder von einzelnen Personen im Land noch vom Bund gerettet worden ist. Sie ist von den Bürgerinnen und Bürgern dieser Stadt gerettet worden, die auf Straßen und Plätzen für den Erhalt der Hochschule gekämpft haben und damit ein Zeichen an die Entscheidungsträger ausgesendet haben.

LN: Wie bekamen Sie 2010 Kenntnis von dem Plan der schwarz-gelben Landesregierung, den Medizin-Studiengang in Lübeck schließen zu wollen?

Schavan: Der Uni-Präsident hat damals das Gespräch mit mir gesucht. Die Bundesregierung war gerade dabei, die medizinische Forschung zu stärken. Da passte der Plan mit dem Abbau der Studienplätze und der entsprechenden Forschungskapazität gar nicht. Und so war die Debatte eröffnet, dass das nicht in Lübeck geschehen darf. Ein kreatives Konzept war gefragt, da es die Bund-Länder-Beziehungen nicht zulassen, dass der Bund einer Universität Geld gibt.

LN: Und dann gab es auf einmal das Konzept, durch eine Umgruppierung eines Meeresforschungsinstitutes in die Hände des Bundes in Kiel 25 Millionen Euro pro Jahr locker zu machen . . .

Schavan: Dieses Konzept war unkonventionell. Es lag aber damals einfach nahe, zur Schwerpunktsetzung das Leibniz-Institut für Meereswissenschaften in die vom Bund finanzierte Helmholtz-Gemeinschaft einzugliedern.

LN: Wie sehen Sie die Lübecker Uni für die Zukunft gerüstet?

Schavan: Lübeck steht im Jahr seines 50-jährigen Bestehens gut da. Die Entschlossenheit der letzten Jahre ist spürbar. Der Campus stellt zukunftsfeste Verbindungen her — das Motto also: 50 Jahre und kein bisschen träge.

Interview: Michael Hollinde

Acht Jahre Ministerin
Annette Schavan war von 2005 bis 2013 Bundesministerin für Bildung und Forschung. In ihre Amtszeit fallen Reformen wie die Hightech-Strategie und die Exzellenzinitiative.
Der Hochschulpakt und der Pakt für Forschung und Innovation wurden geschlossen, die Zentren für Gesundheitsforschung gegründet. Ehrendoktortitel hat sie bereits von der Universität Kairo (Ägypten), der Tongji-Universität (China), der Meiji-Universität (Japan) sowie der Hebräischen Universität Jerusalem (Israel) verliehen bekommen. Die 58-jährige CDU-Politikerin ist aktuell Mitglied des Deutschen Bundestages.

LN