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Lübeck Schiffe gucken auf 18 000-Euro-Bänken
Lokales Lübeck Schiffe gucken auf 18 000-Euro-Bänken
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16:49 28.10.2019
Platz nehmen auf den Designer-Bänken: Daniela Lecour mit Sohn Hannes und Labrador „Kalle“, Tante Marlis Schröder und Papa Andreas Müller. Quelle: Thomas Krohn
Travemünde

Kaum ist der Ärger über die verkehrt herum angebrachten Rückenlehnen der Bänke nahe des Ostpreußenkais verklungen, gibt es einen neuen Aufreger im Seebad. Wieder geht es um Sitzgelegenheiten. Dieses Mal jedoch auf dem Priwall. Mehr als eine halbe Million Euro haben die 29 Bänke, die entlang der neuen Promenade zwischen den Waterfront-Villen und der Hafenkante aufgestellt wurden, gekostet –18 000 pro Stück. Bewohner und Urlauber zeigen dafür wenig Verständnis. Die Stadt erklärt dazu, dass für die Flaniermeile keine Standardausstattungen verwendet werden durften. Sonst hätte es keine Förderung gegeben. An den Kosten der Promenade beteiligen sich der Europäische Fonds für regionale Entwicklung und das Land Schleswig-Holstein mit 70 Prozent.

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Edle Materialien verbaut

Stylisch sind sie auf jeden Fall, die Bänke, die auf der Promenade vom Kranplatz bis zur Viermastbark „Passat“ stehen. Sie haben die Form eines Schiffs, das edle Holz ist im Bootsdesign gehalten, 14 Personen können auf beiden Seiten Platz nehmen, und bei Einbruch der Dunkelheit schalten sich unterhalb der Sitzflächen sogar blaue Lichter ein. Edel ist auch der Seilspielplatz vor der Ostseestation, der bunt und überwiegend in maritimem Blau gehalten ist. Kostenpunkt für das Kindervergnügen: 220 000 Euro. Ein steinernes Brunnenfeld, das von Spaziergängern schon mal für eine Minigolfbahn gehalten wird, schlägt mit satten 650 000 Euro zu Buche, und zwei Metallskulpturen mit Sitzgelegenheiten kosten 135 000 Euro. Dagegen scheint der Grillplatz am Platz vor dem Restaurant „Seglermesse“ vergleichsweise günstig: Er kostete lediglich 45 000 Euro.

Anwohner und Touristen verwundert über das Konzept

Alles vom Feinsten also auf der neuen Promenade. Was jedoch nicht überall auf Verständnis stößt. Daniela Lecour aus Kücknitz war am vorigen Sonntag mit ihrer Familie auf der Flaniermeile unterwegs. „Das sieht ja eigentlich ganz schön hier aus, aber muss es gleich so übertrieben werden?“, fragt sie. Und: „Ich muss mich nicht unbedingt auf eine Bank, die 18 000 Euro kostet, setzen.“ Ihr Lebensgefährte Andreas Müller sagt: „Das ist alles ein bisschen übertrieben.“ Marlis Schröder, Urlauberin aus Stuttgart und geborene Lübeckerin, kritisiert die touristische Entwicklung auf der Halbinsel insgesamt: „Ich habe den Priwall aus meiner Kindheit anders in Erinnerung. Das hier ist nicht mehr schön. Eigentlich sollte doch die Natur erhalten bleiben.“ Eckhard Erdmann, Vorsitzender der Gemeinschaft der Priwallbewohner, fragt: „Musste das alles so exklusiv sein?“ Burkhard David lebt seit vielen Jahren auf dem Priwall und zeigt wenig Verständnis für die teuren Sitzbänke und anderen Installationen: „Als ich von den Kosten hörte, musste ich dreimal schlucken. Und wenn ich mir überlege, dass die Stadt kein Geld hat, bekomme ich das Kopfschütteln.“

Priwall-Promenade

Die Gesamtkosten der Priwall-Promenadebetragen rund 9,2 Millionen Euro. Die Förderquote liegt bei etwa 70 Prozent. Ursprünglich waren 6,5 Millionen veranschlagt. Die Bürgerschaft segnete die Mehrkosten mit einer Mehrheit aus CDU, FDP, Freie Wähler/Linke ab. Grüne, GAL und BfL stimmten mit Nein. Die SPD enthielt sich. Die Stadt muss doppelt soviel Geld aufbringen wie geplant: Statt 1,8 Millionen Euro sind es nun 3,5 Millionen Euro. Stadtsprecherin Nicole Dorel: „Die Rahmenbedingungen der Förderung waren und sind der Politik bekannt - in diesem Fall vor allem die Exklusivität der Maßnahme als wesentliches Förderkriterium.“ Die Promenade inklusive aller Anlagen wie Bepflanzung, Sitzgelegenheiten und Spielflächen befinde sich noch im Bau. Es sei noch keine Freigabe der Flächen erfolgt. Genaue Zahlen gebe es erst nach der Endabrechnung.

Stadt: Besondere Förderkriterien

Stadtsprecherin Nicole Dorel erklärt auf LN-Nachfrage, dass für die Baumaßnahme Priwall-Promenade vor allem die besonderen Förderkriterien eine Rolle spielten. Zudem sei es Wille der Politik, Maßnahmen umzusetzen, damit Travemünde touristisch nicht abgehängt werde. In Nachbarbädern und anderen Gemeinden wurden und würden zahlreiche Projekte zur Attraktivitätssteigerung und zur Verbesserung der Aufenthaltsqualität geplant oder umgesetzt. Diesem Wettbewerb müsse sich Travemünde stellen. Ein entscheidendes Kriterium für die 70-prozentige Förderung sei, dass für den exponierten Standort Priwall keine „Standardausstattungen“ verwendet werden sollten, sondern dass die Promenade qualitativ hochwertige Alleinstellungsmerkmale mit individuellen Angeboten aufweise. Das Land wolle mit dieser Vorgabe erreichen, dass nicht alle Seebäder gleiche Promenaden und Seebrücken bauten, sondern Individualität, Abwechslung und Vielfalt sowie ortsgebundene Exklusivität förderten. Die Maßnahme auf dem Priwall sei vergleichbar mit den ebenfalls vom Land geförderten Projekten in Grömitz, Großenbrode, Haffkrug, Scharbeutz und Heiligenhafen.

Die Hansestadt Lübeck nutze die Förderungsprogramme auch, um in Travemünde die Neugestaltungen der Promenade entlang des Fischereihafens und der Trave-Promenade umzusetzen, betont die Stadtsprecherin. Im Unterschied zu den „normalen“ Programmen der Städtebauförderung gehe es dabei nicht nur um eine einfache Oberflächenerneuerung. Kriterien seien immer, die Individualität und Exklusivität an einem exponierten Ort zu fördern. „Deshalb müssen in der Planung hochwertige Alleinstellungsmerkmale vorgesehen werden.“

Von Thomas Krohn

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