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Lübeck Schleswig-Holsteins Polizei macht 24 Stunden Jagd auf Temposünder
Lokales Lübeck Schleswig-Holsteins Polizei macht 24 Stunden Jagd auf Temposünder
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18:43 25.11.2013
Von Curd Tönnemann
Quelle: dpa
Lübeck

Kiel/Hannover – Autofahrer, aufgepasst: Schleswig-Holstein macht demnächst an einem Tag rund um die Uhr Jagd auf Raser – und das flächendeckend. Das Land beteiligt sich am sogenannten „Blitz-Marathon“. Dabei soll die Geschwindigkeit von Autofahrern rund um die Uhr kontrolliert werden. Das teilte der Kieler Innenminister Andreas Breitner (SPD) mit. Die Initiative zu der Aktion kommt von seinen Ressortkollegen aus Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Sie wollen auf der Innenministerkonferenz in Hannover dafür werben, den „Blitz-Marathon“ im gesamten Bundesgebiet durchzuführen. So steht es auf der Tagesordnung des bis morgen dauernden Treffens.

Erfahrungen anderer Bundesländer zeigten, dass der 24-Stunden- Blitz-Marathon die Häufigkeit von Verstößen gegen das Tempolimit nachweislich verringere „und sich diese Wirkungen teilweise auch über den Zeitraum der Kontrollen hinaus einstellen“, begründete Breitner die Teilnahme. Er werbe dafür, dass der noch nicht bekannte Termin auch für die kommunalen Verkehrsüberwachungen gilt.

In Lübeck hat sich die Polizei aus Geschwindigkeitskontrollen weitgehend verabschiedet. Sie ist nur noch mit Videowagen auf der Jagd nach Temposündern. Die Stadt Lübeck hat zwei mobile Messanlagen im Einsatz. Innensenator Bernd Möller (Grüne) will sich dem „Blitz-Marathon“ nicht verschließen, „auch wenn es sich dabei um einen symbolischen Akt handelt“.

Die Idee stammt aus Nordrhein- Westfalen, wo die Polizei seit vergangenem Jahr regelmäßig einen ganzen Tag lang flächendeckend auf Raserjagd geht. „Ein vorbildliches Modell und absolut bundesligareif“, sagte NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) vor der Konferenz in Hannover. Dem Kieler Innenminister Breitner geht es vor allem um mehr Verkehrssicherheit. „Überhöhte Geschwindigkeit ist bei Verkehrsunfällen die Todesursache Nummer eins.“

In Niedersachsen war im Oktober erstmals landesweit rund um die Uhr geblitzt worden. Dabei waren in 24 Stunden 120 000 Fahrzeuge kontrolliert worden. 4000 Autofahrer verstießen dabei gegen ein Tempolimit – weniger als erwartet. Die Kontrollpunkte waren zuvor im Internet veröffentlicht worden. Die Polizeidirektion Göttingen war so begeistert, dass sie erst in der vergangenen Woche eine 17-stündige Kontrolle mit 170 Beamten organisierte. Die Polizei nannte im sozialen Netzwerk Facebook die Kontrollpunkte.

Der ADAC Schleswig-Holstein ist skeptisch. „Wenn nur dort geblitzt würde, wo es der Verkehrssicherheit dient, sind wir für diese Aktion“, sagt Präsident Ulrich Klaus Becker. „Wenn allerdings geblitzt wird, um einen Tag lang kräftig Kasse zu machen, bleibt der fade Eindruck von einem Staat, der Autofahrer abzockt.“ Laut Unfallstatistik sind im vergangenen Jahr auf deutschen Straßen so wenig Menschen tödlich verunglückt wie noch nie zuvor.

Curd Tönnemann