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Lübeck Schluss mit Bürgerschaft: Lübecker Politikerin schreibt einen Roman
Lokales Lübeck Schluss mit Bürgerschaft: Lübecker Politikerin schreibt einen Roman
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11:39 15.08.2019
Heike Wiechmann (Unabhängige) an ihrem Arbeitsplatz. Die gebürtige Travemünderin arbeitet hauptberuflich als Autorin und Illustratorin und schreibt jetzt einen Roman. Quelle: Lutz Roeßler
Lübeck

Es geht nicht mehr. Heike Wiechmann, seit Mai 2018 Mitglied der Bürgerschaft, gibt ihr Mandat zurück. Aus beruflichen Gründen. Die Autorin und Illustratorin, die 25 Kinderbücher geschrieben und an die 70 illustriert hat und schon einmal mit einem Titel auf der Spiegel-Bestsellerliste gelandet ist, schreibt einen Roman für Erwachsene. Es geht aber nicht um ein Sittengemälde des heutigen Lübeck, es geht um leichte Unterhaltung.

Sie schreibt unter Pseudonym

„Ich habe einen Verlag gefunden, einen Agenten und einen Vertrag bekommen“, sagt die gebürtige Travemünderin, „bis Februar 2020 muss das Werk fertig sein.“ Um was es in dem Roman geht, verrät die 56-Jährige nicht. Sie schreibt unter Pseudonym, muss 320 Seiten abliefern und hat erst 100 geschafft.

Heike Wiechmann (Mitte) bei einer der langwierigen Bürgerschaftssitzungen. Quelle: Lutz Roeßler

„Ich kann nicht einen Roman schreiben und gleichzeitig Politik machen“, erklärt die Politikerin der Unabhängigen. 20 Wochenstunden würden für das politische Ehrenamt draufgehen. „Ich habe pro Woche mindestens fünf Termine, muss Ausschüsse und Aufsichtsräte besuchen, Besprechungen abhalten und Kontakte zu Bürgern aufnehmen“, beschreibt die Autorin die politische Arbeit, für die sie 311 Euro im Monat an Aufwandsentschädigung bekommt.

Zur Person

Heike Wiechmann, Jahrgang 1963, ist Designerin, Illustratorin und Kinderbuchautorin. 1998 hat sie für einen Spielzeughersteller den Geburtstagszug, eine Tischdekoration für Kindergeburtstage, entworfen. Später klagte Wiechmann gegen den Hersteller wegen nicht angemessener Vergütung.

Die Politikerin ist Gründungsmitglieder der Unabhängigen. Der ehemalige Bürgermeister-Kandidat Detlev Stolzenberg gründete Ende 2017 die Wählerinitiative. Wiechmann wurde sofort in den siebenköpfigen Vorstand gewählt.

Heike Wiechmann hat eine eigene Internetseite und einen Wikipedia-Eintrag.

Kritische Bilanz der Bürgerschaftsarbeit

Über die St.-Jürgen-Runde und die Frauenbürgerschaft kam sie in die Politik. Der Bürgermeister-Wahlkampf im Team von Detlev Stolzenberg führte schließlich zum Entschluss, sich für ein Mandat im Rathaus zu bewerben. Wie es sich für eine Schriftstellerin gehört, gibt sie ihr Mandat nicht einfach nur zurück. Sie resümiert auch die Zeit in der Stadtvertretung.

„Die Bürgerschaft bildet nicht wirklich unsere Stadtgesellschaft ab“, lautet ihre Bilanz. Reinigungskräfte, Paketfahrer, Verkäuferinnen, Friseurinnen und selbstständige Kreative können in der Kommunalpolitik nicht mitarbeiten, „weil die Arbeit nur unter enormen persönlichen und beruflichen Einschränkungen möglich ist.“ Wer mit wenig Geld, aber viel Arbeit über die Runde kommen müsse, habe keine Zeit für Politik. Und deshalb würden in der Bürgerschaft viele Männer, viele Ältere, viele Gutverdienende oder von der Erwerbsarbeit Freigestellte mitwirken. Wiechmann: „Diese Zusammensetzung ist nicht repräsentativ.“

Übergabe: Heike Wiechmann spricht mit ihrem Nachfolger in der Bürgerschaft, Lars Lehrke. Quelle: Lutz Roeßler

Als einen der „Hauptgründe für die ewigen politischen Streitereien“ hat Wiechmann das fehlende Geld ausgemacht. Verantwortlich dafür seien Bund und Land, die die Kommunen finanziell nicht angemessen ausstatten würden.

Klimaschutz muss ernst genommen werden

Schließlich fehle der Bürgerschaft oft der Mut, Entscheidungen zu treffen. Es reiche nicht, den Klimanotstand zu beschließen, mahnt Heike Wiechmann. Die Politiker müssten sich jetzt auch den Fragen stellen, „ob die Stadt es sich noch leisten kann, eine Neue Teutendorfer Siedlung dort zu bauen, wo ein Landschaftsschutzgebiet existiert“. Der Busverkehr müsse innerhalb eines Jahres billiger oder kostenlos werden, um eine Verkehrswende einzuleiten.

Die Unabhängigen-Politikerin will bei der Wählergemeinschaft und in der Fraktion weiter mitmischen, aber nicht mehr in der Bürgerschaft sitzen. Dorthin rückt Lars Lehrke nach. Der 46-jährige Bankkaufmann gilt als „Aktenfresser“ und Finanzexperte. Lehrke will sich um die städtischen Finanzen, Jahresabschlüsse und Prüfberichte kümmern.

Von Kai Dordowsky

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