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Lübeck Schluss mit Schiffe gucken: Zoff um Bänke in Travemünde
Lokales Lübeck Schluss mit Schiffe gucken: Zoff um Bänke in Travemünde
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06:25 13.09.2019
Boote im Rücken : Bänke in Travemünde haben die Rückenlehne an der zum Wasserseite. Quelle: Thomas Krohn
Travemünde

Wer mit seinem Luxusboot in Port Hercule liegt, dem zentralen Yachthafen von Monte Carlo im Fürstentum Monaco, lässt sich von vorbei flanierenden Touristen gern bestaunen. Die Urlauber stören auch bei den Champagner- und Kaviarpartys nicht –gilt es doch zu zeigen, was man hat und sich leisten kann. Das ist in Travemünde anders. Jedenfalls wollen Liegeplatzinhaber an der Trave zwischen Fährplatz und Ostpreußenkai nicht, dass man ihnen auf den Streuselkuchen und den Milchkaffee schaut - und auch nicht auf ihre Boote. Sie haben durchgesetzt, dass die Rückenlehnen von drei der insgesamt fünf Bänke entlang der Kaimauer so aufgestellt wurden, dass die Sitzgelegenheiten nur in die entgegengesetzte Blickrichtung genutzt werden können - mit der Sicht auf die rückseitigen Hauswände der gastronomischen Betriebe in der Vorderreihe.

Entspannen und Schiffe gucken – das geht nicht auf jeder Bank im Seebad. Manche haben das Wasser im Rücken des Betrachters –die Segler wollten lieber ihre Ruhe.

Segler wollen Privatsphäre schützen

Rückblick: Bei einer Vorstellung des neuen Uferbereichs in der Ortsratssitzung im August 2017 hatte Projektleiterin Annette Höhn von Lübeck Port Authority (LPA) darauf hingewiesen, dass es seitens der Bootseigner Befürchtungen gebe, die geplanten Sitzgelegenheiten könnten zu nahe an ihren dort liegenden Schiffen stehen. Sie befürchteten einen Eingriff in ihre Privatsphäre. Eine bei der Sitzung anwesende Motorbootbesitzerin schlug vor, die Bänke so zu stellen, dass sich die Nutzer mit dem Rücken zu den Booten befinden.

Die Skipper fühlten sich von den Passanten beobachtet und belästigt, lautete ihre Begründung. Ein Zuhörer aus Travemünde hatte daraufhin den ironischen Vorschlag gemacht, einen zwei Meter hohen Sichtschutzzaun an der Kaikante aufzustellen. Am Uferbereich befinden sich insgesamt 14 Liegeplätze, von denen in den Sommermonaten fast alle ständig belegt sind.

„Traveblick wäre schöner“

Die „kleine Promenade“ ist inzwischen fertig, die Bänke stehen. Doch nicht alle sind zufrieden mit dem Ergebnis. Der Travemünder schrieb jetzt einen Brief an den Ortsrat. „Nachdem die mittleren Bänke mit Rückenlehnen zum Wasser aufgestellt wurden, ist man gezwungen, die nicht sehr attraktiven Rückseiten der Kneipen, Wohnhäuser und Restaurants anzusehen“, beschwert er sich und meint: „Lieber würden die Travemünder und die Gäste auf die Trave schauen.“ Eine Minderheit von Bootsbesitzern dürfe nicht bestimmen, ob entweder die Rückwände der Häuser oder die vorbeifahrenden Schiffe bewundert werden.

Warum nicht die Boote umdrehen?

Auch Ortsratsvorsitzender Gerd Schröder (CDU) gefällt die Lösung nicht. „Das ist ein Ding der Unmöglichkeit“, wettert er und fragt: „Warum drehen die ihre Yachten nicht mit dem Bug zu Wasserseite? Aber dann kann man ja nicht mehr so bequem vom Boot steigen.“ Um dem Streit ein Ende zu bereiten, hat Schröder einen pragmatischen Vorschlag: „Einfach die Rückenlehnen wieder abbauen, dann kann jeder selbst entscheiden, wie er sitzen will.“

Stadt: Lösung ist ein Kompromiss

Stadtsprecher Hansjörg Wittern betont auf LN-Nachfrage, dass zum Zeitpunkt der Planungen der Entwurf eine Sitzmauer aus Beton mit Zugang zum Wasser ohne Rückenlehne vorsah. Die grundsätzliche Ausstattung mit einer Lehne sei nach den Anregungen der Bürger bei der Ortsratssitzung in die weitere Ausführungsplanung aufgenommen worden. Eine Treppenanlage sowie zwei Sitzbänke böten einen freien Blick auf das Wasser. Die anderen drei Bänke im Bereich der Liegeplätze seien mit Blickrichtung Marktplatz aufgestellt worden. Wittern: „Grundsätzlich sind die Lehnen aber nicht durchgängig, sodass eine freie Wahl der Sitz- beziehungsweise Blickrichtung stets möglich ist.“ Diese Lösung stelle einen Kompromiss dar mit dem Ziel, den Interessen der Passanten und Liegeplatzinhaber gerecht zu werden.

Von Thomas Krohn