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Lübeck Um Schulwege sicherer zu machen: Eltern sollen Gefahren melden
Lokales Lübeck Um Schulwege sicherer zu machen: Eltern sollen Gefahren melden
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19:18 26.02.2019
An vielen Schulen wie hier an der Stadtpark-Schule herrscht morgens reger Autoverkehr, weil viele Eltern ihre Kinder mit dem Fahrzeug zum Unterricht bringen. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
Lübeck

Diese Szene wird Katja Mentz nie vergessen. Die Politikerin, Mutter von drei Kindern, stand mit Fahrrad und Kinderanhänger in der Wakenitzstraße/Ecke Kalandstraße hinter einem Pkw. Der Fahrer rangierte rückwärts, weil kein Durchkommen mehr war. Mentz konnte nicht ausweichen, weil überall Autos standen: „Das war lebensgefährlich.“

Katja Mentz (GAL) kämpft für sichere Schulwege und regt die Einrichtung eines Internetportals an, auf dem Lehrer, Kinder und Eltern Gefahrenstellen melden können. Quelle: LN-Archiv

Kinder zur Schule bringen – das bedeutet für Autofahrer ebenso Stress wie für die Kinder, die zu Fuß oder mit dem Fahrrad kommen. Elterntaxis sind kein neues Thema, aber die GAL will in der Bürgerschaft die Einrichtung eines Internetportals beantragen. So wie sich Bürger auf den Plattformen „Lübeck-Übermorgen“ an der Stadtplanung beteiligen können, sollen auf der Schulwege-Plattform Hinweise auf gefährliche Situationen gesammelt werden.

Wakenitzstraße: Ein Fahrzeug parkt den Gehweg zur Hälfte dicht. Auf diesem Weg sind viele Schulkinder unterwegs. Quelle: Katja Mentz

Das Umfrageportal soll zunächst alle Grund- sowie Grund- und Gemeinschaftsschulen auflisten und später auf die weiterführenden Schulen ausgeweitet werden. Nach zwei Monaten soll die Befragung ausgewertet werden. Verwaltung und Polizei sollen anschließend den Politikern Maßnahmen zur Schulweg-Sicherung vorschlagen.

Bei Facebook hat die GAL-Politikerin bereits einige Reaktionen erhalten. Götz Holderbach: „Unser Viertel rund um die Kaland-Schule ist morgens zum Schulbeginn mit Autos verstopft. Mich hat es schon mehrmals beinahe mit Kind auf dem Fahrrad erwischt.“

Grundschulen schrumpfen

Zwölf von 35 Grundschulen nehmen künftig weniger Schüler auf, weil ihre Klassenräume zum Teil zu klein sind. Zwei Quadratmeter müssen einem Schüler mindestens zur Verfügung stehen, macht bei 27 Schülern 54 Quadratmeter. Die Schulverwaltung hat 50 Klassenräume an den 35 Grundschulen recherchiert, die kleiner sind. Die meisten Grundschulen reduzieren um zwei bis sechs Schüler. Drei Schulen fahren die Kapazitäten deutlicher herunter – die Schule am Stadtpark (34 Plätze weniger), die Pestalozzi-Schule (20) und die Gotthard-Kühl-Schule (60).

Die Landesverkehrswacht hat vor einem halben Jahr eine Art Bannkreis vor den Schulen vorgeschlagen, so dass Kinder nicht direkt vor dem Schultor abgesetzt werden können. Katja Mentz: „Eine radikale Maßnahme wäre, temporäre Straßensperrungen einzuführen, also 30 Minuten vor Schulbeginn die Einfahrt in Straßen oder das Durchfahren von Straßen zu untersagen.“ Denkbar wäre auch die Einrichtung von sogenannten Kiss & Go-Zonen, also Haltepunkte, die nicht direkt vor den Schulen liegen, sagt die Politikerin.

Die LN haben Schulleitungen gefragt, was sie davon halten. Ein Chaos bestehe vor der Kahlhorstschule nicht, erklärt Schulleiter Rüdiger Rückbrodt, aber Gefährdungen seien nicht auszuschließen. „Die Schule ist von zwei Seiten aus erreichbar, hat aber keinen eigenen Parkplatz“, sagt Rückbrodt. Die meisten Lehrkräfte würden bei Wind und Wetter mit dem Fahrrad kommen. Rückbrodt: „Wir sorgen dafür, dass die Zufahrt, die eine Feuerwehreinfahrt ist, nicht befahren werden darf.“ Für eine Kiss and Go-Zone fehle schlicht der Platz.

Vor der Grundschule am Kücknitzer Kirchplatz herrscht absolutes Halteverbot, trotzdem halten Elterntaxen. Quelle: Sven Wehde

Das sieht am Kücknitzer Kirchplatz, wo die Kleinen der Trave- Grund- und Gemeinschaftsschule untergebracht sind, nicht besser aus. „Ich wüsste nicht, wo Platz für eine solche Zone wäre“, sagt Schulleiter Albrecht Dudy. Immer wieder würde die Schule die Eltern auf das Problem der Elterntaxen aufmerksam machen – zumal vor der Schule ein Halteverbot besteht. „Wenn unser Grundschul-Koordinator sich morgens draußen hinstellt, läuft es besser“, erklärt Dudy.

Das macht die Polizei

„Schulwegsicherung ist eine polizeiliche Aufgabe“, sagt Polizeisprecher Stefan Muhtz, aber die Polizei sei personell nicht in der Lage, ständig vor allen Grundschulen durch Streifen präsent zu sein. Muhtz: „Abhängig vom Einsatzgeschehen taucht eine Streife immer mal wieder vor einer Grundschule auf.“ Zahlen über Unfälle auf Schulwegen hat die Polizei nicht, das Problem mit Elterntaxen ist den Ordnungshütern aber bekannt. Um Schüler auf dem Schulweg zu schützen, gebe es vor nahezu allen Schulen inzwischen Trenngitter zur Fahrbahn hin, erklärt Muhtz.

„In Absprache mit mir zeigt die Polizei durch Fußstreifen deutlich Präsenz vor der Schule zum Schulbeginn“, berichtet Ulf-Michael Cosmus, Leiter der Kaland-Schule. Sehr viele Kinder würden zu Fuß zur Schule kommen. „Kiss and Go-Zonen sind sicherlich sinnvoll, vor der Kaland-Schule aber aus baulichen Gründen nicht realisierbar“, erklärt Cosmus, „allerdings könnte dies ein Thema bei unserem Interimsbau auf der Hüxwiese werden.“

Kai Dordowsky

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