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Lübeck Die jungen Bücher-Helden
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17:51 26.02.2019
Mutige und versierte Vorleserin: Lovisa Christiansen (11) war eine der 16 Schülerinnen und Schüler, die im Stadtentscheid der sechsten Klassen antraten.
Mutige und versierte Vorleserin: Lovisa Christiansen (11) war eine der 16 Schülerinnen und Schüler, die im Stadtentscheid der sechsten Klassen antraten. Quelle: Lutz Roeßler
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Es ist herrscht schon eine besondere Atmosphäre im 1619 eröffneten Scharbausaal, der im 14. Jahrhundert als Schlafsaal der Franziskanermönche des Katharinenklosters errichtet worden war: kunstvolle eichene Regale, große Porträts wichtiger Männer und überall wertvolle Bücher aus vergangenen Zeiten. So manch einer könnte hier vor Ehrfurcht erstarren, doch die Mädchen und Jungen, die an diesem Tag in den ersten Reihen sitzen, sind mutig.

Denn nur kurze Zeit, nachdem Stadtbibliotheks-Leiter Bernd Hatscher die Kinder begrüßt und den Unterstützern gedankt hat, treten sie nacheinander ans Mikrofon, um sich und ihr Lieblingsbuch vorzustellen und einen Ausschnitt aus eben jenem Buch vorzulesen. „Eigentlich“, sagt die Leiterin der Kinder- und Jugendbibliothek, Anja Schnerr, „könnt ihr jetzt schon stolz auf euch sein, denn ihr habt schon zweimal gewonnen!“ Denn die Jungen und Mädchen haben zunächst den Klassen-, dann auch noch den Schulentscheid für sich gewonnen.

Nervös sind sie alle, denn schließlich sitzt nicht nur die Jury im Publikum, auch die Eltern und Geschwister der Nachwuchs-Vorleser warten gespannt auf den Auftritt der jungen Akteure. Die einen können das nur besser überspielen als andere. Miguel Calm Martinez von der Grund- und Gemeinschaftsschule St. Jürgen ist gleich als Zweiter an der Reihe: Er liest gut strukturiert, intoniert gut, als er aus „Arlo Finch – Im Tal des Feuers“ von John August vorliest. Andere lesen sehr flüssig, sehr schnell – fast so, als wollten sie möglichst bald zum Ende kommen.

Richtig gefesselt sind die Zuhörer, als Ramadan Khodr (12) von der Schule an der Wakenitz die Piraten-Story „Eddy Stone“ von Simon Cherry vorliest – oder vielmehr vorträgt, denn Ramadan betont nicht nur extrem gut, sondern spricht die einzelnen „Rollen“ auch mit unterschiedlichen Stimmen. Das Buch, sagt er später in einer Erfrischungspause, habe er von einem Freund ausgeliehen, geübt hat er mit seinem Lehrer und seiner älteren Schwester.

Ramadan Khodr: „Ich möchte später Lehrer werden.“ Quelle: Lutz Roeßler

Doch obwohl der Zwölfjährige gern und gut liest, ist sein Lieblingsfach in der Schule nicht etwa Deutsch, sondern Mathe. Und nein, Ambitionen, Schauspieler zu werden, habe er nicht: „Ich möchte Lehrer werden.“

Auch die elfjährige Lovisa Christiansen vom Katharineum liest sehr lebendig und mit verteilten Rollen aus Cornelia Funkes „Drachenreiter“, und Ronja Stroh von der Baltic Grund- und Gemeinschaftsschule begeistert mit ihrem Vortrag aus Astrid Lindgrens „Ronja Räubertochter“. Die Bücher sind ihre Lieblingsbücher, die Stellen haben sie selbst ausgewählt.

Ronja Stroh: „Ich mag die Bücher von Astrid Lindgren, weil sie spannend sind und viele Bilder haben.“ Quelle: Lutz Roeßler

Extrem spannend wird es nach der Erfrischungspause, denn während Eltern und Kinder sich stärken, wählt die Jury sechs Sechstklässler aus, die noch einen Fremdtext – „Mio, mein Mio“ von Astrid Lindgren, lesen müssen. Neben den vier bereits genannten Jungen und Mädchen sind das Noé Ben Stamer von der Ernestinenschule und Anka Wagner vom Johanneum.

Am Ende kann Anka jubeln, denn sie kommt auf den ersten Platz, gefolgt von Miguel und Ronja. Freuen können sich dennoch alle, denn sie alle haben mit ihren Vorträgen noch mehr Lust aufs Lesen gemacht.

Sabine Risch