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Lübeck Travemünder Seemannsschule: Auf See fehlt der Nachwuchs
Lokales Lübeck Travemünder Seemannsschule: Auf See fehlt der Nachwuchs
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14:46 10.07.2019
Die Schleswig-Holsteinische Seemannsschule ist seit 1952 auf dem Priwall beheimatet. Das 1928/29 errichtete Gebäude war früher der Tower des alten Flughafens. Quelle: Thomas Krohn
Travemünde

Es gibt noch eine in Rostock und eine in Elsfleth, doch die Seemannsschule Travemünde ist die größte von ihnen. 200 angehende Schiffsmechaniker kommen pro Jahr dorthin, dazu 100 in überbetrieblicher Ausbildung sowie 600 Fortbildungsteilnehmer. Die maritime Aus-, Fort- und Weiterbildungsstätte ist seit 67 Jahren auf dem Priwall beheimatet. Die Schule hat ihre Unterrichtsräume in einem Gebäude, das vorher teilweise als Tower für den damaligen Flughafen genutzt wurde. Diese Zahlen und Fakten nannte jetzt Schulleiter Holger Garbelmann vor etwa 20 Teilnehmern einer Besichtigung, die die Gemeinschaft der Priwallbewohner organisiert hatte.

Die Schleswig-Holsteinische Seemannsschule bildet seit 1967 Matrosen und Schiffsmechaniker aus. Das Angebot der Einrichtung auf dem Priwall ist vielfältig.

Seemannsschule bietet breites Angebot

Während eines Rundgangs durch die Werkstätten und über das Außengelände gab Garbelmann Einblicke in das breit gefächerte Angebot der Einrichtung. „Früher gab es auf den Schiffen Matrosen“, erklärte der Schulleiter. „Anfang der 1980er-Jahre wurde der Beruf des Schiffsmechanikers geschaffen, weil die Arbeit sich verändert hatte.“ Die umfangreiche Ausbildung zum Schiffsmechaniker dauert drei Jahre, in jedem Jahr müssen die Auszubildenden zwölf Wochen Blockunterricht ableisten. Ansonsten werden sie auf den Schiffen ihrer Arbeitgeber auf ihren künftigen Beruf vorbereitet.

Wandel der Ausbildungsinhalte

Während in den 1950er-Jahren noch Fächer wie Segelnähen und Zeugwäsche zum Ausbildungsprogramm junger Matrosen gehörten, werde ein angehender Schiffsmechaniker heute in Metallbearbeitung, Maschineninstandsetzung sowie im Umgang mit Tauwerk, Sicherheitsausrüstung und Werkzeugen unterrichtet.

Frauenanteil liegt bei zehn Prozent

Ein reiner Männerberuf ist der „moderne Matrose“ nicht mehr, der Frauenanteil liege bei etwa zehn Prozent. Katharina Schöller und Lisa Runge (beide 25) gehören dazu. Die beiden Auszubildenden befinden sich in der Seemannsschule Travemünde auf der Zielgeraden, denn in dieser Woche absolvieren sie ihre Abschlussprüfungen. Lisa Runge hatte vorher Hotelfachfrau gelernt und ist anschließend zwei Jahre auf einem holländischen Segelschiff gefahren. „Ich hatte mir überlegt, dass so eine Arbeit auf einem Schiff doch viel cooler ist als in einem Hotel“, sagt sie. Eine Stelle hat sie schon: Nach erfolgreicher Prüfung fängt sie beim Lotsbetriebsverein Kiel an. Katharina Schöller will nach ihrer Ausbildung ein Studium der Schiffselektrotechnik beginnen.

Die Seemannsschule auf dem Priwall

Die Seemännische Berufsschule, wie die Einrichtung korrekt heißt, ist eine überbetriebliche Ausbildungsstätte und ein maritimes Weiterbildungszentrum des Landes Schleswig-Holstein. Sie ist die einzige Schule im nördlichsten Bundesland, die unter der Trägerschaft und Fachaufsicht des Wirtschaftsministerium steht.

Seit 1952 werden auf dem Priwall junge Menschen zu Fachkräften in der Seefahrt ausgebildet sowie Fachkräfte der Seefahrt fort- und weitergebildet. Außer dem berufsschulischen Angebot für Schiffsmechaniker gibt es überbetriebliche Ausbildungen sowohl in Brandabwehr und Rettung als auch in Metallbearbeitung. Zudem werden Offshore-Lehrgänge angeboten. Gemeinsam mit der Berufsgenossenschaft Verkehr werden Sicherheitsbeauftragte und Fachkräfte für Arbeitssicherheit trainiert.

Beruf mit Nachwuchsproblemen

Schulleiter Garbelmann beklagte, dass es beim Beruf des Schiffsmechanikers mittlerweile ein Nachwuchsproblem gebe. Immer weniger junge Menschen interessierten sich dafür, weil sie denken, es gebe kaum Perspektiven. „Das ist falsch“, stellte er fest. Die Bundesrepublik Deutschland habe mit mehr als 200 Schiffen eine der größten Handelsflotten der Welt: „Deutschland ist eine Seefahrernation, weiß es aber nicht.“ Ein Problem sei, dass viele Reeder ihre Schiffe nicht mehr unter deutscher Flagge fahren ließen, um Kosten zu sparen. „Vielleicht heißt der Schiffsmechaniker später einmal Schiffsmechatroniker. Es wird aber immer hoch qualifizierte Menschen für Schiffe geben müssen.“

Thomas Krohn

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