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Lübeck Seit einem Jahr steht die unschöne Brandruine am Burgkloster
Lokales Lübeck Seit einem Jahr steht die unschöne Brandruine am Burgkloster
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20:10 26.05.2018
Die Ruine gegenüber dem Burgkloster im Mai 2018 – kein schöner Anblick für Passanten und Besucher des Hansemuseums. Mit Gerüst und Balken im Inneren ist das Gebäude notdürftig abgestützt. Quelle: Fotos: König, Maxwitat, Kröger
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Ein trauriger Anblick: Immer wieder schauen Touristen, meist Besucher des Hansemuseums, auf die Brandruine, die seit Ende vergangenen Jahres mit Holzbalken notdürftig abgestützt ist. Nichts scheint sich zu tun am Gebäude Hinter der Burg 15, das wie ein Mahnmal in den Himmel der Altstadt ragt.

Es ist knapp ein Jahr her, dass in der Nacht vom 3. auf den 4. Juni eines der ältesten Häuser Lübecks niederbrannte. Das Haus gegenüber dem Burgkloster sollte eigentlich ab Juni wieder aufgebaut werden. Doch die Verhandlungen zwischen Denkmalpflege und Eigentümer Detlef Zaube ziehen sich hin.

„Wir warten auf einen Termin vom Statiker“, sagt Detlef Zaube nun auf LN-Anfrage, wann es denn mit der Sanierung losgehe. Davon hängt vieles ab. Kürzlich gab es ein erstes Treffen zwischen dem Eigentümer, dessen Architektin Vera Detlefsen und der Denkmalpflege. Zaube möchte entweder zwei Stadthäuser oder ein kleines Hotel errichten. Seine Architektin habe schon mehrere Entwürfe bei der Denkmalpflege eingereicht, doch nach dem jüngsten Gespräch seien weitere erbeten worden. „Aus dem Sanierungsbeginn im Juni wird wohl nichts“, so der 66-jährige Eigentümer, der die Kosten für den Wiederaufbau derzeit noch nicht einschätzen kann.

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Rückblick: Die Adresse Hinter der Burg 15 bezeichnet das Kopfhaus der ältesten Lübecker Reihenhauszeile Kleine Burgstraße 1-11. Gebaut im Jahr 1291 diente es zumindest von den 1950er bis in die 1980er Jahre hinein als Hotel. 20 Jahre stand es leer, bis Detlef Zaube es 2007 aus einer Zwangsversteigerung erwarb. In mehr als schlechtem Zustand. Hauptproblem: die Statik. Bereits vor dem Brand, so Zaube, habe er mehr als eine halbe Million Euro in die Immobilie investiert, die er zunächst in ein Rucksackhotel, dann in seinen Alterswohnsitz umbauen wollte. Er hatte bereits vor längerer Zeit Balken, Stahlträger und Anker eingebaut, denn eine Hauswand drohte zur Seite Kleine Burgstraße zu kippen.

Als das Feuer Pfingsten 2017 ausbrach, hatte Zaube bereits Fichtenhölzer für ein neues Dachwerk im Haus gelagert: Er wollte den historischen Dachstuhl belassen und daneben einen neuen bauen. Zaubes damaliger Architekt Michael Lauenroth vermutete, dass das Haus wegen der Fichtenhölzer so schnell lichterloh brannte. Gemeldet worden war das Feuer Pfingstsonnabend um 22.45 Uhr, erst am Sonntag um 14 Uhr hieß es offiziell „Feuer aus!“

Erhalten bleiben konnten, so die Denkmalpflege, am Haus gegenüber dem Burgkloster lediglich die beiden traufseitigen Außenwände, Teile des Giebels, ein Teil der Deckenbalkenlage über dem Erdgeschoss und der Keller. „Das Dach und die innere Struktur beziehungsweise Substanz ging vollständig verloren“, teilt Stadtsprecherin Valessa Glisovic im Auftrag der Denkmalpflege mit. Das Gebäude Kleine Burgstraße 1, durchs Dachwerk mit dem Kopfhaus verbunden, wurde ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen: Obergeschoss und Dachgeschoss sind komplett zerstört, Fassaden und Erdgeschoss blieben vollständig erhalten, im Obergeschoss gibt es noch Reste der Innenwände.

Beide Gebäude bleiben als Kulturdenkmale in der Denkmalliste der Hansestadt. Weshalb aus Sicht der Denkmalpflege „alle noch erhaltenen Teile der Fassaden auch erhalten bleiben“ sollen, sowie das Dach in seiner ursprünglichen Gestaltung. Die Dachneigung, die First- und Traufhöhe sollten wiederhergestellt werden. Über die Gestaltung des Giebels, so die Denkmalpflege, werde man noch weiter diskutieren. Näheres könne man derzeit nicht sagen. Von Anfang an sei für die Denkmalpflege der möglichst große Erhalt der verbliebenen Bausubstanz wichtig gewesen. Von daher habe die „statische und konstruktive Sicherung der Brandruine höchste Priorität“ gehabt. Weshalb Zaube und einige Helfer Ende 2017 Holzgerüste aufstellten und Balken im Innern der Ruine anbrachten.

Jetzt hofft Detlef Zaube, dass er bald einen Termin vom Statiker bekommt, „und dass wir in Kürze den Bauantrag stellen können“.

Von Sabine Risch

26.05.2018
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