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Lübeck So kompliziert ist es, mit Fahrrad und ÖPNV auf den Priwall zu fahren
Lokales Lübeck So kompliziert ist es, mit Fahrrad und ÖPNV auf den Priwall zu fahren
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15:04 21.07.2019
Karen Meyer-Rebentisch mit ihren Gästen Kevin Kalman (13) und Jörg Löffler: Die Radtour mit dem Zug und der Priwallfähre wurde zu einer logistischen und finanziellen Herausforderung. 21 Fahrkarten mussten die drei kaufen und dafür 41,20 Euro ausgeben. Quelle: Paul Rebentisch/HFR
Lübeck

Da wäre die Autofahrt trotz Herrentunnel-Maut und Priwallfähren-Tickets doch deutlich billiger geworden. LN-Leserin Karen Meyer-Rebentisch hat für eine Radtour vom Zob auf den Priwall sage und schreibe 21 Fahrkarten benötigt und am Ende 41,20 Euro ausgegeben.

„Wir waren zwei Erwachsene und ein Kind“, berichtet die Kulturwissenschaftlerin, „meine Gäste waren entsetzt über den Aufwand. Selbst für mich als altgediente Lübeckerin war es fast undurchschaubar.“

Nicht alle Tickets an einer Verkaufsstelle

Meyer-Rebentisch kaufte zunächst am Zob eine 4er-Karte Stadtverkehr-Tickets Preisstufe drei, mit denen man auch die Bahn nach Travemünde nutzen kann. Damit waren die Hin- und Rückfahrt per Bahn für zwei Erwachsene abgedeckt. Hinzu kamen zwei Fahrkarten von je 1,90 Euro für das Kind. Die Lübeckerin: „Die Tickets für die Erwachsenen kann man am Zob in der Verkaufsstelle des Stadtverkehrs erwerben, die Einzelfahrkarten für das Kind nicht, dazu muss man zum Busfahrer oder zum Automaten.“

Unfassbar: Insgesamt 21 verschiedene Fahrkarten mussten die Ausflügler lösen, weil der Nahverkehr so umständlich ist. Quelle: Paul Rebentisch/HFR

Dafür hat der Stadtverkehr folgende Erklärung: „Die Einzelfahrkarte ist, wenn man sie im Bus kauft, sofort gültig – sie enthält die Information, wann sie gekauft wurde, welche Tarifzone bezahlt wurde und in welcher Richtung der Bus benutzt wird. Diese Informationen sind für eine Kontrolle wichtig. Ein Einzelfahrschein, der im Service-Center gekauft wurde, hat diese Informationen nicht – er müsste mit einem Entwerterfeld versehen werden und die Karte müsste dann im Bus entwertet werden.“

Für die meisten Fahrgäste ist das Verfahren einfacher

Das städtische Busunternehmen hat sich für ein Verfahren entschieden, dass für die meisten Fahrgäste mit Einzelfahrschein einfacher sei, sagt Unternehmenssprecherin Gerlinde Zielke: „Es ist in den meisten Fällen einfacher, in den Bus einzusteigen und beim Fahrpersonal einen Einzelfahrschein zu kaufen. Wir sind bewusst bei der jetzigen Praxis geblieben.“

Seit 2011 gehört der Stadtverkehr zum SH-Tarif

Mit einer Fahrkarte durch ganz Schleswig-Holstein fahren. Dieses Ziel wurde von der Landesweiten Verkehrsservicegesellschaft (LVS) und der Tarifgemeinschaft Lübeck (Stadtverkehr Lübeck, Lübeck-Travemünder Verkehrsgesellschaft, Deutsche Bahn) seit 2005 angestrebt und am 1. August 2011 in Lübeck umgesetzt. Seitdem legt der Stadtverkehr nicht mehr die Ticketpreise fest, sondern der Tarifverbund Nah-SH. Der SH-Tarif gilt aber nicht für die Priwallfähren.

Zum 1. August steigen die Fahrpreise leicht an. Die Einzelfahrt im Gesamtbereich Lübeck wird 3,30 statt 3,20 Euro kosten. Das teuerste Ticket, die Monatskarte für den Gesamtbereich, wird laut SH-Tariftabelle 78,40 statt bisher 76,90 Euro kosten.

Das war aber noch die kleinste Hürde auf dem Ausflug der Rebentischs. Für die Fahrt mit dem Zug nach Travemünde gelten für Menschen die Tickets des Stadtverkehrs, nicht aber für Fahrräder. „Also haben wir drei Mal die Fahrradtageskartekarte im Schleswig-Holstein-Tarif für je 4,40 Euro dazu gekauft“, berichtet die Lübeckerin.

Die Ausflügler hätten die Räder auch im Bus mitnehmen können – aber nur, wenn Platz ist. Eine Mitnahmegarantie gibt es nicht. Also mit der Bahn: Die verkauft aber auf der Strecke nach Travemünde keine Fahrradeinzelkarten, sondern laut Stadtverkehr nur Tageskarten. Unternehmenssprecherin Zielke: „Innerhalb des SH-Tarifs ist es möglich, lokale oder auf ein Verkehrsunternehmen bezogene Sonderbestimmungen festzulegen. Es gibt also in jeder Region des Landes Schleswig-Holstein durchaus Abweichungen.“ Die Bahn habe auf der Strecke Lübeck-Travemünde davon Gebrauch gemacht.

Gerlinde Zielke, Sprecherin des Stadtverkehrs: „Der Kauf von Fahrkarten ist für gelegentlich fahrende Kunden etwas umständlich und schwer zu durchschauen.“ Quelle: Lutz Roeßler

Es kommt aber noch besser. Meyer-Rebentisch: „Bei der Priwall-Fähre, die ja vom Stadtverkehr betrieben wird, gelten nun aber weder die Tickets vom Stadtverkehr Preisstufe drei noch die Fahrradkarten im SH-Tarif.“ Die Ausflügler mussten weitere vier Fahrkarten für Hin- und Rückfahrt für die Erwachsenen (Preis jeweils 1,40 Euro) sowie zwei Karten für das Kind von jeweils 90 Cent und insgesamt sechs Fahrradkarten für jeweils 90 Cent Euro erwerben und entwerten. Unschöner Nebeneffekt: „Während dieses Vorgangs fährt die Fähre natürlich schon mal weg“, berichtet Meyer-Rebentisch.

Priwallfähren bleiben außen vor

Die Integration der Priwallfähre in den ÖPNV sei immer wieder geprüft worden, erklärt Unternehmenssprecherin Zielke. Das Ergebnis der Untersuchungen lautet: Für Fahrgäste würde es teurer. Beispiel: Würde die Fahrt mit der Priwallfähre in Preisstufe eins des SH-Tarifs eingruppiert, würde die einzelne Überfahrt 1,80 statt 1,40 Euro kosten. Deshalb habe sich der Stadtverkehr dafür entschieden, die Priwallfähren weiterhin mit eigenen Tarifen zu betreiben. Zielke: „Mit allen Vor- und Nachteilen für die Fahrgäste.“

Für Karen Meyer-Rebentisch sind sowohl die Kosten als auch das Prozedere keine Werbung für den umweltfreundlichen ÖPNV. Die städtische Klimaschützerin Barbara Schäfers pflichtet ihr bei: „Ich fahre manchmal mit dem Fahrrad nach Travemünde und zurück mit dem Zug. Für die Zugfahrt von einer Viertelstunde muss ich für mein Fahrrad mehr bezahlen als für mich. Nahverkehr darf einfach nicht so teuer sein.“

Für Gelegenheitsfahrer kann Nahverkehr umständlich sein

Auch der Stadtverkehr räumt ein: „Das Beispiel zeigt in der Tat, dass der Kauf von Fahrkarten für gelegentlich fahrende Kunden etwas umständlich und schwer zu durchschauen ist und mit der Summe der gekauften Fahrkarten ein nicht unbedingt zu erwartender Preis zustande kommt.“ Man dürfe aber nicht vergessen, sagt Unternehmenssprecherin Zielke, „dass die Leistung von insgesamt drei verschiedenen Verkehrsangeboten auf einer Entfernung von über 20 Kilometern erbracht wird.“

Kai Dordowsky

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