Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck „Der Markt auf dem Markt ist nicht attraktiv“
Lokales Lübeck „Der Markt auf dem Markt ist nicht attraktiv“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:08 12.07.2019
Der Wochenmarkt auf dem Markt müsste aus Sicht des Seniorenbeirates viel attraktiver werden, mehr Stände und mehr Angebote vorhalten und anders angeordnet werden. Quelle: 54° / Felix König
Innenstadt

Wer bei Google nach berühmten und schönen Wochenmärkten sucht, wird schnell fündig. Natürlich ist der Viktualienmarkt in München unter den führenden Wochenmärkten, aber auch der Hamburger Isemarkt, der Markt rund um den Lunabrunnen in Lüneburg, der Markt vor dem Freiburger Münster, der Mainzer Wochenmarkt oder auch der Markt auf dem Moltkeplatz in Hannover. Die Zahl der Standbetreiber reicht von 50 in Lüneburg bis zu 200 auf dem Isemarkt.

Annegret Oelgaard (v. l.), Margret Wulf-Wichmann und Bruno Böhm beklagen den Zustand des Wochenmarktes auf dem Markt. Quelle: 54° / Felix König

„Der Wochenmarkt auf dem Markt in Lübeck ist hässlich“, urteilt der Seniorenbeirat der Hansestadt. Eine Vorstandsdelegation legt vor Ort die Finger in die Wunden. Margret Wulf-Wichmann, Annegret Oelgaard und Bruno Böhm stören sich an der Anordnung der wenigen Stände, an den Fahrzeugen und den Flatterbändern, die zwischen den wenigen Ständen hängen. Irmgard Reinberg, die mit ihren 83 Jahren auf den Rollator angewiesen ist, demonstriert die Tücken beim Überqueren des Marktes: „Ich scheue den Platz.“

Vortrag über den Markt

Über den Markt spricht Lisa Renn, Stipendiatin des Zentrums für Kulturwissenschaftliche Forschung Lübeck, am Donnerstag, 11. Juli, 18 Uhr, im Archiv der Hansestadt (Vortragssaal Parterre, Mühlendamm 1-3).

Plätzewaren im Mittelalter nicht so selbstverständlich und typisch für eine Stadt, wie man aus heutiger Sicht annehmen sollte. Denn bei genauerer Betrachtung der europäischen Stadtgründungen des 12. und 13. Jahrhunderts fällt auf, dass der Platz in einer ganzen Reihe von Städten fehlt. Anhand einer vergleichenden Analyse sollen die unterschiedlichen Entwicklungen in der Platzentstehung und Platzgestaltung erfasst werden. Im Fokus steht dabei der Markt in Lübeck. Die Referentin stellt ihr Projekt sowie erste Ergebnisse vor. Der Eintritt ist frei.

Der Seniorenbeirat mischt sich ein, weil in Lübeck gerade über neue Plätze diskutiert werde, sagt Wulf-Wichmann: „Wir brauchen erst einmal auf dem Markt eine kurzfristige Lösung.“ Das Gremium kritisiert nicht nur, sondern legt eine Liste mit Verbesserungsvorschlägen vor.

Die Marktstände sollten in einer L-Form vom Kaak in Richtung P & C und von dort in Richtung Hotel angeordnet werden. Oelgaard und Wulf-Wichmann: „Das Rathaus und die angrenzenden historischen Gebäude würden nicht durch eine Wagenburg zugestellt.“

Die Fahrzeug der Markthändler sind aus Sicht des Seniorenbeirates wie eine Wagenburg aufgestellt und würden die Sicht auf die historischen Gebäude verstellen. Quelle: 54° / Felix König

Die Zahl der Stände müsse deutlich erhöht werden. „Es fehlen Blumen und Bioprodukte“, sagt der Seniorenbeirat, „daneben sollte sich der Markt für kulinarische Angebote öffnen, die vor Ort verzehrt werden können – Würstchen, Kaffee, Kuchen und leckere Antipasti.“ Wichtig seien auch Bürstenmacher, Lederwaren, Töpferwaren, Holzspielzeug und Recyclingprodukte. Damit mehr Marktbeschicker kommen, sollte die Stadt die Standgebühren senken.

Ist der Wochenmarkt am Rathaus für Sie attraktiv?

Ergebnis ansehen
Diese Online-Umfrage ist nicht repräsentativ.
Ist der Wochenmarkt am Rathaus für Sie attraktiv?
So haben unsere Leser abgestimmt
Diese Online-Umfrage ist nicht repräsentativ.

Bänke im Sommer zu heiß, im Winter zu kalt

Die Metallbänke auf dem Markt sollten durch bequemeres Mobiliar ersetzt werden. Annegret Oelgaard: „Die sind im Sommer zu heiß und im Winter zu kalt zum Sitzen.“ Bruno Böhm: „Und zwischendurch zu klebrig.“ Zwischen den Marktständen könnten Tische und Stühle sowie helle, farblich aufeinander abgestimmte Schirme aufgebaut werden, wodurch sich die Aufenthaltsqualität deutlich erhöhen würde.

Als Zumutung empfindet der Seniorenbeirat, der sich als Sprachrohr für mehr als 60 000 Senioren in Lübeck versteht, den Zustand des historischen Kopfsteinpflasters. „Der Markt sollte Querungen aus ebenen Granit- oder Steinplatten erhalten“, fordert das Gremium, „man könnte auch über eine diagonale Spur nachdenken, über die der Markt begangen oder mit Rollatoren und Rollstühlen befahren werden kann.“

Kim Carolin Nehrhoff ist wirtschaftspolitische Sprecherin der FDP: „Zu wenige Stände und Flatterbänder schaden der Atmosphäre.“ Quelle: FDP/HFR

Dass ausgerechnet auf Lübecks zentralstem Platz der Wochenmarkt vor sich hin dümpelt, erklärt der Verband der Marktkaufleute stets damit, dass einfach zu wenige Kunden kommen. Die FDP hat im Februar und März Umfragen unter Händlern und Kunden auf den verschiedenen Marktplätzen gemacht. Kim Carolin Nehrhoff, wirtschaftspolitische Sprecherin der Liberalen: „Zu wenige Stände und Flatterbänder schaden der Atmosphäre.“

FDP-Politikerin schlägt Show-Kochen vor

Neben mehr Sitzgelegenheiten schlägt Nehrhoff kulturelle Veranstaltungen wie Show-Kochen und Angebote für Kinder, aber auch kulinarische Angebote für Menschen vor, die in der Stadt ihre Mittagspause verbringen. Die FDP hat einen umfangreichen Forderungskatalog in die Bürgerschaft eingebracht.

Der aber wird nicht behandelt, weil die Politiker auf das Wochenmarkt-Konzept von Wirtschaftssenator Sven Schindler (SPD) warten.

Öffnungszeiten, Angebote, Kundenmeinung: Klicken Sie hier, um zu unserem Dossier über alle Wochenmärkte Lübecks zu kommen!

Kai Dordowsky

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!