Seniorin aus Lübeck erleichtert: Papagei „Laura“ ist wieder zu Hause
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Lübeck Seniorin aus Travemünde erleichtert: Papagei „Laura“ ist wieder zu Hause
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Seniorin aus Lübeck erleichtert: Papagei „Laura“ ist wieder zu Hause

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08:00 03.10.2020
Irene Herrling (79) ist glücklich, dass sie ihren Papagei „Laura“ wieder zu Hause hat. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
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Travemünde

“Hallo! – Hallo! – Hallo!“ Drei Mal krächzt „Laura“ das. Dabei sind so viele Leute gar nicht ins Zimmer gekommen. Egal. Danach ist es auf jeden Fall still. Der Papagei ist wieder zu Hause. Schweigsam und zufrieden. Vor gut zwei Wochen hatten die LN berichtet, dass der Vogel nach einem Krankenhausaufenthalt der Besitzerin im Tierheim bleiben musste. Irene Herrling (79) war verzweifelt.

Seit 20 Jahren hat sie ihren Papagei. Das Warten auf die Rückkehr des Vogels war nicht leicht für Irene Herrling. Aber jetzt strahlt sie wieder. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen

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Seniorin konnte das Tier aus dem Tierheim abholen

Doch inzwischen sitzt die grünblaue Vogel-Dame mit der gelben Brust wieder auf dem Käfig. Wenige Tage nach dem LN-Artikel konnte die Travemünderin das Tier wieder aus dem Tierheim abholen. „Als ich am Empfang stand, habe ich sie schon kreischen gehört“, erinnert Herrling sich, „aber nicht wegen mir, sondern weil sie nicht in der Transport-Box sein wollte.“ Mit Herzklopfen wartete Herrling auf das Tier, aber geweint hat sie bei „Lauras“ Anblick dann nicht. „Ich hatte schon vorher so viele Tränen vergossen“, verrät sie, „meine Befürchtung war in dem Moment nur, dass sie sich in ihrer Mentalität verändert haben könnte.“

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Doch das scheint nicht so. „Laura“ sitzt im Wohnzimmer auf dem Käfig, lässt sich mit Nüssen füttern und schaut manchmal zur offenen Balkontür. Nur der Blick geht hinaus. Der Vogel bleibt drinnen. Seit 20 Jahren ist er hier Zuhause. Manchmal plustert „Laura“ sich auf oder dreht den Kopf zum Frauchen. „Süüüße“, sagt Irene Herrling dann und lächelt. Die Seniorin aus Travemünde wirkt wie ausgewechselt. Alle Traurigkeit und Müdigkeit sind aus ihrem Gesicht verflogen.

Papagei "Laura" ist wieder da. Wenn sie Lust hat, sagt sie: „Hallo“, „Willst du frisches Wasser haben?“ oder „Pass auf!“. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen

„Ich freue mich riesig, dass ich die ,Laura’ wieder bei mir habe“, erzählt Irene Herrling, „sie hat mir gefehlt.“ Denn lange war unklar, ob das Tier zu ihr zurückkommen könne. Die 79-Jährige war Wochen zuvor mit einer Lungenembolie per Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht worden. Ihr Ehemann, der Kater „Krümel“ und der Papagei „Laura“ bleiben zurück. Der 93-jährige Gatte wurde in einer Pflegeeinrichtung untergebracht, die Tiere im Tierheim.

Das Einfangen des Vogels war schwierig

Herrling hat später erfahren, dass das Einfangen des Vogels bei ihr Zuhause – vor dem Transport ins Tierheim – schwierig war. „Es kam sogar die Feuerwehr, um zu helfen“, erzählt sie. Das habe sie lange beschäftigt. „Ich hatte Angst, dass Laura aufgrund des schwierigen Einfangens etwas passiert war, dass ihr vielleicht ein Flügel verstaucht worden ist“, erzählt sie, „tja, was kann so einem kleinen Wesen alles passieren?“

Das rät das Tierheim

Das Tierheim Lübeck rät Senioren davon ab, sich ein junges oder überhaupt ein Tier anzuschaffen. Man sollte sich fragen: „Was ist in ein paar Jahren? Wer kümmert sich um mein Tier, wenn ich es nicht mehr kann?“ Wer kein Tier halten kann und trotzdem nicht auf tierische Gesellschaft verzichten möchte, kann ehrenamtlich im Tierheim mit Hunden Gassi gehen oder Katzen-Kuschler werden.

Die Stadt erklärt nun, warum der Papagei zunächst im Tierheim bleiben musste: „Vor der Rückführung des Papageis galt es vor allem zu regeln, dass die Versorgung des Tieres im Falle eines weiteren Notfalls sichergestellt ist“, teilt Sprecherin Nicole Dorel mit. So soll ein erneuter „Zwangsaufenthalt“ im Tierheim verhindert werden. „Vor diesem Hintergrund musste ein Notfallkontakt benannt werden, der zuverlässig einspringen kann und das Tier sachkundig zu Hause betreuen kann“, heißt es von der städtischen Pressestelle.

Ein paar Ängste sind geblieben

Für die Notversorgung springt nun eine Freundin von Irene Herrling ein. „So haben wir es mit dem Tierheim besprochen“, sagt die Besitzerin, „für den Fall, dass ich noch mal ins Krankenhaus muss oder irgendwie anders ausfalle.“ Doch das will sie nicht hoffen. Jetzt genießt sie auf jeden Fall erst mal, dass ihre „Süße“ sich wieder zu Hause fühlt. Allerdings sind ein paar Ängste geblieben.

Im Video hören Sie die Begrüßung von „Laura“

„Nachts, wenn ich wach werde“, erzählt sie, „dann gehe ich rüber zu Laura, weil sie so erstaunlich leise ist. Das ist anders geworden.“ Die Seniorin schaut dann besorgt nach, ob mit ihrem Liebling alles in Ordnung ist. „Und dann geht das Einschlafen auch wieder ein bisschen besser“, fügt sie mit einem Lächeln hinzu.

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Von Cosima Künzel