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Lübeck Interaktive Grafik: So ist Lübeck gealtert
Lokales Lübeck Interaktive Grafik: So ist Lübeck gealtert
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16:40 04.03.2019
Bis 2006 war die Bevölkerung außerhalb der 71 deutschen Großstädte im Durchschnitt jünger als die der Städte. Mittlerweile hat sich das Bild umgekehrt.
Bis 2006 war die Bevölkerung außerhalb der 71 deutschen Großstädte im Durchschnitt jünger als die der Städte. Mittlerweile hat sich das Bild umgekehrt. Quelle: dpa-Bildfunk
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Lübeck/Köln

Die deutsche Bevölkerung wird immer älter. Während das mittlere Alter der Deutschen 1995 noch bei 39,9 Jahren lag, betrug es 2017 schon 44,2 Jahre. 16,4 Prozent der Deutschen waren 2017 siebzig Jahre und älter. 1995 waren es noch 11,3 Prozent. Dieser demografische Wandel ist Grund für viele Debatten in der Politik, in denen es um Altersvorsorge, altersgerechte Wohnungen oder die Zukunft der Pflege geht.

Nur: Ganz so einfach ist es nicht. Nicht überall in Deutschland steigt der Altersschnitt. Der Zuzug junger Menschen hat die Alterung in den Städten mit mehr als 100 000 Einwohnern vorerst gestoppt. Das zeigt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zur demografischen Entwicklung in den Regionen, die dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) vorliegt. Alle anderen Landkreise altern dagegen schneller.

Mithilfe der interaktiven Grafik können Sie die Altersverteilung jedes beliebigen Kreises mit der eines beliebigen anderen Kreises vergleichen. Sie können sowohl für die linke als auch für die rechte Seite der Alterspyramide einstellen, welchen Kreis sie darstellen soll und die demografische Entwicklung seit 1995 im Zeitraffer abspielen lassen. Wegen Gebietsreformen vor allem in Ostdeutschland gibt es einige Regionen nicht schon seit 1995, dafür sind die jeweiligen Vorgängerregionen enthalten. Unter der Grafik sind außerdem besondere Regionen hinterlegt: zum Beispiel die älteste, die jüngste, die am schnellsten wachsende und die am schnellsten schrumpfende.

Die Forscher sehen eine Trendwende: Die Metropolen gewinnen laut IW-Studie rasant an Anziehungskraft. Bis 2006 war die Bevölkerung außerhalb der 71 deutschen Großstädte im Durchschnitt jünger als die der Städte. Das lag daran, dass auf dem Land viele kinderreiche Familien wohnten. Doch dadurch, dass viele junge Menschen vom Land in Großstädte ziehen, werden die Kreise älter und die Städte jünger.

Die Zuwanderung aus dem Ausland verstärkt diesen Trend. Von den 642 000 Einwohnern, die Deutschland zwischen 2012 und 2016 unterm Strich hinzugewonnen hat, zogen 57 Prozent in die Großstädte. Die aus dem Ausland Zugezogenen sind im Schnitt mit 37,7 Jahren wesentlich jünger als der deutsche Durchschnitt, der bei 44,2 Jahren liegt. Außerdem bekommen sie mehr Kinder. Deutsche Frauen bringen im Schnitt 1,46 Kinder zur Welt. Bei ausländischen Frauen in Deutschland liegt die Geburtenziffer bei 2,28 Kindern je Frau. Durch ihr eigenes Alter und ihre Kinder machen die Zugezogenen die Städte also noch jünger, als es die jungen Menschen aus dem Inland ohnehin tun.

Auffällig sind die Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland. Die zehn jüngsten Regionen liegen im Westen, die zehn ältesten im Osten. Das veranschauliche, so die IW-Forscher, den Handlungsbedarf im Osten. Beispielsweise die Bewohner der 35 000-Einwohner-Stadt Suhl in Thüringen sind im Durchschnitt 50,3 Jahre alt. Das ist das höchste mittlere Alter in Deutschland. Zum Vergleich: In Heidelberg, einem Magneten für Studenten, liegt das mittlere Alter bei 40,1 Jahren. Heidelberg hat die jüngste Bevölkerung.

Was bedeuten die Ergebnisse für die Politik? Weil sich selbst ähnliche Regionentypen demografisch so verschieden entwickeln, empfiehlt die Studie der Regionalpolitik „fallbezogene Antworten“. Denn demografische Veränderungen bedeuteten auch, dass sich an der sozialen Infrastruktur etwas ändern müsse. Je mehr ältere Menschen in einer Region leben, desto mehr Menschen brauchen medizinische Versorgung und Pflege. Junge Menschen dagegen brauchen Kitas und Schulen. Außerdem hängt die wirtschaftliche Entwicklung einer Region davon ab, wie viele Fachkräfte dort leben.

Von Elena Butz/RND