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Lübeck So lustig war Chris Tall in Lübeck
Lokales Lübeck So lustig war Chris Tall in Lübeck
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11:44 18.11.2019
Allein mit seiner körperlichen und sprachlichen Präsenz füllte Chris Tall mühelos die Bühne in der MuK. Quelle: FOTO: Agentur 54°
Lübeck

Endlose Schlangen von Wartenden vor den Eingängen der Musik- und Kongresshalle sorgten Freitagabend für erstaunte Blicke von Passanten. Schuld war die seit Monaten ausverkaufte Show des Comedian Chris Tall. Rund 2000 Menschen wollten seine neue Show „Und jetzt ist Papa dran!“erleben.

Papa sitzt im Publikum

Der 28-jährige, als Christopher Nast geborene Hamburger ist mit seiner Tour unterwegs. Wenn er in Norddeutschland auftritt, kommt „Papa“ gerne mit. Er sitzt in Lübeck ebenso im Publikum wie die Schwester. Familie ist dem Stand-up-Comedian erklärtermaßen wichtig. „Auch ihr seid meine Familie“, sagt er dem verzückten Publikum, das sowieso das „geilste“ sei. Seine Worte scheinen von Herzen zu kommen. Gleich zu Beginn kündigt er an: „Das hier kann länger dauern. Weil, ich hab Bock.“ Es sollten drei Stunden werden.

„Wer ist schwul?“

Chris Tall hat das Publikum sofort – vom Zehnjährigen bis zum gesetzten Ehepaar. Zumeist improvisiert er, Gags aus dem Programm scheinen fast Nebensache. Zuerst nimmt er sich die vorderen Zuschauerreihen vor, erfragt Vornamen und Beziehungen, führt Smalltalk und treibt sympathischen Spott mit seinen „Opfern“, die dank der omnipräsenten Videokamera prompt auf der großen Leinwand zu sehen sind. Später kommen die hinteren Reihen dran. Da ruft er dann mal eben „Wer ist schwul?“ in den Saal, und tatsächlich reckt ein verlobtes Männerpaar die Hände. Chris Tall bringt das Publikum dazu, Jan und Sebastian ebenso zu feiern wie Felicitas, die seit zehn Jahren auf den Rollstuhl angewiesen ist. „Was ist passiert?“, will Chris Tall wissen. Er macht diesmal keinen Witz darüber. Hätte aber auch passieren können, denn so integriert er gerne so genannte Minderheiten. Es funktioniert. Nie sind seine Witze wirklich verletzend, er bricht vielmehr mit ihnen das Eis.

„Penis“ ist offenbar lustig

Der rundliche junge Mann in T-Shirt und Turnschuhen, der auf den ersten Blick wie ein harmloser großer Junge wirkt, beherrscht die Bühne mit einer enormen körperlichen und sprachlichen Präsenz. Umwerfend ist er als Parodist, schlüpft in verschiedenste Charaktere und verwandelt sich unversehens in einen Vogel. Wie er eine flugunwillige, fette Taube imitiert, ist urkomisch. Der Stand-up-Comedian hechelt erfolglose Dating-Versuche via Tinder durch, die vergeblichen Versuche von Papa, moderne Smartphones zu verstehen, ekelerregende Grünkohl-Smoothies und Absurditäten aus der modernen TV-Landschaft. Zur Auflockerung animiert Chris Tall das Publikum immer wieder dazu, die Worte „Penis“ oder „bumsen“ zu rufen. Die Fans finden das lustig. Zum Abschied gibt er ihnen noch eine Botschaft mit auf den Weg: „Hass ist Scheiße“.

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Von Oda Oertel