Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck So schön waren Lübecks Fensterkonzerte
Lokales Lübeck So schön waren Lübecks Fensterkonzerte
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:17 21.03.2020
Berit Jütz spielt seit ihrem 7. Lebensjahr Geige. Sie gab einer Konzert in einer Bushaltestelle am Klingenberg
Berit Jütz spielt seit ihrem 7. Lebensjahr Geige. Sie gab einer Konzert in einer Bushaltestelle am Klingenberg Quelle: Martin Höfling
Anzeige
Lübeck

In der Kulturhauptstadt des Nordens ist es gespenstisch still, die Kultur scheint Pause zu machen. Bis am Freitagabend gegen 18 Uhr plötzlich kleine Konzerte aus Fenstern, Hinterhöfen und von den Balkonen herunter schallten – mit Sicherheitsabstand zu den Zuhörern, von denen die meisten entweder in der Nähe wohnen oder zufällig vorbeikommen.

Hier geht's zur Bildergalerie: So kreativ gaben Lübecker spontan Konzerte an Fenstern und auf Balkons

Format kommt aus Italien

Das Format kommt aus Italien, wo die Regierung seit dem 13. März eine allgemeine Ausgangssperre verhängt hat. Um trotzdem gemeinsam Musik machen zu können, haben die Menschen dort begonnen, von Balkonen und Fenstern aus gemeinsam zu musizieren.

Dort üben ganze Hochhaus-Wohngemeinschaften zusammen Konzerte oder Choräle ein – ohne dafür ihre Wohnungen zu verlassen. Inzwischen gibt es die Balkon –Konzerte auch in Spanien.

Idee der Fensterkonzerte nach Lübeck geholt

Nach Lübeck geholt hat die Idee Helga Reihl, die an diesem Abend von ihrem Fenster am Reiherstieg aus musiziert. Vor der Krise bot die Musikerin „Drum Circles“ an, in denen Teams oder Fremde gemeinsam trommeln. „In den Circles geht es darum, Menschen zusammen zu bringen. Es ist traurig und tragisch, dass das jetzt nicht geht“, sagt sie. Sie möchte Wege zeigen, „wie man sich begegnen kann, ohne aus dem Haus zu gehen. Dann kommen wir vielleicht um eine Ausgangssperre herum.“

Auch heute Abend Balkonkonzerte

Am Sonntag gibt es um 18 Uhr eine weitere Gelegenheit zu Fenster- und Balkonkonzerten. Diesmal ruft der Landesmusikrat alle Schleswig-Holsteiner, die musikalisch aktiv sind, zum Musizieren auf. Damit soll ein Zeichen der Soidarität mit den vom Corona-Virus Betroffenen gesetzt werden, sagt die Vizepräsidentin des Landesmusikrates Christine Braun. „Freischaffenden Künstlerinnen und Künstlern bricht mit einem Schlag das Einkommen weg. Medizinisches Personal bringt derzeit Höchstleistungen. Und nicht zuletzt ist Solidarität mit der steigenden Zahl der von der Krankheit direkt Betroffenen angezeigt." Sie wollen mit der Aktion dazu beitragen, die „kulturelle Grundversorgung“ im Land zu erhalten.

Von Friederike Grabitz