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Lübeck Lübeck will mit neuer Software den Verkehr planen
Lokales Lübeck Lübeck will mit neuer Software den Verkehr planen
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18:00 12.02.2020
Stau in Lübeck - eine neue Software soll die Situationen verbessern helfen. Quelle: Holger Kröger
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Lübeck

Für weniger Stau: Die Stadt Lübeck will ab Mitte des Jahres mit der Hamburger„Roads“-Software den Autoverkehr regeln. Mit dem Programm des Unternehmens Workplace Solutions (WPS) können unter anderem die unterschiedlichen städtischen Bereiche wie Stadtverkehr oder Entsorgungsbetriebe ihre geplanten Baustellen besser aufeinander abstimmen. „Damit können wir rechtzeitig die möglichen Auswirkungen auf den Straßenverkehr koordinieren“, kündigte Lübecks Bürgermeister Jan Lindenau (SPD) am Mittwoch beim Vertragsabschluss in Hamburg an. Das Ziel sei ein besserer Verkehrsfluss.

Vorbild ist Hamburg

Hamburg arbeitet seit drei Jahren mit Roads (Roadwork Administration and Decision System). Das System wurde im Auftrag des Landesbetriebs Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG) Hamburg entwickelt, 2017 wurde es mit dem Deutschen Ingenieurspreis in der Kategorie „Innovation“ ausgezeichnet. Alle Baumaßnahmen der Hansestadt, die den Verkehr beeinträchtigen, sind darin verzeichnet. „Wir stimmen uns alle zwei Wochen miteinander ab“, erklärt Jeff Marengwa vom LSBG, „die Software hat sich bisher gut bewährt.“

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Auch Großereignisse werden berücksichtigt

Kernstück ist der Datentisch, eine Art großes Tablet, auf dem die unterschiedlichen Baustellen, ihre Dauer und Auftraggeber mit unterschiedlichen Farbbalken gekennzeichnet sind. Dabei werden auch geplante Arbeiten mit einer Vorlaufzeit von bis zu fünf Jahren erfasst. Aber auch Großereignisse, etwa Konzerte oder Fußballspiele, können mit der Software eingetragen werden. „Auf diese Weise können die unterschiedlichen Stellen genau einsehen, wann und wo zu Beeinträchtigungen im Verkehr kommt“, erklärt Lübecks Bausenatorin Joanna Hagen (parteilos) das Programm.

Lübeck auf dem Weg zur digitalen Stadt

Die Software „Roads“ ist nicht das einzige digitale Projekt, mit dem in Lübeck Arbeitsabläufe und Prozesse verbessert werden sollen: Bürgerservice und Baustellen-Infos werden online angeboten. Es gibt eine Kita-Datenbank und ein Familienportal, Bebauungspläne sind online abrufbar, und die Kommunalpolitik arbeitet längst ohne Papier.

Außerdem gibt es mittlerweile das flächendeckende Funknetz „LoRaWAN“, mit dem mobile Techniken erprobt werden – etwa mithilfe von Sensoren an Ampeln oder in Bussen, die Aufschluss über den Verkehrsfluss geben können. 2019 ist zudem die Innovations GmbH der Stadtwerke an den Start gegangen. Sie hat drei Aufgaben: Innovationsprojekte in der Stadt bündeln, Fördergelder für Forschung und Entwicklung an Land ziehen und den Verein Energiecluster organisieren.

Um die 35 Baustellen gibt es zurzeit im Lübecker Stadtgebiet. „Mit ,Roads’ können wir jetzt schneller Maßnahmen ergreifen“, sagt Hagen. Eine Möglichkeit sei etwa die rechtzeitige Kennzeichnung der Stellen auf der Straße, etwa durch verlängerte Abbiegespuren. Baumaßnahmen, die sich ungünstig überschneiden, könnten so auch rechtzeitig verschoben werden.

Bisher weniger Absprache

Bisher wurden Bauvorhaben wie Straßen- und Brückensanierungen oder Kanalisationsarbeiten in Lübeck in den einzelnen Abteilungen geplant – oft ohne Absprache mit anderen Stellen. „Mit ,Roads’ arbeiten alle mit den gleichen Dateien und Datensätzen“, sagt Jan Lindenau, „es ist ein Kulturwandel im Austausch der Behörden untereinander, die sich jetzt in der Verkehrsplanung viel intensiver miteinander austauschen können.“

Neue Leitstelle Verkehrsflussmanagement

Um die 200 000 Euro kostet Lübeck die Software in den kommenden vier Jahren. „Darüber hinaus wird auch eine neue Leitstelle für das Verkehrsflussmanagement mit zwei Vollzeitstellen eingerichtet“, erklärt Jan Lindenau. Außerdem wollen Hamburg und Lübeck langfristig auch größere Baumaßnahmen, die Auswirkung auf beide Städte und ihr Umland haben, über „Roads“ miteinander abstimmen. Lindenau: „Es gibt etwa täglich mehrere zehntausend Menschen, die zwischen Hamburg und Lübeck pendeln.“ Mithilfe der Software könnte man diese Verkehrsströme besser planen.

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Von Katrin Diederichs

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