Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Sportflieger wollen insolventen Flughafen übernehmen
Lokales Lübeck Sportflieger wollen insolventen Flughafen übernehmen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:56 12.05.2014
Dauergäste in Lübeck: Die Sportflieger haben 50 Maschinen in Blankensee stehen — und nutzen den Airport seit mehr als 60 Jahren.
Dauergäste in Lübeck: Die Sportflieger haben 50 Maschinen in Blankensee stehen — und nutzen den Airport seit mehr als 60 Jahren. Quelle: Roeßler
Anzeige
Lübeck

Es ist ein neuer Flughafen-Betreiber aufgetaucht: Die beiden Luftsportvereine, der Aero Club Lübeck und der Lübecker Verein für Luftfahrt, wollen den Flughafen Blankensee übernehmen. Allerdings in abgespeckter Form: Die Vereine wollen den Flugplatz als Verkehrs- oder Sonderlandeplatz führen. Die Linienflieger wie Ryanair und Wizz Air fielen damit aber weg — wie auch der Ausbau des Flughafens. Der Grund für das Angebot der Sportflieger: Sie fürchten, dass die Betriebsgenehmigung für den Flughafen komplett erlischt, wenn kein Investor einsteigt und den Airport übernimmt. Dann könnten sie ihrem Hobby nicht mehr nachgehen. Die Yasmina Flughafenmanagement GmbH musste Anfang April Insolvenz anmelden, derzeit sucht Insolvenzverwalter Professor Klaus Pannen neue Geldgeber.

„Wenn die Betriebsgenehmigung erlischt, bekommen wir nie wieder eine“, bringt Joachim Häusler, Geschäftsführer des Aero Clubs, die Sorgen der 150 Segelflieger auf den Punkt. Weitere 100 Motorflieger zählen zum Verein für Luftfahrt. Die Sportpiloten bieten zwei Varianten für den Airport an.

Nummer eins: Blankensee wird zum Verkehrslandeplatz — so wie er es vor den Ausbauplänen zu einem großen Linien-Airport einmal war. Es gebe geregelte Öffnungszeiten, drei bis fünf Mitarbeiter müssten den Betrieb in Vollzeit leiten. Allerdings: „Dafür müsste die Stadt jährlich geschätzt eine halbe Million Euro zahlen“, so Häusler.

Variante Nummer zwei: der Sonderlandeplatz. Das wäre ein Flugplatz mit Rufbereitschaft. Lediglich die ansässigen Sportflieger könnten ihn nutzen. Ambulanz-Flieger und Hobbyflieger müssten sich vorab anmelden oder anrufen und fragen, ob sie landen können. Das könnte mit zwei bis drei Leuten geregelt werden. Die Kosten würden über die Vermietung von Hallen und Landegebühren hereinkommen. „Für die Stadt wäre diese Möglichkeit kostenneutral“, sagt Häusler. Aber: „Wir könnten für die Flächen des Flugplatzes keine Pacht zahlen.“ Die Sportflieger hatten diese Ideen im Herbst 2012 der SPD vorgestellt, doch da verhandelte die Stadt gerade mit Investor Mohamad Rady Amar. Der bekam den Zuschlag und übernahm den Airport zum 1. Januar 2013 — bis er Anfang April dieses Jahres abtauchte und der Flughafen am 23. April Insolvenz anmelden musste.

„Wir reißen uns nicht um den Job, aber wir stehen zur Verfügung“, macht Häusler klar. Die beiden Vereine habe sich zu einer Interessengemeinschaft zusammengeschlossen und versucht, bei Insolvenzverwalter Pannen einen Termin zu bekommen — bislang allerdings erfolglos. Pannen widerspricht: „Das wurde nicht versucht.“ Jeder, der Ideen für den Flughafen einbringe, „erhält einen Termin bei mir“. Zu den Ideen der Sportflieger kann Pannen nichts sagen: „Das ist eine völlig neue Variante.“ Er verhandle derzeit immer noch mit vier Interessenten, die den Airport übernehmen wollen.

Für die Politiker ist indes klar: Sie freuen sich über das Engagement der Sportflieger — aber sie wollen kein Geld mehr in den Flughafen stecken. „Es wird keine Zuwendung von der Stadt geben“, sagt SPD-Fraktionschef Jan Lindenau. Sein Pendant von den Grünen, Thorsten Fürter, stimmt zu: „Dieser Punkt ist nicht verhandelbar.“

Fliegen ab Blankensee
1952 wurde der Aero Club in Lübeck gegründet. Er hat gemeinsam mit dem Lübecker Verein für Luftfahrt den Flugplatz Blankensee vier Jahre lang bewirtschaftet. Dann wurde eine GmbH gegründet, die den Betrieb übernahm.
2000 begann der Traum von einem großen Flughafen Lübeck mit Linienverkehr, Ryanair hob zum ersten Mal von Blankensee ab. Doch der Stadt wurde der Airport im Laufe der Jahre zu teuer. Investoren stiegen ein — und scheiterten.

Josephine von Zastrow