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Lübeck Nach Zeigerabsturz: Uhrwerk von St. Jakobi stillgelegt
Lokales Lübeck Nach Zeigerabsturz: Uhrwerk von St. Jakobi stillgelegt
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08:47 23.02.2019
Der Zeiger der Kirchturmuhr fiel 80 Meter in die Tiefe. Verletzt wurde zum Glück niemand.
Der Zeiger der Kirchturmuhr fiel 80 Meter in die Tiefe. Verletzt wurde zum Glück niemand. Quelle: Holger Kröger
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Innenstadt

Altes Mauerwerk, Staub, Spinnenweben und über 200 Stufen. Erst muss Lutz Jedeck die engen Wendeltreppen aus Stein hochsteigen, dann kommen Holztreppen und schließlich führen nur noch Leitern aufwärts. Mit jedem Meter wird es kälter, das Licht weniger. „Gleich sind wir oben“, ruft der Pastor, während er an den gewaltigen Glocken vorbeigeht. Endlich: der Uhrenboden.

Zwischen den etwa 1,50 Meter dicken Außenmauern und gewaltigen Balken steht ein Holzhaus. Mit rund zehn Quadratmetern etwa so groß wie eine Laube, aber ohne Fenster. Jedeck schließt die Tür auf und schaltet ein schummriges Licht an. Eine Welle, Zahnräder, Stangen und ein Elektromotor in Schuhkartongröße erscheinen im Dunklen. Das Uhrwerk ist eingehaust, damit es vor Staub und Dreck geschützt ist. „Dort an der Nordseite ist der Zeiger runtergefallen“, sagt der Pastor und zeigt auf eine Stange, die nach außen führt.

Der Zeiger der Turmuhr von St. Jakobi stürzte in die Tiefe, das Uhrwerk wurde sicherheitshalber abgeschaltet. Die LN blicken hinter das Ziffernblatt.

Bereich mit Zäunen abgesperrt

Wo der Zeiger im Ziffernblatt montiert war, kann man nicht sehen. Die Ursachenermittlung wird nach Angaben von Jürgen Rösing, Bauabteilung des Kirchenkreises, noch längere Zeit in Anspruch nehmen. „Als Sofortmaßnahme wurde der betroffene Bereich mit Bauzäunen abgesperrt, da nicht klar ist, ob sich noch Teile an der aus der Fassade herausragenden Spitze der Uhrenwelle befinden, die lose sind oder sich jetzt lösen könnten.“

Drinnen auf dem Uhrenboden ist kaum ein Geräusch zu hören. Das Pendel ein paar Meter tiefer bewegt sich nicht. Um mögliche Gefahren auszuschließen, wurde „das gesamte Uhrwerk bis auf Weiteres stillgelegt“. Laut Bauabteilung müssen die Zeiger an den anderen Turmseiten überprüft, möglicherweise abgenommen werden. Jedeck zeigt auf die Zahnräder und erklärt, dass die Uhr wohl vor über 400 Jahren gebaut wurde. „Anfang des 17. Jahrhunderts sind der Helm und das oberste Stockwerk des Turmes abgebaut worden, weil sie marode waren.“ Etwa 50 Jahre später habe man beides wieder aufgebaut. „Man vermutet, dass es seitdem die Uhr gibt.“

Turmuhr wurde 2007 saniert

Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Uhr zwischenzeitlich stillgelegt. „Es war mühsam, sie alle zwei, drei Tage per Hand aufzuziehen“, sagt Jedeck, „außerdem hatten viele Bürger inzwischen eigene Uhren.“ Dank Spenden wurde die Turmuhr 1989 aber wieder in Betrieb genommen. 2007 wurde sie erneut saniert, für 80 000 Euro. Wann sie jetzt wieder instand gesetzt wird, ist noch unklar. „Eine solche Maßnahme bedarf einer sehr präzisen Vorbereitung“, so Rösing. Erst wenn man Gewissheit über den Zustand habe, beginne die Planung. „Die Prioritäten liegen bei der Sicherheit und der Qualität der zukünftigen Konstruktion.“

Pastor Jedeck schließt das Uhrenhaus wieder ab, steigt Stufe um Stufe hinunter. Durch die Löcher im Mauerwerk kann er einen Blick auf die Stadt und die anderen Kirchen erhaschen. Droht rundherum Gefahr? „An allen Gebäuden gibt es Bauteile, die eine Gefahr bilden, wenn sie sich lösen, jedem Hauseigentümer sind diese bekannt“, räumt Rösing ein. An hohen Gebäuden sei das Gefahrenpotenzial entsprechend höher, da die Fassadenflächen und Absturzhöhen wesentlich größer seien. „Die Kirchengemeinden in der Nordkirche sind verpflichtet, jährliche Baubegehungen durchzuführen, dies geschieht selbstverständlich auch an den Kirchen in Lübeck unter Beteiligung von Fachleuten.“ Technische Anlagen wie Heizungen, Blitzschutz, Glocken oder Uhren würden im Rahmen von Wartungsverträgen turnusmäßig überprüft, so die Bauabteilung.

Cosima Künzel