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Lübeck St. Hubertus Park: Neues Baugebiet für Gutbetuchte
Lokales Lübeck St. Hubertus Park: Neues Baugebiet für Gutbetuchte
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16:29 18.12.2011
Vom Restaurant „Zum fabelhaften Hirschen“ sind es nur wenige Meter bis zum Neubaugebiet St. Hubertus Park (links). Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
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Lübeck

Das Baugebiet im Süden der Hansestadt ist in jeder Hinsicht großzügig. Sowohl die Preise im neuen St. Hubertus Park gehören in Lübeck der XXL-Klasse an wie auch die Grundstücksgrößen. Zwischen 500 und 1800 Quadratmetern groß sind die Grundstücke, die Familien mit gutem Einkommen erwerben können. Für ein Einfamilienhaus-Grundstück mit großzügigem Garten muss man zwischen 100 000 und 260 000 Euro hinlegen – inklusive Erschließungskosten.

„Wir wollen das Klientel der gehobenen Mittelklasse anziehen“, sagt Gerd Benoir, der mit Alan Varley Eigentümer der Flächen ist. Insgesamt ist das Areal gegenüber der Bundespolizei in St. Hubertus 16 Hektar groß – und es hat in den vergangenen zwei Jahren der Planung eine enorme Wertsteigerung erfahren. Denn bis dato waren es nur Ackerflächen. Eigentlich wollten Benoir und Varley dort einen kleinen Golftrainingsplatz errichten, doch die Stadt drängte auf Wohnbauland. „Wir brauchen Wohnland, um die Einwohnerzahl in Lübeck zu halten“, sagt Wirtschaftssenator Sven Schindler (SPD). Vor allem die Lage nahe der Universität und der Klinik sprächen für das neue Baugebiet, denn der Hochschulstadteil und der Bornkamp sind ausverkauft. Im Gegensatz zu diesen Wohngebieten, bietet der St. Hubertus Park nahe Groß Grönau jede Menge Platz.

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Die Erschließung des Wohngebietes kostet fünf bis 6,5 Millionen Euro und geht zu Lasten der Eigentümer. Starttermin ist Mai 2012. Die ersten könnten im Herbst bauen. Insgesamt sind 100 Häuser geplant – sowohl Einzel- wie auch Doppel- und Mehrfamilienhäuser mit bis zu fünf Wohnungen. „Es ist alles sehr großzügig“, betont Benoir. Und vor allem auf Zuwachs ausgelegt. Bei einem 1000 Quadratmeter großen Grundstück sind bis zu 750 Quadratmeter Wohnfläche drin. Die müssen nicht unbedingt und schon gar nicht auf einmal realisiert werden, sondern das neu gebaute Einfamilienhaus kann im Laufe der Zeit mit einer Wohnung erweitert werden, so dass mehrere Generationen unter einem Dach leben können. Im Baugebiet können die Häuser zwei Geschosse und teilweise ein Staffelgeschoss haben und bis zu neun Meter in die Höhe ragen.

Das neue Wohnquartier wird durch eine Ringstraße erschlossen – in der Mitte soll ein parkähnlicher Grünstreifen das Areal aufteilen. Teilweise reichen die Gärten der Häuser bis an den angrenzenden Wald heran. Der Eingang zu dem neuen St. Hubertus Park wird gegenüber der Bundespolizei mit einer neuen Ampelanlage geregelt. Auf dem Areal direkt an der Ratzeburger Allee existiert derzeit ein Park & Ride-Parkplatz, dahinter ein aufgeschütteter Lärmschutzwall. Der Wall bleibt bestehen, der Parkplatz, der an die Ratzeburger Allee angrenzt, wird verkleinert und auf 60 Stellplätze reduziert. Denn auf dem Gelände, das der Stadt gehört, soll ein Supermarkt gebaut werden mit 1200 Quadratmetern Verkaufsfläche. Auch ein kleiner Bäcker oder eine Gaststätte kann dort angesiedelt werden. Die Erschließungskosten für die verkehrliche Anbindung und die Ausgleichsmaßnahmen für den Naturschutz von 3,6 Millionen Euro trägt die Stadt – das Geld will sie durch den Grundstücksverkauf wieder einnehmen. Es könnte allerdings sein, dass sie 110 000 Euro an Fördermittel an das Land zurückzahlen muss, weil es 1998 den Park & Ride-Parkplatz gefördert hat.

Der Umweltschutzverband BUND lehnt die Pläne in seiner Stellungnahme „entschieden ab“ und fordert die Bürgerschaft auf, das Vorhaben zu verwerfen. Denn es beinhalte „gravierende Eingriffe in geschützte Biotopflächen“ und habe eine „erhebliche Beeinträchtigung streng geschützter Arten zur Folge“. Außerdem sei der Bau des Supermarktes nicht ausreichend begründet, finden die Umweltschützer. Auch der Naturschutzbeauftragten der Stadt, Jörg Clement, hält nichts von dem Vorhaben. Es wirke „wie ein Hohn“, denn eigentlich wolle die Hansestadt auch die biologische Vielfalt unterstützen. „Es ist nicht nachzuvollziehen, dass immer mehr Landschaft verbraucht werden soll“, sagt Clement. Gleichzeitig gebe es an anderer Stelle Wohnraumleerstand. Nach dem Bauausschuss muss nun die Bürgerschaft Anfang 2012 endgültig grünes Licht geben.

Josephine von Zastrow

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