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Lokales Lübeck Die Wächter über Lübecks Bäume
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16:49 16.11.2018
Jens Wandel treibt die Nadel des Resistographen in die Esche, um festzustellen, wie morsch sie innen ist. Quelle: Lutz Roeßler
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Innenstadt/St. Gertrud

Es ist ein gewaltiger Baum: Die Esche auf der Grünfläche am Gustav-Radbruch-Platz ist rund 216 Jahre alt und hat einen Stammumfang von 5,70 Metern. Doch wer genau hinsieht, erkennt an beiden Seiten weit oben Faulstellen von alten Ausbrüchen, dazu in etwa acht Metern Höhe ein Spechtloch und eine Seilverspannung in der Krone. Jens Wandel von der Baumkontrolle des Bereichs Stadtgrün und Verkehr misst mit einem sogenannten Resistographen den Bohrwiderstand. Ergebnis: Bei 13 Zentimetern geht der Widerstand zurück, was heißt: Der stattliche Stamm ist hohl und faul.

Baum wird vorerst gerettet

Doch diese Esche, ist Wandel ziemlich sicher, kann wohl noch ein paar Jahre überleben, ohne zur Gefahr für Passanten zu werden. Allerdings nur, wenn sie deutlich gekürzt wird. Die Esche ein paar Meter weiter Richtung Gustav-Radbruch-Platz hingegen, um das Jahr 1908 gepflanzt und mit 3,50 Metern Umfang, musste kürzlich gefällt werden – sie war innen komplett hohl, wie Björn Peters, Abteilungsleiter flächenübergreifende Bewirtschaftung im Bereich Stadtgrün und Verkehr, deutlich macht. Immerhin: Zehn Jahre konnte die geschädigte Esche unter entsprechender Kontrolle und Pflege noch erhalten bleiben.

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Gründliche Kontrolle

Immer wieder ärgern sich Bürger über Baumfällungen, zweifeln den Sachverstand der Stadt, die einfach abholze, an. Peters klärt auf: Der Bereich Stadtgrün und Verkehr sei für 18 000 Straßenbäume und rund 80 000 Bäume in Grünanlagen zuständig. Zehn Mitarbeiter würden regelmäßig Bäume auf ihre Standsicherheit überprüfen, 17 – inklusive externer Kräfte – seien in der Baumpflege tätig. „Die Anzahl der Bäume, die wir fällen, ist sehr gering“, so Peters. Hilfreich bei der regelmäßigen Kontrolle ist übrigens auch ein digitales Kataster. „Da kann man sich immer weiter hinein zoomen und die einzelnen Bäume ansehen“, sagt Peters. Bislang seien allerdings „nur“ 55 000 bis 60 000 Bäume erfasst.

150 Bäume müssen weg

Aktuell müssen 150 Bäume gefällt werden – 23 Straßenbäume und 127 Bäume in Grünanlagen, unter anderem im Stadtpark, auf Spielplätzen und an Schulen. Das entspreche etwa 0,15 Prozent des Baumbestandes.

Für diese Esche gab es zehn Jahre nach der Schadensfeststellung keine Rettung mehr. Sie ist, wie Björn Peters zeigt, innen komplett verfault. Quelle: Lutz Roeßler

Übrigens: Mit den Bäumen auf Privatgrundstücken, die für Baumaßnahmen gefällt werden, hat der Bereich Stadtgrün und Verkehr nichts zu tun, das sei vielmehr Sache der Unteren Naturschutzbehörde.

Fäll-Listen für jeden einsehbar

Björn Peters verweist auf die Baumfälllisten der Hansestadt, die unter http://stadtentwicklung.luebeck.de/stadtgruen_verkehr/ für jedermann einzusehen sind.

Sabine Risch