Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Munterer Stadtdiskurs: Studierende dürfen auch laut sein
Lokales Lübeck Munterer Stadtdiskurs: Studierende dürfen auch laut sein
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:17 13.03.2019
Moderatorin Antje Peters-Hirt (r.) diskutiert mit Dr. Muriel Helbig (TH, l.), Prof. Rico Gubler (MHL) und Prof. Gabriele Gillessen-Kaesbach (Uni). Quelle: 54°/John Garve
Innenstadt

In der ursprünglichen Bedeutung des Wortes geht es um ein „hin und her gehendes Gespräch“, und das war es auch schon aufgrund der zahlreichen Beteiligten beim 90-Minuten-Stadtdiskurs in der Gemeinnützigen. Aufgegriffen wurde ein Thema, das schon seit viereinhalb Jahren „im Raum stand“: Wie viel Stadt vertragen die Hochschulen, wie viel Hochschule verträgt die Stadt? „Diese etwas merkwürdig anmutende Frage hatte am Ende des allerersten Stadtdiskurses im September 2014 der damalige Uni-Präsident formuliert“, erinnerte sich Moderatorin Antje Peters-Hirt aus der Vorsteherschaft der Gemeinnützigen.

Hochschule und Stadt: Ein Diskurs mit viel Prominenz und viel Publikum Quelle: 54°/John Garve

Und nun sei es wirklich an der Zeit gewesen, diesem aufgeworfenen Aspekt nachzugehen und dazu einen Abend zu gestalten. In den Großen Saal hatte sie entsprechend eine hochkarätige Runde an Rednerinnen und Rednern geladen, die den ungefähr 100 Zuhörerinnen und Zuhörer viel zu sagen hatte. Leider blieb es aber eine „Einbahnstraße“, weil für eine Diskussion mit dem Publikum kein Zeitfenster vorgesehen war.

Prof. Stefan Bartels. Quelle: 54°/John Garve

Übereinstimmung herrschte bei der Einschätzung, ob Lübeck eine richtige Studentenstadt sei oder noch nicht. Wohl eher noch nicht, um das Meinungsbild zusammenzufassen. „Ich bin in Göttingen aufgewachsen und habe zudem längere Zeit in Tübingen gelebt“, sagte beispielsweise TH-Professor Stefan Bartels, „in diesen beiden Städten gehören Studierende zum prägenden Stadtbild dazu, auch akustisch.“

Wenn man dort erzählen würde, dass sich Anwohner ständig über feiernde Studierende im Sommer beschweren – „wie bei uns im Carlebach-Park“ –, würde man wohl nur ein müdes Lächeln ernten. Er rief folgerichtig zu mehr Akzeptanz von studentischem Leben in der Stadt auf. Der Ex-Präsident der früheren FH, heute TH, merkte ebenfalls an, dass Lübeck „wohl auch die einzige Stadt der Welt“ sei, wo einem die Durchfahrt von Hochschulstadtteil zum Hochschul-Campus durch eine verschlossene Schranke verwehrt werde. Eine Absurdität, wie es den Reaktionen im Saal zu entnehmen war.

Prof. Cornelius Borck. Quelle: 54°/John Garve

Den Finger in die Wunde legte auch Bartels Kollege, TH-Professor Frank Schwartze. Er hatte zum Beispiel in der Vorbereitung auf den Abend entdeckt, dass auf der städtischen Homepage noch eine Studierendenzahl von 5500 für Lübeck aufgelistet werde. „Das ist aber schon seit Jahren überholt; wir haben inzwischen über 10 000“, klärte er auf. Zudem äußerte er den Wunsch, dass zukünftig auch in der Außenwerbung die Hochschulen eine größere Rolle spielen sollen und „jenseits von Cappucchino und Altstadt“ gedacht werde. Ein Aspekt, den LTM-Chef Christian Martin Lukas aufnahm, jedoch erwiderte, dass die Hochschulen für den Reisegast nur bedingt relevant seien.

Prof. Frank Schwartze. Quelle: 54°/John Garve

Praktische Beispiele der Wirkung der Hochschulen in die Stadt bestimmten anschließend die zweite Hälfte des Abends. Prof. Cornelius Borck, Sprecher des Zentrums für Kulturwissenschaftliche Forschung Lübeck (ZKFL), machte klar, dass die Uni nicht unbedingt eine geisteswissenschaftliche Fakultät brauche, um wesentliche Beiträge für die Museen der Stadt leisten zu können. „Lübeck steht für sein kulturelles Leben, und das ZKFL kann dazu durch seine Doktoranden wesentlich beitragen“, so der Chef des Uni-Instituts für Medizingeschichte und Wissenschaftsforschung. Prof. Rico Gubler, Präsident der Musikhochschule, wies darauf hin, dass seine Institution über 350 Konzerte im Jahr beisteuere.

Jochen Brüggen lobte anschließend das Zusammenwirken von Hochschulen und Wirtschaft auf dem Ernährungssektor, Dr. Jens Meier den EnergieCluster Digitales Lübeck sowie Frank Schröder-Oeynhausen mit Holger Fischer die Entwicklung des Wissenschaftscampus. „Uni und TH haben insgesamt 3000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, von denen über die Hälfte in der Forschung tätig sind“, führte Fischer aus, „und darunter sind 266 Professorinnen und Professoren.“ Dazu komme noch das UKSH. „Wir sind auch die Stadt“, fasste er zusammen. Entsprechend erinnerte Uni-Präsidentin Prof. Gabriele Gillessen-Kaesbach an das Miteinander im Uni-Kampf aus dem Frühsommer 2010. „Dieses Miteinander wieder aufleben zu lassen, sollte unsere Aufgabe sein.“

Michael Hollinde

Das Lübecker UKSH hat zwei neue Krankenhausseelsorger bekommen. Mit einem Gottesdienst sind Pastorin Christine Grossmann und Pastor Martin Behrens in ihre Ämter eingeführt worden.

13.03.2019

Die Industrie- und Handelskammer würdigt den 3D-Drucker-Hersteller für seine gute Ausbildung mit Award. SLM Solutions baut Maschinen für Medizintechnik, Ersatzteile und Weltraum-Missionen.

13.03.2019

Wer will mitregieren? Noch haben SPD und CDU niemanden gefunden, der sie unterstützt. Der Großen Koalition fehlt eine Stimme zur Mehrheit, seit zwei SPD-Leute zu den Grünen gegangen sind.

13.03.2019