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Lübeck Stadt und Polizei: Nie wieder so ein Platz in Lübeck
Lokales Lübeck Stadt und Polizei: Nie wieder so ein Platz in Lübeck
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12:03 18.09.2019
Nie wieder so ein Platz in Lübeck: Stadt und Polizei wollen nach der Auflösung des Drogentreffs am Krähenteich dafür sorgen, dass nirgendwo ein neuer Treffpunkt entsteht. Quelle: Hannes Lintschnig
Innenstadt

Nach dem Beschluss von Stadt und Politik, bis April 2020 den Drogentreff am Krähenteich aufzulösen, haben jetzt die Sozialpolitiker nachgelegt. Sie beschlossen die Anschaffung eines Drogenberatungsmobils und einen umgehenden Rückschnitt der Büsche rund um den Drogenplatz. Das Drogenmobil und vier halbe Stellen für die Besetzung des Fahrzeugs wird nach Schätzung des Gesundheitsamtes mehrere 100 000 Euro kosten.

Ende August erklärten Bürgermeister Jan Lindenau (M.), Polizeichef Norbert Trabs und die Leiterin der Awo-Drogenhilfe, Karin Mechnich, dass der Drogentreff bis April 2020 aufgelöst werde. Quelle: 54° / John Garve

„Unser Ziel heißt: Eine nennenswerte, offene Drogenszene darf es in Lübeck nicht mehr geben“, erklärte Innensenator Ludger Hinsen (CDU) im Sozialausschuss der Bürgerschaft. „Auf Marli, in St. Lorenz oder St. Jürgen darf sich nichts Vergleichbares etablieren“, bestätigte Bernd Olbrich, stellvertretender Lübecker Polizeichef.

Olbrich berichtete, dass sich ein Teil der Szene nach Bekanntgabe der Auflösung des Drogentreffs in Richtung Mühlentorbrücke verlagert habe. Olbrich: „Offenen Konsum und Drogenhandel werden wir dort nicht tolerieren.“

Politiker: Strategie von Stadt und Polizei ist unklar

Wie Polizei und Stadt aber verhindern wollen, dass sich die Süchtigen über die ganze Stadt verteilen, blieb auch im Sozialausschuss im Dunkeln. „Zehner-Gruppen von Süchtigen in Kücknitz und Moisling – das ist doch völlig unrealistisch“, sagte Ragnar Lüttke (Linke) und kritisierte, „dass Stadt und Polizei ihre Strategie bisher nicht erklärt haben.“ Auch Michelle Akyurt (Grüne) wollte wissen: „Was bedeutet die Sicherheitspartnerschaft konkret?“ Gregor Voht (Freie Wähler): „Es ist schwierig, wenn wir die Inhalte erst im Oktober erfahren.“

Für Ende Oktober kündigte Vize-Polizeichef Olbrich „Konturen und Leitplanken der Sicherheitspartnerschaft“ an. Olbrich versicherte, „dass wir nicht die Absicht haben, die Szene über die ganze Stadt zu verteilen.“

Der Sozialausschuss und der Ausschuss für Sicherheit und Ordnung tagten gemeinsam, um über den Drogentreff zu beraten. Quelle: Kai Dordowsky

Für die Süchtigen werde die Lage durch die Auflösung des Drogentreffs am Krähenteich deutlich schwieriger, erklärte Karin Mechnich. Die Verlagerung zur Mühlentorbrücke sei ein „Zeichen, was passiert, wenn man Plätze schließt“, sagte die Leiterin der Awo-Drogenhilfe.

Awo-Drogenhilfe: Lage für Süchtige wird schwieriger

Auf dem Platz am Krähenteich hätten die Drogenabhängigen bei den Streetworkern rund 2000 Spritzen im Jahr getauscht. Das würde künftig wegfallen. Das Gesundheitsmobil sein einmal in der Woche vorgefahren, auch das werde entfallen. „Wir werden mobiler arbeiten müssen“, sagte Mechnich.

Unklar sei auch, wie sich der Kontaktladen tea & talk in der Wahmstraße entwickelt, wenn der Drogenplatz am Krähenteich aufgelöst ist. Die Leiterin der Drogenhilfe: „Wir haben 8000 Kontakte zu Süchtigen im Jahr, und es werden rund 50 000 Spritzen umgetauscht.“

Drogenmobil soll 2020 starten

Damit die Streetworker künftig mobiler sind, soll es ein Drogenberatungsmobil geben, mit dem die Awo-Drogenhilfe in der ganzen Stadt unterwegs sein kann, beschloss der Sozialausschuss einstimmig. Für das Fahrzeug hat sich der Vorsitzende des Sozialausschusses, Ingo Schaffenberg (SPD), ein Jahr lang eingesetzt. „Die Bestrafung von Dealern und Konsumenten kann nur ein Baustein der städtischen Strategie sein“, sagte Schaffenberg, es müssten verstärkt Hilfen für Süchtige angeboten und die Drogenprävention an Schulen noch weiter ausgebaut werden.

„Das ist ein großer Erfolg“, sagte Andreas Müller (Linke). Nach Schätzung von Michael Hamschmidt, Leiter des Gesundheitsamtes, kostet das Fahrzeug 100 000 Euro und die vier halben Stellen noch einmal 142 000 Euro.

Ebenfalls einstimmig beschlossen die Sozialpolitiker, dass die Büsche rund um den Drogentreff umgehend zurückgeschnitten und kurz gehalten werden. „Das wird kein Platz mehr sein, an dem man sich hinter einer Hecke verstecken kann“, erklärte Bürgermeister Jan Lindenau (SPD) auf einer Stadtteilkonferenz am Abend im Rathaus.

Einem von der FDP immer wieder geforderten Drogenkonsumraum erteilten Stadt und Polizei eine klare Absage.

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Von Kai Dordowsky

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