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Lübeck Starkregen: So bereitet sich Lübeck auf Extremwetter vor
Lokales Lübeck Starkregen: So bereitet sich Lübeck auf Extremwetter vor
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19:56 09.12.2019
Von 2002 bis 2017 gab es in Lübeck 16 kurze und heftige Starkregen sowie sechsmal Dauerregen von über zwölf Stunden. Andere Landesteile hat das Wetterphänomen weitaus häufiger ereilt. Quelle: Wolfgang Maxwitat
Lübeck

Der Deutsche Wetterdienst und der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft haben eine Untersuchung über Starkregen der letzten 18 Jahre in Deutschland vorgelegt. Bundesweit gab es seit 2002 rund 11 000 Starkregen-Ereignisse. In Lübeck gab es 16 kurze und heftige sowie sechs Dauerregen über zwölf Stunden.

Schleswig-Holstein erlebte in den 18 Jahren insgesamt 368 Starkregen, die Schäden über 160 Millionen Euro verursachten. Im Landesvergleich war der Kreis Rendsburg-Eckernförde am häufigsten betroffen. Auch die Kreise rund um Lübeck erwischte es häufiger – Ostholstein notierte 39 kurze und heftige Starkregen sowie 13 Dauerregen von mehr als zwölf Stunden.

Stormarn zählte 27 kurze und 16 dauerhafte Regen, Segeberg 27 kurze und 18 dauerhafte, das Herzogtum Lauenburg 36 kurze und 17 längere Regen sowie Nordwestmecklenburg 62 kurze und 19 dauerhafte Regen.

Landunter in Lübeck: Bilder von Starkregen und Überflutungen

Lübeck: Bisher kein Hot Spot für Starkregen

Thomas Einfalt von der Firma hydro & meteo, die seit einigen Jahren mit verschiedenen Akteuren der Hansestadt an einer besseren Vorsorge gegen den prasselnden Regen arbeitet, hält die Maßnahmen für angemessen, „obwohl Lübeck bei kurzzeitigem Starkregen kein Hot Spot ist.“

Andreas Becker vom Deutschen Wetterdienst bestätigt das: „Unsere Untersuchung zeigt, dass jeder Ort in Deutschland quasi gleich stark von solch gefährlichen Regenmengen bedroht ist. Gegenden, die im Untersuchungszeitraum nur wenige Schäden durch Starkregen erlebten, haben bislang schlicht Glück gehabt.“

Die örtlichen Experten sind überzeugt, dass Starkregen Lübeck künftig häufiger heimsuchen wird. „Der Temperaturanstieg in Schleswig-Holstein ist ausgeprägter als im weltweiten Durchschnitt“, sagte Thomas Einfalt bei meinem Workshop „Starkregenvorsorge für Lübeck“, „das ist schon heute aus den Messdaten erkennbar.“

In Lübeck sei der Klimawandel bereits spürbar, heißt es in einer Broschüre der Stadt: „Die mittlere Jahrestemperatur ist laut Aufzeichnungen der hiesigen Wetterstationen in den vergangenen Jahrzehnten gestiegen und wird sich nach Berechnungen von Meteorologen weiter erhöhen.“

2019 gab es drei Starkregen-Ereignisse in Lübeck

Sehr heiße Tage sowie kurze, aber heftige Regengüsse in den trockenen Monaten würden sich abzeichnen. Die Gefahr für Hochwasser und Überschwemmungen würde in Lübeck steigen, „da die Aufnahme der Kanalisation beschränkt und Versickerungsmöglichkeiten in besiedelten Gebieten begrenzt sind.“

In diesem Jahr habe es im Juni und Juli drei Starkregen-Ereignisse in der Hansestadt gegeben, erklärt Thomas Einfalt. Am 15. Juni mussten die Feuerwehren zwischen 10 und 15 Uhr rund 100 Mal ausrücken. Der heftige Guss sorgte unter anderem dafür, dass grünes Granulat von der neuen Sportanlage Falkenwiese in die Wakenitz floss. Im Herrentunnel stand das Wasser knietief. Die Verwaltung bat anschließend Bürger, sich zu melden, wenn ihnen Schäden entstanden sind. Einfalt: „Über 30 haben sich gemeldet.“

Was ist Starkregen?

Von Starkregen spricht man, wenn in kurzer Zeit sehr große Niederschlagsmengen auftreten. Dabei warnt der Deutsche Wetterdienst in zwei Stufen: Fallen in einer Stunde mehr als 15 Liter Regen auf einen Quadratmeter Boden oder in sechs Stunden mehr als 20 Liter, gibt es eine „markante Wetterwarnung“. Bei mehr als 25 Litern pro Stunde oder mehr als 35 Litern in sechs Stunden setzt der Dienst eine „Unwetterwarnung“ ab.

Das Projekt „i-quadrat“ist das Nachfolgeprojekt von „RainAhead“ und wird als „kommunales Leuchtturmvorhaben zur Anpassung an den Klimawandel” von 2018 bis 2020 aus Bundesmitteln gefördert. „i-quadrat“ will die in Lübeck gesammelten Erkenntnisse zum Thema Starkregen in die Öffentlichkeit bringen. Auf der entsprechenden Internetseite finden Bürger viele weitere Informationen.

Laut Deutscher Versicherungswirtschaft sind nur 43 Prozent der Hausbesitzer in Deutschland mit einer Elementarversicherung gegen die Folgen extremer Regenfälle geschützt. In Schleswig-Holstein sind es 27 Prozent. Heftige Regengüsse könnten Häuser bis zur Unbewohnbarkeit beschädigen, erklärt Oliver Hauner, Naturgefahren-Experte des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft: „Der teuerste Einzelschaden an einem Einfamilienhaus in Schleswig-Holstein betrug 52 000 Euro.“

Projekte sollen Bürger auf die Wetterphänomene vorbereiten

Experten raten Kommunen, ihre Bürger auf solch heftige Regengüsse vorzubereiten. Lübeck ist da ganz vorne dran, hat das Thema in Projekten wie „RainAhead“ und „i-quadrat“ aufgegriffen. Karten wurden erstellt, die Senken und Fließrichtungen aufzeigen. Broschüren wurden erstellt, um Bürgern Tipps zu geben, wie sie ihr Eigentum schützen können. Architekten, Landschafts- und Verkehrsplaner werden in Workshops geschult.

Die Firma hydro & meteo entwickelte sogar ein Frühwarnsystem für die Feuerwehr, damit die rechtzeitig ihre Leitstelle verstärken und die Kameraden in Alarmbereitschaft versetzen kann. Davon hat sich die Feuerwehr in diesem Jahr aber wieder verabschiedet, bestätigen Thomas Einfalt und Bernd Neumann, Chef der Berufsfeuerwehr, auf LN-Anfrage.

Die Berufsfeuerwehr nutzt mittlerweile ein Warnsystem des Deutschen Wetterdienstes. Das ist kostenlos. Für das andere Frühwarnsystem musste die Feuerwehr bezahlen.

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