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Lübeck Lübecker Strafprozess: Häftling betrügt Mitgefangenen
Lokales Lübeck Lübecker Strafprozess: Häftling betrügt Mitgefangenen
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06:25 29.10.2019
Ein Häftling der Lübecker JVA musste sich vor dem Amtsgericht verantworten. Er hatte einen Mithäftling betrogen. Quelle: Rüdiger Jacob
St. Gertrud

In wenigen Monaten wäre er entlassen worden. Doch daraus wird nichts: Nach Überzeugung des Amtsgerichts Lübeck hat Manfred Z. (Name geändert) einen Mithäftling betrogen, einen Justizangestellten falsch verdächtigt und sich der üblen Nachrede schuldig gemacht – und zwar aus der Haft heraus. Dafür gab es jetzt weitere acht Monate Gefängnis – ohne Bewährung.

Gutachten versprochen – Geld kassiert

In Sakko und dunkler Hose bekleidet, konzentriert, zugewandt, bisweilen breit grinsend und überwiegend wortkarg – so gab sich der 45 Jahre alte Angeklagte, ein Strafgefangener der JVA, dem Betrug, Falschverdächtigung und Verleumdung zur Last gelegt wurde. Laut Staatsanwaltschaft habe Z. im Oktober 2016 einen in U-Haft befindlichen Mitgefangenen davon überzeugt, dass dieser für sein Ermittlungsverfahren wegen Mordes für seine Verteidigung ein Gutachten benötige, das Z. vermitteln könne. Zur Bezahlung dieses Gutachtens habe der Mitgefangene 1300 Euro auf ein ihm von Z. genanntes Konto überwiesen. Dieses Konto solle einem weiteren Mitgefangenen gehört haben, mit dem sich Z. das Geld habe teilen wollen. „Die Vermittlung eines Gutachtens hat der Angeklagte nie beabsichtigt“, sagte Staatsanwalt Dirk Godthardt.

Erfundene Verdächtigungen gegen JVA-Mitarbeiter

Der weitere Vorwurf: Z. habe gegenüber einem JVA-Bediensteten wahrheitswidrig behauptet, einer von dessen Kollegen habe ihm, Z., gegen Bezahlung ein Handy besorgt. Gegen den so beschuldigten JVA-Bediensteten wurden daraufhin umfangreiche Ermittlungs- und Disziplinarverfahren eingeleitet. Die Verfahren sind mangels Tatverdacht inzwischen eingestellt worden.

Handys in der Zelle gehortet

Einer der fünf Zeugen, die gestern aussagten, war der zu Unrecht Beschuldigte, der die Taten Z.s nicht verstehen konnte. Licht ins Dunkel brachte die Aussage eines Ex-Abteilungsleiters der JVA: Um eine vorzeitige Entlassung zu erreichen, habe sich ihm gegenüber Z. anvertraut, um den Namen des Justizmitarbeiters, der angeblich Handys und sogar Drogen in die JVA geschmuggelt habe, preiszugeben. Doch aus diesem versuchten Deal wurde nichts – schon JVA-eigene Ermittlungen hatten die Unschuld des Mitarbeiters bewiesen. Der Ex-Abteilungsleiter bescheinigte Z. hingegen eine „regelrechte Handysucht“. Insgesamt an die zehn Mobiltelefone seien in der Zelle des Verurteilten bei Durchsuchungen gefunden worden.

„Keine positive Prognose“

„Wie sind die Handys in die JVA gekommen?“, wollte Amtsrichter Jörg Fricke wissen. Eine Frage, auf die gestern niemand eine Antwort geben konnte – der Angeklagte schwieg. Und so blieb offen, wie das Handy in seine Zelle gelangte. Acht Monate Haft, forderte der Staatsanwalt. Ein Strafmaß, das das Gericht übernahm. Obwohl Z. Aussicht auf einen Job habe, wie sein auf Freispruch plädierender Verteidiger Abdulhamaid Ekici wissen ließ, erkannte der Richter „keine positive Prognose“. „Bei so vielen Vorstrafen wie Betrug und Urkundenfälschung, und aufgrund der Tatsache, dass die jetzigen Straftaten noch während der Haft begangen wurden, ist für eine Bewährungsstrafe kein Raum“, so der Richter.

Abgang in Handschellen

„Warum?“, wollte der zu Unrecht beschuldigte Justizangestellte von Z. das Motiv der Tat wissen. Ohne zu antworten, mit einem lächelnden Blick, verließ der Verurteilte den Gerichtssaal so, wie er hereingebracht worden war – in polizeilicher Begleitung und Handschellen.

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