Straßensanierung: Lübeck setzt verstärkt auf Kaltasphaltverfahren
Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Schnelle Straßensanierung: Stadt setzt verstärkt auf Kaltasphaltverfahren
Lokales Lübeck

Straßensanierung: Lübeck setzt verstärkt auf Kaltasphaltverfahren

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:00 17.08.2021
Schnelle Sanierung: Die Stadt erneuert zurzeit viele Straßen mit dem Kaltasphaltverfahren – wie hier in der Wachthauskoppel.
Schnelle Sanierung: Die Stadt erneuert zurzeit viele Straßen mit dem Kaltasphaltverfahren – wie hier in der Wachthauskoppel. Quelle: Holger Kröger
Anzeige
Lübeck

Manche Anwohner mögen sich gewundert haben: Praktisch über Nacht war die Straße vor ihrer Haustür mit einer neue Asphaltdecke überzogen. Alles neu in kurzer Zeit, während anderswo monatelang Baustellenlärm herrscht? Die Stadt Lübeck setzt verstärkt auf das DSK-Verfahren (Dünne Schichten in Kaltbauweise). Während in den vergangenen fünf Jahren 100 000 Quadratmeter pro Jahr saniert wurden, sind es in diesem Jahr 210 000 Quadratmeter. 84 Straßen werden im Rahmen des Masterplans zur Straßensanierung 2021 instandgesetzt.

Der LN-Newsletter aus der Hansestadt Lübeck

Alles, was Lübeck voranbringt: Sie bekommen diesen Newsletter jeden Montag gegen 18 Uhr kostenlos in Ihr Postfach. 

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Stadt: Verfahren hat sich bewährt

Seit fünf Jahren wird das DSK-Verfahren in Lübeck verwendet, um die Straßen zu sanieren, teilt die Stadt mit. Mittlerweile sind die Mitarbeiter der Stadt Experten auf dem Gebiet des DSK-Verfahrens und benötigen dabei keine Hilfe von externen Dienstleistern. Dadurch können die Prozesse erheblich beschleunigt werden, denn die Bearbeitungszeiten – von der Planung bis zur Durchführung – können signifikant verkürzt werden.

Weil mittlerweile Mitarbeiter der Stadt Straßen im DSK-Verfahren sanieren können, vergeht von Planung bis zur Durchführung weniger Zeit. Quelle: Holger Kröger

Auch für Radwege einsetzbar

„Der Bereich Stadtgrün und Verkehr hat im letzten Jahr drei Radwegabschnitte im DSK-Verfahren saniert. Da wir mit dem gelieferten Ergebnis zufrieden sind, planen wir in diesem Jahr weitere zehn Rad- und Gehwegabschnitte mittels DSK-Verfahren zu sanieren“, sagt Stadtsprecherin Nicole Dorel. Diese Abschnitte befinden sich unter anderem in der Dornbreite, der Wesloer Straße, der Niendorfer Straße sowie der Neuen Hafenstraße.

So denken die Anwohner

Holger Merbach, ein Anwohner der kürzlich sanierten Wallstraße, berichtet, dass die Sanierungsarbeiten nach einem Wochenende abgeschlossen waren. Nun ist die Straße „etwas dunkler“, ansonsten seien kaum Unterschiede sichtbar, weil aus seiner Sicht die Straße nicht sanierungsbedürftig gewesen sei . „Allerdings konnten ein paar Schlaglöcher ausgebessert werden, in denen sich das Regenwasser gesammelt hat“, sagt Merbach. Er kritisiert, dass eine langfristigere Ankündigung von der Stadt wünschenswert gewesen wäre, auch wenn die Sanierungsarbeiten witterungsbedingt abgesagt werden könnten. Auskunft hätten dann die „sehr netten Bauarbeiter“ gegeben, die auf Nachfragen der Anwohner eingegangen seien.

Eine spezielle Maschine trägt die neue Asphaltschicht auf. Danach kann die Straße relativ schnell wieder freigegeben werden. Quelle: Holger Kröger

Die Funktionsweise des DSK-Verfahrens

Bevor die neue Asphaltschicht aufgetragen werden kann, muss die Straßenoberfläche gereinigt werden. Anschließend werden Markierungen an allen Anbauten der Straße angebracht, beispielsweise an Gullydeckeln. Eine spezielle DSK-Maschine baut den Kaltasphalt ein. Die neue Asphaltschicht ist nur einen Zentimeter dick – durch die geringe Dicke sei die Anpassung an Bordsteine und Gehwege nicht notwendig. Damit können zusätzliche Kosten gespart werden, heißt es von der Stadt.

Für die Durchführung des Verfahrens sind gute Witterungsbedingungen erforderlich, denn bei Regenwetter könne das DSK-Verfahren nicht durchgeführt werden. Aus diesem Grund seien insbesondere beim stabil guten Wetter in den letzten Wochen viele Straßen instandgesetzt worden, heißt es von der Stadt. In Travemünde müsse allerdings das Saisonbauverbot ab 1. Juni berücksichtigt werden.

DSK-Verfahren: Diese Straßen sollen 2021 saniert werden

Diese Straßen sind von den Sanierungsarbeiten betroffen:

St. Jürgen: Wallstraße, Falkenhusener Weg, Absalonshorster Weg, Gustav-Falke-Straße, Merkurstraße, Ringstedtenweg, Dorfstraße, Raabrede, Röntgenstraße, Grünewaldstraße, Stresemannstraße, Guntherweg/Gernotweg, Giselherweg, Nibelungenstraße, Drosselweg, Gödertskoppel, Amselweg, Nachtigallensteg

St. Gertrud: Arnimstraße, Tesdorpfstraße, Claudiusring, Schönkampstraße, Schanzenweg, Rudolf-Groth-Straße, Thomasstraße, Albert-Schweitzer-Straße, Knud-Rasmussen-Straße

St. Lorenz Süd: Wendische Straße, Kolberger Straße, Hansestraße, Mittelstraße

St. Lorenz Nord: Posener Straße, Warthestraße, Vorwerker Straße, Ziegelstraße, Beim Drögenvorwerk, Brockesstraße, Brolingstraße, Gothlandstraße, Wachtstraße, Trappenstraße, Gluckstraße, Haydnstraße, Bauernweg

Moisling: Moislinger Mühlenweg

Kücknitz: Kücknitzer Hauptstraße, Hochofenstraße, Kirchplatz, Surenfeld, Hudestraße, Hirtenbergweg, Schmiederedder, Olendiek, Borstelweg, Pöppendorfer Hauptstraße, Moorweg, Kieselgrund, Resebergweg, Flenderstraße/Flenderplatz, Bornkoppel/Mühlenhorn, Luisenhof, Mühlenkamp

Schlutup: Mecklenburger Straße, Am Teich, Kampstraße

Buntekuh: Drechslerstraße, Rademacherstraße, Wachthauskoppel, Rotenhauser Feld, Hauskoppel

Travemünde: Godewind, Bertlingstraße, Außenallee, An der Bäk, Am Bach, Grönlandstraße, Hollbeck, Am Heck, Im Beiboot, Am Leuchtenfeld, Strandbahnhof

Die kürzlich sanierte Gluckstraße am Übergang zur Ziegelstraße. Quelle: Kim Kuizenga

Umweltfreundlich und zeitsparend

Die Stadt wirbt: Das DSK-Verfahren sei ein umweltfreundliches Verfahren – insbesondere da es energiesparend, ressourcensparend, geräuscharm und geruchsemissionsfrei ist. Aus diesem Grund könne das Verfahren sogar nachts im innerstädtischen Bereich durchgeführt werden. Trotzdem erfordere auch dieses Verfahren Straßensperrungen, die allerdings deutlich kürzer seien als bei konventionellen Sanierungsarbeiten. Dadurch sei Verkehrsbeeinträchtigung sehr gering – teilweise können die Straßen nach 15 bis 30 Minuten freigegeben werden.

Das Verfahren der Zukunft?

Auch wenn das DSK-Verfahren eine schnelle und umweltfreundliche Alternative zu grundhaften Sanierungsarbeiten mit Heißasphalt darstellt, könne auf diese nicht gänzlich verzichtet werden. Aus diesem Grund werden von der Stadt auch grundhafte Fahrbahnsanierungen durchgeführt, sagt Stadtsprecherin Dorel. Oftmals falle die Entscheidung allerdings für das DSK-Verfahren, nicht nur wegen der Umweltverträglichkeit, sondern auch, da es die günstigere Alternative zur kostenintensiven Komplettsanierung darstelle.

Von Kim Kuizenga