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Lübeck Streik beim Stadtverkehr: Keine Fähre zum Priwall
Lokales Lübeck Streik beim Stadtverkehr: Keine Fähre zum Priwall
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14:45 14.01.2020
Die großen Pötte fahren auf der Trave Richtung Ostsee, die Schranken am Fähranleger bleiben dagegen geschlossen. Quelle: Thomas Krohn
Travemünde

Der Streik beim Stadtverkehr Lübeck hat auch die Priwallfähre lahmgelegt. Lediglich für Rettungsfahrzeuge setzte die Autofähre über die Trave. Wer von der Halbinsel nach Travemünde oder Lübeck wollte, musste einen Umweg über Mecklenburg nehmen. Viele Einheimische und Urlauber reagierten gelassen auf die Ausnahmesituation. Es gab aber auch kritische Stimmen. 

Schranken am Fähranleger geschlossen

Dienstagmorgen 7 Uhr auf dem Priwall. Auf der Mecklenburger Landstraße, die über die Halbinsel zum Fähranleger führt, herrscht ungewohnte Ruhe. Kaum ein Kraftfahrzeug ist zu sehen. Dass die Fähre wegen des Streiks beim Stadtverkehr nicht fährt, hat sich offenbar herumgesprochen. Nur gelegentlich lenken Fahrer ihre Autos oder Lieferwagen Richtung Fähre. Dort sind die Schranken geschlossen. Auf einem Stellschild weist der Stadtverkehr auf den Streik hin. „Heute Streik. Wir bitten Sie, die Unannehmlichkeiten zu entschuldigen“, ist darauf zu lesen. Beide Autofähren liegen fest vertäut auf der Travemünder Seite. 

Wegen des Warnstreiks beim Lübecker Stadtverkehr waren auch die Fähren zum Priwall lahmgelegt. Klicken Sie hier für Bilder.

„Wir grüßen alle Streikenden“

Markus Heinecke aus Traunstein macht zurzeit Urlaub auf dem Priwall. „Dass überhaupt keine Fähre fährt, dafür habe ich kein Verständnis“, sagt er. Heinrich und Eva Loggin, Touristen aus Darmstadt, wollen mit dem Auto eigentlich nach Lübeck fahren. „Es ist in Ordnung, wenn die Fährleute streiken. Wir grüßen alle Streikenden“, zeigen sie sich solidarisch. Ihre Fahrt in die Hansestadt werden sie jetzt über Mecklenburg antreten. „Das ist kein Problem.“ Eine Frau aus Dassow dagegen ist sauer: „Ich habe in Travemünde einen Arzttermin. Den schaffe ich jetzt nicht mehr.“ Sie wendet ihr Auto und braust zurück Richtung Mecklenburg. Priwallbewohner Roland Ciers nimmt es wiederum gelassen. „Schade ist nur, dass ich meinen Volkshochschulkurs heute Abend in Travemünde nicht besuchen kann.“ Ein Autofahrer sieht das Schild mit dem Hinweis auf den Streik und reagiert wütend: „Die Streikenden sollte man alle einsperren.“ 

Lob vom Chef für Rosenhof-Mitarbeiter

Reinhard Antrich, Direktor der Seniorenwohnanlage Rosenhof, zollt seinen Mitarbeitern dagegen ein großes Lob: „Alle sind heute zur Arbeit gekommen.“ Einige hätten Fahrgemeinschaften gebildet und seien über Mecklenburg gefahren. Andere hätten sich bereits am Vorabend im Rosenhof einquartiert und dort übernachtet, um am nächsten Morgen ihren Dienst antreten zu können. Problematisch sei jedoch, dass alle Arztbesuche von Rosenhof-Bewohnern in Travemünde, darunter auch Operationstermine, abgesagt werden mussten. Dr. Sven-Erik Heilscher von der Praxis auf dem Priwall im Rosenhof-Gebäude betont den Versorgungsauftrag der Ärztegemeinschaft. „Ich habe am Morgen mit den Fährleuten lange diskutieren müssen, bis sie mich dann doch mit der Fähre übersetzten.“ Problematisch sei, dass es auf dem Priwall keine Apotheke gebe. Er habe einem Patienten ein Antibiotikum verschreiben müssen, das dieser leider erst am nächsten Tag aus Travemünde holen könne. Dass gestreikt wird, kann der Mediziner aber gut verstehen. 

Frage nach Notfallplanung

Anja Segner betreibt direkt am Fähranleger ein Friseurgeschäft. „Die meisten Kunden kommen aus dem Rosenhof, deshalb fielen keine Termine aus. Ich habe gut zu tun.“ Allerdings sei ihre Kollegin wegen des Fährstreiks nicht zur Arbeit gekommen. „Ich schaffe das heute aber auch allein.“ Eckhard Erdmann, Vorsitzender der Gemeinschaft der Priwallbewohner, fragt: „Warum gib es keine Notfallplanung?“ Es gebe Fährmitarbeiter, die nicht tariflich gebunden seien. Wenigstens Fußgänger müssten befördert werden. Die Stadt habe gegenüber ihren Bürgern die Pflicht zur Daseinsvorsorge. „Es gibt viele Priwallbewohner, die kein Auto haben und auf die Fähre angewiesen sind.“ 

Am Vormittag fuhr die Fähre dann doch einmal: Ein Notarzt war zu einem Einsatz auf den Priwall gerufen worden.

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Von Thomas Krohn

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