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Lübeck Streit ums Füttern: Lübeckerin darf kein Vogelhaus aufhängen
Lokales Lübeck Streit ums Füttern: Lübeckerin darf kein Vogelhaus aufhängen
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10:49 28.10.2019
Sie sind meistens im Trupp zu sehen, und auch in Lübeck zuhause: Tschilpende Spatzen. Quelle: Olaf Malzahn
St. Jürgen

Experten raten, Vögel zu füttern. Die Piepser fänden immer weniger natürliche Nahrung. Einer Mieterin, die ein Herz für Rotkehlchen, Spatz & Co. hat, wurde das Aufhängen eines Vogelhauses untersagt. Die Eigentümerin des Grundstücks, der Lübecker Bauverein, hatte die Verbreitung von Ratten befürchtet. Jetzt hängt der Haussegen wieder gerade, es dürfen kleine Meisenhäuschen zur Winterfütterung angebracht werden. Ein renommierter Ornithologe rät zur Ganzjahreszufütterung.

Wildes Verstreuen nicht erlaubt

„Ich kann nicht hilflos zusehen, wie die Vögel nach Futter suchen“, sagt die Mieterin. Das Vogelhaus, das sie an einem Baum befestigt hatte, habe sie aber abgenommen, um Ärger mit dem Vermieter zu vermeiden. Allerdings haben nach LN-Informationen auch andere Mieter Vögel gefüttert. Inzwischen gab es Besuch von einem Mitarbeiter des Wohnungsunternehmens. „Jetzt darf ich ein Meisenhäuschen aufstellen“, sagt die Frau erleichtert.

Heike Heickmann, Sprecherin des Bauvereins, erläutert die Sicht des Unternehmens: „Die Fütterung von Vögeln sollte sich auf die Wintermonate beschränken“, sagt Heickmann. „Das wilde Verstreuen von Vogelfutter in unseren Außenanlagen ist nicht erlaubt, um die Verbreitung von Ratten einzudämmen“, ergänzt die Sprecherin. Bei einem „verantwortungsvollen Umgang und regelmäßiger Reinigung“ gestatte der Bauverein in den Außenanlagen den „Einsatz von nachfüllbaren, wetterfesten Futterspendern oder kleinen Vogelhäuschen, die ausschließlich der Versorgung von Singvögeln dienen“, so Heickmann. Das Aufstellen von Vogeltränken in den Außenanlagen sei aus hygienischen Gründen untersagt.

Lübecks Piepmätze

Laut Nabu beherbergt Schleswig-Holstein viele Brut-, Rast- und Wintervögel. Kaum eine Tiergruppe ist dabei allgemein so beliebt und erfreut sich in der Öffentlichkeit und bei Wissenschaftlern derart großer Aufmerksamkeit wie die Federtiere. In Städten wie Lübeck sind unter anderem Amseln, Buchfinken, Blau- und Kohlmeisen, Buntspechte, Elstern, Gimpfeln, Kleiber, Mauersegler, Rauchschwalben, Krähen, Stieglitze, Zilpzalpe oder auch die großen Turmfalken zuhause. Nähere Infos unter www.schleswig-holstein.nabu.de

Heike Heickmann, Sprecherin des Lübecker Bauvereins. Quelle: Olaf Malzahn

Gemeinsames Gespräch suchen

Sascha Färber, Geschäftsführer des Lübecker Haus- und Grundbesitzervereins, sagt zur Rechtslage: „Soweit es in dem von ihn ausschließlich gemieteten Garten, auf dem Balkon oder auf den Außenfensterbänken seiner Mietwohnung erfolgt, darf ein Mieter grundsätzlich Futterglocken oder Meisenknödel aufhängen und Vogelfutter ausstreuen, und unter Umständen auch ein Vogelhäuschen aufstellen“, so Färber. „Das betrifft nur Singvögel, nicht aber Tauben“, so der Jurist. „Durch das Füttern der Vögel darf außerdem niemand Drittes beeinträchtigt werden“, sagt Färber. Auf Allgemeinflächen dürfe der Mieter nur mit Zustimmung des Vermieters ein Vogelhäuschen aufstellen oder an einem Baum befestigen.

Grundlage für die Entscheidung des Vermieters sei der Einzelfall. „Wir raten unseren Mitgliedern, das Gespräch mit den Mietern zu suchen. Gemeinsam findet sich möglicherweise ein Weg, wie den Singvögeln geholfen werden kann, ohne dass die Interessen des Vermieters hierdurch verletzt werden“, so Färber.

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Vereinsamung ist ein Problem

Auch der Deutsche Mieterbund rät zu einem bedachten Vorgehen beim Füttern: „Rechtlich ist es sicherlich so, dass dem Eigentümer des Baumes die Entscheidung obliegt, ob dort ein Vogelhäuschen oder ein Futterpäckchen angebracht wird, und zwar unabhängig davon, ob hierdurch Beschädigungen am Baum oder Verschmutzungen im Bereich der Futterstelle hervorgebracht würden“, erklärt Thomas Klempau, Geschäftsführer des Lübecker Mietervereins.

„Anders zu beurteilen wäre hingegen ein Sachverhalt, bei dem es um das Anbringen eines Futterpäckchens oder eines kleinen Vogelhäuschens auf einem mitgemieteten Balkon oder auf einer Terrasse geht“, so Klempau. Hier fänden sich in der Rechtsprechung „regelmäßig zustimmende Entscheidungen, sofern sich das Ausmaß der Fütterung in einem verträglichen Rahmen bewegt und keine unzumutbaren Geräuschbelästigungen und Verschmutzungen und auch keine Ungeziefergefahren hervorgebracht werden.“

Klempau beleuchtet aber noch ein anderes Problemfeld: „Aus unseren Beratungen wissen wir, wie gern insbesondere ältere Menschen Vögel beobachten und begeistert davon berichten, was in ihrem kleinen Vogelrefugium so alles vor sich geht“, sagt der Mietervereins-Chef. So liege die Quote der Einpersonenhaushalte in Lübeck mit mehr als 50 Prozent „recht hoch“, das Thema Vereinsamung erlange zunehmend Bedeutung. „Nicht ohne Grund hat die Stadt Lübeck in Kooperation mit der Caritas ein Modellprojekt gegen Vereinsamung gestartet“, berichtet Klempau.

Auch vermeintlich unscheinbare Dinge, wie das Anbringen eines Vogelhäuschens oder Futterpäckchens, könnten für den jeweiligen Haushalt eine Menge bewirken – „und eine Aufgabe bedeuten, die Struktur in den Alltag hineinbringt und Mensch und Tier viel Freude bereitet“, sagt Klempau. Aus Sicht des Nabu ist das Füttern von Vögeln, „soweit das nach den Umständen angezeigt ist, zu empfehlen“, sagt Sprecher Benno Moreth. Er empfiehlt betroffenen Mietern, das direkte Gespräch mit dem Vermieter zu suchen.

Experte rät zu Ganzjahreszufütterung

Einer der renommiertesten Vogelkundler Deutschlands ist Professor Peter Berthold. Den LN gegenüber gibt er einen kurzen Einblick: „Durch die industrialisierte Landwirtschaft und durch massenhaftes Insektensterben gibt es in Deutschland immer weniger Vögel. Viele finden nicht mehr genug Nahrung, da auch die Zahl der Insekten dramatisch sinkt“, so der Experte. „Ich rate dazu, das ganze Jahr zu füttern“, so Berthold.

Seit dem Jahre 1800 seien 80 Prozent der Insekten- und Körner fressenden Wildvögel bereits ausgestorben. Monotone Anpflanzungen auf den Feldern, beispielsweise Mais, seien für kleine Schnäbel kein Futter. Berthold war bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2004 Direktor und wissenschaftliches Mitglied der Max-Planck-Gesellschaft an der Forschungsstelle für Ornithologie und ist unter anderem Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft zur Erstellung Roter Listen gefährdeter Vogelarten in Deutschland. Um das durch Nahrungsmangel verursachte massive Singvogelsterben aufzufangen, empfiehlt er die Ganzjahreszufütterung.

Von Rüdiger Jacob

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