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Lübeck „Strick-Guerilla“ begeistert Kulturszene
Lokales Lübeck „Strick-Guerilla“ begeistert Kulturszene
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17:52 16.09.2011
Vorbild Velbert in Nordrhein-Westfalen: Eine Remscheider Künstlerin umstrickte diese Trauerweide bis in die Baumkrone. Insgesamt war die Remscheider Künstler-Gruppe schon in 47 Ländern aktiv. Foto: dpa Quelle: dpa
Lübeck

Die Holstentor-Kanone mit dem orange-rot-gelben Wickel zieht die Blicke auf sich, immer wieder bleiben Passanten und Touristen davor stehen und bestaunen der Waffe neuestes Kleid. Ob ein gestrickter Schal im Regenbogenlook für ein Straßenschild, ein bunter Poller- Pulli oder eben ein flauschiger Waffen-Überzieher: Die Lübecker „Strick-Guerilla“ macht die Stadt ein großes Stück bunter – und strickt sich nicht nur in die Herzen der Touristen. „Ich finde, das ist eine gute Idee“, sagte Peter Sünnenwold, kulturpolitischer Sprecher der CDU. „Das haucht der Stadt fröhliches Leben ein.“ Der Politiker wünscht sich mehr so aktive Bürger im Land. Auch sein Kollege von der SPD ist von den fleißigen Strickerinnen begeistert. „Jede kreative Aktion bringt die Stadt weiter“, sagt der Kulturexperte Frank-Thomas Gaulin. „Das küsst die Stadt ein wenig wach.“

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Aufgeweckt sollten die Lübecker beim Gang durch die Straßen allemal sein. Denn die neueste Masche ist schnell auch wieder von den grauen Metallstangen oder Pollern verschwunden. Ein Schild in der Wahmstraße durfte seinen knallbunten Mantel nur ein Wochenende lang tragen, dann entfernten ihn Unbekannte wieder. Schickes aus Wolle steht eben nicht nur Straßenschildern gut. Die bestrickte Metallstange in der Wahmstraße ist auch Gaulin aufgefallen, der Kunsthändler kannte diesen Trend bereits. Die wollene Guerilla kommt ursprünglich aus den USA, strickende Künstler waren aber auch schon in Berlin, Köln, Essen und Frankfurt unterwegs. „Es gibt in der Kunstszene einen Trend, unerkannt Akzente zu setzen“, sagt Gaulin. „Das kann bösartig, lustig oder traurig sein.“ Die Künstler würden dabei die unterschiedlichsten Materialien einsetzen. „Stricken ist eine ganz humane Sache“, sagt Gaulin. Damit beschädige keiner etwas.

So ganz unerkannt kann die Lübecker „Strick-Guerilla“ allerdings nicht mehr operieren. Karen Kowalski (47) und ihre Freundinnen Viola Evers (43) und Uli Smith (47) haben sich in den LN zu erkennen gegeben, und auch das Fernsehen ist schon auf sie aufmerksam geworden. Für Bildhauerin Bettina Thierig steht der heitere, fröhliche und anarchische Aspekt im Vordergrund, als Kunst möchte sie das Ganze nicht bewerten. Sigrid Detloff vom Theater Combinale würden die Strickarbeiten noch besser gefallen, wenn die Künstler hinter den Nadeln anonym blieben. „Prinzipiell finde ich schräge Aktionen immer gut“, sagt Sigrid Detloff. „Es ist aber komisch, dass man weiß, wer die Frauen sind.“ Guerilla heiße doch eigentlich geheim. „So hat das dann wieder etwas von Sockenstricken.“ Die Theatermacherin hat selbst einmal gestrickt. „Das dauert sehr lange“, weiß Detloff. „Ich wundere mich, dass sie so viel Arbeit reinstecken.“

Ob in der Mittagspause oder abends vor dem Fernseher: Die Nadeln der Lübecker „Strick-Guerilla“ klackern überall, ständig sind sie auf der Suche nach weiteren Abnehmern für ihre Wollkunst – sehr zur Freude der Lübeck und Travemünde Marketing GmbH. „Das ist eine sympathische Aktion, die Lübeck als ,Wohlfühlhauptstadt‘ noch liebenswerter macht“, sagt LTM-Chefin Andrea Gastager. „Schön, dass Lübecker ihre Stadt so lieben und den Gästen in der Stadt ein positives und kreatives Lebensgefühl vermitteln.“

Julia Konerding

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