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Lübeck Suchtprävention in Schulen: Die Profis werden kaum noch angefragt
Lokales Lübeck Suchtprävention in Schulen: Die Profis werden kaum noch angefragt
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16:48 30.09.2019
In Schleswig-Holstein ist die Zahl der Jugendlichen, die bis zum Vollrausch trinken, laut AOK wieder gestiegen. Suchtprävention in Schulen wird aus Sicht von Beratungsstellen immer wichtiger. Aber die Budgets dafür wurden den Lübecker Beratungsstellen gestrichen. Quelle: epd
Lübeck

Die Hansestadt hat mehr als 30 Gymnasien, Gemeinschaftsschulen, Förderschulen und Berufsschulen. Die Fachleute der Awo-Drogenhilfe waren im vergangenen Jahr gerade einmal in drei Schulen. „Das ist eine fatale Situation“, sagt Karin Mechnich, Leiterin der Drogenhilfe. „Ich glaube nicht, „dass es eine Schule ohne Drogenprobleme gibt.“

Komasaufen nimmt wieder zu

In Schleswig-Holsteintrinken wieder mehr Kinder und Jugendliche Alkohol bis zum Vollrausch. Das belegt eine Auswertung der AOK Nordwest aus diesem Sommer. Danach wurden im vergangenen Jahr insgesamt 195 junge Menschen im Alter von zwölf bis 20 Jahren mit einer akuten Alkoholvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert, fast acht Prozent mehr als im Vorjahr (181). Die steigende Tendenz ist besonders bei Jugendlichen im Alter von zwölf bis 14 Jahren und bei den 19- und 20-Jährigen auffällig. „Dies ist eine alarmierende Entwicklung. Daher dürfen wir nicht nachlassen, Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene über die Gefahren des Alkoholkonsums aufzuklären“, warnt AOK-Vorstandsvorsitzender Tom Ackermann.

Die Berater bieten Schulen einen Cannabis-Präventions-Parcours sowie eine allgemeine Suchtprävention an. Doch seit die Stadt den Beratungsstellen vor drei Jahren die Prävention aus dem Budget gestrichen hat, gehen die Anfragen von Schulen rapide zurück. Das bestätigt Stephan Schuldt, Leiter der Suchthilfe der Vorwerker Diakonie: „Wir haben ähnliche Schwierigkeiten wie die Awo.“ Die Suchthilfe berät Menschen, die von Alkohol, Tabak, Medien oder Medikamenten abhängig sind.

Schulen müssen Kurse selbst zahlen oder Fördertöpfe anzapfen

Die Schulen müssen die Präventionskurse selbst bezahlen beziehungsweise Fördertöpfe anzapfen. Die Stadt gibt Geld aus einem Topf der Schulsozialarbeit, allerdings wissen viele davon gar nichts. Dagmar Hildebrand (CDU): „Wir müssen in die Köpfe der Schulleiter bekommen, dass das Geld vorhanden ist.“

Diesen Weg findet Renate Prüß von der Awo nicht richtig: „Die Zahl der konsumierenden Jugendlichen nimmt zu“, warnt sie „es ist nicht richtig, den Schulen die Finanzierung zu überlassen.“ Das Problem mit legalen und illegalen Süchten im Jugendalter werde eher wachsen, gibt Suchtberater Schuldt zu bedenken, „noch nie war die Verfügbarkeit so groß wie heute.“

Das sagen Schulleiter

Die LN haben einige Schulen angeschrieben und nach deren Suchtprävention gefragt. Die Emanuel-Geibel-Schule bietet für fünfte bis zehnte Klassen drei Präventionstage im Schuljahr an. „Die bestreiten wir hausintern“, erklärt Schulleiter Wulfila Kangastie, „unsere Lehrkräfte würden es aber gut finden, wenn die Beratungsstellen in die Schule kämen“, sagt Kangastie.

Das sagen Berater, Schulleiter und Schulrat

Auch in der Schule Tremser Teich bestreiten Lehrkräfte die Suchtprävention. „Wir nehmen an einem Projekt für rauchfreie Klassen teil“, berichtet Schulleiter Jörg Haltermann, „Angebote von der Awo oder der Vorwerker Diakonie nehmen wir zur Zeit nicht wahr.“ Haltermann wusste nichts von einem Fördertopf bei der Schulsozialarbeit.

Nicht jedem sind die Fördermöglichkeiten bekannt

„Bisher war mir auch nicht bekannt, dass es bei der Stadt einen Etat dafür gibt“, sagt auch Stephan Cosmus, Leiter der Friedrich-List-Schule, „wir nutzen derzeit unsere Schulsozialpädagogen, um das Thema Suchtprävention bei uns zu behandeln.“ Die Willy-Brandt-Schule hingegen kennt diese Finanzierung. Schulleiterin Alexandra Hase-Rodriguez: „Wir haben eine Projektwoche zum Thema Suchtprävention im achten Jahrgang. Die Kosten werden aus dem Projektmitteltopf der Schulsozialarbeit übernommen.“

Schulrat hält die Schulen bei Suchtprävention für gut aufgestellt

Nicht immer ist es eine Frage des Geldes. Dieter Butzin, Leiter der Heinrich-Mann-Schule: „Ich bin aus pädagogischer Sicht skeptisch, ob Suchtpräventionskurse in unserem schulischen Umfeld gute Wirkung entfalten und zu Verhaltensbeeinflussungen oder Verhaltensänderung beitragen können.“

Schulrat Helge Daugs hält die Schulen in Sachen Suchtprävention für gut aufgestellt. Aber gut gemachte Suchtberatung könne Schule immer sehr gut gebrauchen. Daugs: „Sollten hier Anfragen aus Schule nicht bedient werden können, weil es keine Finanzierungsquelle gibt, wäre das im Hinblick auf teilweise steigende Konsumentenzahlen kontraproduktiv.“

Von Kai Dordowsky

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