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Lübeck TH Lübeck: „Andersartig, aber gleichwertig“
Lokales Lübeck TH Lübeck: „Andersartig, aber gleichwertig“
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19:56 11.06.2019
TH-Präsidentin Dr. Muriel Kim Helbig und FH-Alt-Rektor Prof. Rudolf Taurit im Gespräch. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
Lübeck

 Vor 50 Jahren entstanden in Schleswig-Holstein die ersten Fachhochschulen in Deutschland. Seinen Anfang nahm dieser Hochschultyp 1969 in Schleswig-Holstein – in Lübeck, Kiel und Flensburg. Mittlerweile studieren mehr als eine Million Menschen an diesem Hochschultypus. Dies entspricht einem Drittel der Gesamtstudierenden in Deutschland. Deshalb wird auf dem Lübecker TH-Campus in dieser Woche gefeiert – mit einer hochdotierten Tagung sowie einem großen Bürgerfest am Sonnabend. Mit der amtierenden TH-Präsidentin Dr. Muriel Kim Helbig und FH-Alt-Rektor Prof. Rudolf Taurit haben die LN die Erfolgsgeschichte der FH in der Hansestadt nochmal unter die Lupe genommen.

Herr Prof. Taurit – Sie kommen auf den TH-Campus. Staunen Sie?

Prof. Rudolf Taurit: Auf jeden Fall! Es ist doch super, was hier in den fünf Jahrzehnten entstanden ist. Nur die grüne Wiese, auf der jetzt das Seminargebäude steht, habe ich immer als Grünfläche, die leer bleiben soll, verteidigt. Ich bin 1970 hergekommen. Da stand schon ein fertiges Gebilde; da gehörte noch ein Hochhaus dazu, das bis auf das Erdgeschoss inzwischen verschwunden ist. Damals herrschte Aufbruchstimmung. Trotzdem war natürlich diese Entwicklung nicht vorhersehbar, weil es zwischenzeitlich auch immer mal wieder wirkliche Tiefs gab.

Zu welcher Zeit?

Taurit: Die Gattung Fachhochschule war neu, und zu Beginn fehlte durchaus der Rückhalt in der Landesregierung. Man musste sich erstmal zeigen und seine Leistungskraft unter Beweis stellen. Die ersten Jahre hatten wir um die 1000 Studierende, dann wuchs die Zahl auf 2000 und 3000 an, mit dem Ergebnis, dass es räumlich in den 1980-er Jahren immer enger und enger wurde. Und auf einmal musste auch noch das Hochhaus aus baulichen Gründen gesperrt werden, so dass das Chaos perfekt war.

Gastbeitrag von Björn Engholm

Zwischen 1963 und 1965 veröffentlichte der Pädagoge und Philosoph Georg Picht mehrere Analysen zum Zustand des deutschen Bildungssystems: Es sei im Verhältnis zu anderen Ländern völlig unterfinanziert, benachteilige eklatant die Kinder aus unteren Schichten und junge Frauen (besonders aus ländlichen Räumen) beim Zugang zum Abitur und in den tertiären Bereich – und die Quote der Hochschulabschlüsse bliebe weit unter den Bedarfen von Wirtschaft und Gesellschaft. Die Studentenbewegung und die Intellektuellen der späten 1960-er Jahre griffen das Thema auf und fanden erstes Gehör bei der Großen und ab 1969 verstärkt bei der Sozialliberalen Koalition. Eine der Folgen war eine Erhöhung des Anteils der Bildungsausgaben am Bruttoinlandsprodukt von 3,4 Prozent in den 1960-ern auf 5,5 Prozent (1975); damit verbunden war ein rasantes Wachstum der Hochschulen, vor allem jenes der aus den verschiedensten und nun vereinheitlichten Vorgängereinrichtungen entstandenen Fachhochschulen. Da nicht alle Länder die Kosten zu tragen in der Lage waren, wurde die Gemeinschaftsaufgabe Bund-Länder-Hochschulbau ins Leben gerufen, wonach der Bund Mitspracherecht bei der Planung der Hochschullandschaft erhielt und im Gegenzug 50 Prozent der Kosten für Hochschulbau, -ausbau und Großgeräte-Finanzierung der Forschung übernahm. 1971 wurden alle Fachhochschulen in das Hochschulverzeichnis der Gemeinschaftsaufgabe übernommen und damit endgültig Teil des tertiären Bildungsbereichs. Die Fachhochschulen Lübeck, Kiel und Flensburg waren die ersten, die – neu errichtet – von dieser Entwicklung nachhaltig profitierten. Aber auch die Musikhochschule Lübeck und die damalige „Medizinische Hochschule Lübeck“ konnten ihre Entwicklung beschleunigen. Am 24. November 1978 nahm ich als Vertreter des Bundes am Festakt der jungen FH Lübeck teil: Der damalige Elan war bewegend – und er hat die Hochschule bis heute nicht verlassen.

Björn Engholm

Frau Dr. Helbig – Die Raumprobleme gehen ja bis in die Gegenwart...

Dr. Muriel Kim Helbig: Stimmt! Mit dem neuen Seminargebäude konnte gerade Mal unsere ärgste Not gelindert werden. Daran haben sich auch mehrere Präsidien abgearbeitet. Denn der Bedarf war lange in Kiel bekannt, und letztendlich konnte uns keiner mehr erklären, warum so lange nicht gebaut worden war. Zudem wurden uns noch mehrere Modulbauten zur Verfügung gestellt. Ich kann aber nicht erkennen, dass wir damit auf einem Stand sind, wo wir gut arbeiten können. Deshalb müssen wir beharrlich bleiben. Gerade haben wir beispielsweise zusammen mit der Universität und dem Technikzentrum ein gemeinsames Forschungsgebäude beantragt. Und: Wir benötigen auch mehr studentische Arbeitsplätze – wir lehren Architektur und können beispielsweise keine Zeichensäle anbieten. Da haben wir ebenfalls in Kiel einen Antrag gestellt.

Herr Prof. Taurit – Im Gegensatz zur Universität musste die FH aber nie um ihre Existenz bangen, oder?

Taurit: Ich kann mich daran erinnern, dass Anfang der 1980-er Jahre plötzlich der Informatik-Studiengang abgezogen werden sollte. Das wäre für uns ein zukunftsgefährdender Schlag gewesen; deshalb haben wir schwer gekämpft, damit das nicht umgesetzt wird.

Wie konnte die FH über die Jahrzehnte ihr Profil schärfen?

Taurit: Zuerst einmal wäre die Verankerung in der regionalen Wirtschaft zu nennen. Die Internationalisierung rückte dann im Laufe der 1980-er Jahre immer mehr ins Blickfeld. Und über den Wirtschaftsingenieur haben wir es auch geschafft, die Betriebswirtschaftslehre bei uns aufbauen zu können, um so von der rein technischen Ausrichtung wegkommen zu können.

Helbig: Die angewandte Forschung, die für uns heute zum Selbstverständnis gehört, ist ebenfalls erst später dazu gekommen, ab Mitte der 1980-er Jahre. Seitdem haben die Fachhochschulen und die Universitäten laut Hochschulgesetz denselben Auftrag. Es gilt der Spruch „andersartig, aber gleichwertig“.

Taurit: Was wirklich schwierig war – die Anerkennung in der EU zu bekommen. Wir hatten nur eine dreijährige Ingenieur-Ausbildung, und die EU verlangte vier Jahre. Aber durch Einbeziehung des Praktikums und der Diplomarbeit wurden vier Jahre Studiendauer daraus. Doch dies durchzukämpfen, hat bestimmt zwei Jahre gedauert.

Helbig: Insgesamt muss man wohl auch konstatieren, dass der Erfolg der Fachhochschulen so nicht vorhersehbar war. Immerhin haben wir jetzt ein Drittel aller Studierenden in diesem Hochschultypus.

Mit dem Konzept „TH 2030“ haben Sie die Zukunft schon in den Blick genommen? Höher, schneller, weiter?

Helbig: Den Charakter bewahren, aber die Weichen für die Zukunft stellen – das ist unsere Richtschnur. Und die vier Grundpfeiler Gute Lehre, Internationales, Forschung und Transfer sowie Digitales wollen wir weiter ausbauen. Dabei sehen wir auf einen Seite das studentische Interesse an bestimmten Studienfächern und auf der anderen Seite den Bedarf der Gesellschaft an Fachkräften. Dies ist nicht immer deckungsgleich. Eins steht aber schon fest: Für die Erfüllung des gesellschaftlichen Auftrags brauchen wir auf jeden Fall mehr als 5000 Studierende.

Kann die TH zur Lösung der großen Zukunftsthemen – Beispiel Klima – beitragen?

Helbig: Auf jeden Fall! Wir werden uns immer mehr in sogenannten Fachgruppen treffen. Das heißt: Interdisziplinär tragen wir Ergebnisse zusammen, jeder unter seinem Blickwinkel, und werden praxisnahe Lösungen anbieten. Aufgrund der Komplexität dauert es nur länger, wenn das wissenschaftliche Fundament stimmen soll. Wir sollten uns jedenfalls mehr zu Wort melden.

Michael Hollinde

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