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Lübeck Priwall: Mehr als 1000 Menschen demonstrieren gegen Investor
Lokales Lübeck Priwall: Mehr als 1000 Menschen demonstrieren gegen Investor
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21:19 12.10.2019
Mehr als 1000 Menschen protestierten am Sonnabendnachmittag auf dem Priwall mit einer Menschenkette gegen die Bebauung der Kohlenhofspitze. Quelle: Holger Kröger
Travemünde

Es war vermutlich eine der größten Protestaktionen, die es je auf dem Priwall gegeben hat: Mehr als 1000 Menschen folgten am Sonnabendnachmittag dem Aufruf der Bürgerinitiative für Nachhaltigkeit Travemünde und Priwall (BIN) zur Bildung einer Kette rund um den Kohlenhof.

Sie demonstrierten gegen die Bebauung des Wäldchens an der Trave. Dort will Waterfront-Investor Sven Hollesen ein Hotel und Wohnungen errichten. In einem Gutachten wird empfohlen, das Areal als Landschaftsschutzgebiet auszuweisen.

Mehr als 1000 Menschen kamen am Sonnabend auf der Lübecker Halbinsel zusammen, um mit einer Menschenkette gegen die Bebauung der Kohlenhof-Spitze zu protestieren. Klicken Sie hier, um Bilder von der Demo zu sehen.

„Bäume statt Beton“

Sonnabend, 15.30 Uhr. Bereits eine halbe Stunde vor dem Start der Menschenkette haben sich auf dem Fährplatz auf der Priwallseite etwa 100 Demonstranten versammelt. Sie halten Spruchbänder und Schilder mit Forderungen wie „Bäume statt Beton“, „Natur Kohlenhof erhalten“ und „Jetzt reicht’s!“ in ihren Händen.

Marianne Rühmland-Pfeiffer ist extra aus Lübeck gekommen. Sie hat sich mit Elsbeth Burmann aus Travemünde verbündet. „Wir wollen das bisschen Ursprüngliche, das es auf dem Priwall noch gibt, erhalten“, sagen sie.

Entsetzen über Bautätigkeit

Aus Lübeck sind auch Elke Martens und Cornelia Bärtels angereist. „Ich bin häufig auf dem Priwall und entsetzt, was hier alles in den letzten Jahren zugebaut wurde“, sagt Cornelia Bärtels. Elke Martens hat 30 Jahre in Travemünde gelebt und war schon bei den ersten Protestkundgebungen gegen die Waterfront-Bauten vor zehn Jahren dabei. „Ich habe die Befürchtung, wenn noch mehr dazukommt, dass der Rest Natur auf dem Priwall überrannt wird.“

Der Vertrag

Im Vertrag zwischen der Stadt Lübeck und der Priwall Waterfront AG vom 20. Dezember 2007 heißt es: „Der Käuferin ist die Regelung des § 1 Abs. 3 Satz 2 Baugesetzbuch bekannt. Nach ihr kann ein Anspruch auf die Aufstellung eines Bauleitplanes nicht durch Vertrag begründet werden. Die Hansestadt Lübeck übernimmt demgemäß aufgrund dieses Vertrages keine Verpflichtung dazu, einen Bebauungsplan überhaupt bzw. mit einem bestimmten Inhalt aufzustellen. Jegliche Ansprüche der Käuferin, insbesondere Schadens- oder Entschädigungsansprüche, gleich aus welchem Rechtsgrund, die daraus herrühren, dass das zuvor geschilderte Vorhaben nicht oder nicht in dieser Form erfolgen kann, sind ausgeschlossen.“

Wolfgang Neskovic, Bürgerschaftsmitglied der Unabhängigen, sagt dazu: „Damit steht unmissverständlich fest, dass der Vertrag die Hansestadt Lübeck rechtlich nicht verpflichtet, Hollesen auf dem Kohlenhof Baurecht zu verschaffen.“

Ein Zeichen für Umwelt und Naturschutz

Kurz vor 16 Uhr ist der Fährplatz fast schwarz vor Menschen. Immer wieder kommen weitere Demonstranten mit der Fähre an. Ulrike Westphal von der Bürgerinitiative begrüßt die Teilnehmer und gibt die Parole aus: „Wir wollen heute ein Zeichen für Umwelt und Naturschutz setzen und der Kommunalpolitik sagen: Stopp, Hände weg vom Kohlenhof!“

Auf dem Priwall dürfe kein einziger Baum mehr gefällt werden, nur damit Sven Hollesen seine wirtschaftlichen Interessen durchsetze. Die Initiative befürchte, dass Teile des Kohlenhofs nicht unter Schutz gestellt würden, damit zumindest ein Teil des Areals bebaut werden könne. Westphal unter dem Beifall der Demonstranten: „Wir wollen alles!“

Tourismus im Einklang mit der Natur

Dorotheé Gutschmidt weist darauf hin, dass es seitens der Stadt entgegen der Behauptung eines Travemünder CDU-Bürgerschaftsmitglieds keine Verpflichtung gebe, Hollsen Baurecht zu erteilen. Katja Mentz betonte: „Erhalt und Schutz des Küstenwalds sind existenziell wichtig. Hollesen interessiert nur, wie er seine wirtschaftlichen Interessen durchsetzen kann.“ Jörg Lambrecht forderte: „Wir wollen einen nachhaltigen Tourismus im Einklang mit der Natur.“

Applaus für die Menschenkette

Anschließend setzten sich die Menschenmassen in Bewegung. Von der Schiffstankstelle am Fähranleger über die Kohlenhofspitze bis zur Straße Am Priwallhafen und anschließend weiter durch den Wald zurück bis zum Fähranleger: Als die mehr als 800 Meter lange Kette geschlossen ist und die Nachricht von Helfern verkündet wird, gibt es reichlich Applaus.

Katja Mentz von der BIN: „Ich bin total begeistert. Es sind viele Menschen nicht nur aus Travemünde und Lübeck gekommen, sondern auch aus Bad Schwartau, Groß Grönau und anderen Orten. Wir hoffen, dass die Aktion als Zeichen dafür gesehen wird, dass auf dem Priwall eine Entscheidung für die Umwelt getroffen werden muss.“

Von Thomas Krohn

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