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Lübeck Taxifahrer hilft kranker Frau: Abgeschleppt!
Lokales Lübeck Taxifahrer hilft kranker Frau: Abgeschleppt!
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10:31 17.04.2019
Taxifahrer Torsten Warnick fragt sich, was er hätte machen sollen. „Ich kann meine Kundin doch nicht einfach rausschmeißen.“ Quelle: Hannes Lintschnig
St. Jürgen

Er wollte helfen, und dafür wurde er bestraft. Wie fast jede Woche brachte Torsten Warnick eine Kundin ins UKSH. „Es ist eine Stammkundin“, sagt der Taxifahrer von Minicar. „Sie ist schwerkrank und kann nicht lange alleine gehen. Deswegen fahre ich sie immer direkt vor die Station, damit sie nicht so weit laufen muss. Aber an diesem Tag war alles anders.“

Taxifahrer holt Rezept für Frau ab – und wird abgeschleppt

Die Frau musste ein Rezept abholen, ihr wurde gesagt, dass sie zur Station 42 C kommen soll. „Aber das war falsch, sie wurde von der Station zum Eingang des Zentralklinikums geschickt“, sagt Warnick. Die Frau war sehr erschöpft. Warnick hat sich entschieden, sein Taxi zu verlassen und das Rezept für die Frau kurz abzuholen. „Mehr hatte sie nicht zu tun im UKSH. Ich habe ihr gesagt, dass sie sich kurz auf einer Bank ausruhen soll und ich gleich zurückkomme, um sie wieder nach Hause zu bringen.“ Doch als Warnick mit dem Rezept in der Hand zurückkam, war sein Auto weg. „Es waren keine 20 Minuten, schon wurde ich abgeschleppt“, sagt der 59-Jährige. „Das kann ja wohl nicht angehen. Was hätte ich denn machen sollen?“

Taxifahrer bemängeln Situation auf UKSH-Gelände

Warnick ist nicht der einzige Taxifahrer, der auf dem Gelände des UKSH Probleme hat. „Das kommt häufig vor. Ich bin da ständig in Diskussionen mit den Mitarbeitern vom Sicherheitspersonal“, sagt André Marx von der Interessengemeinschaft Taxi. „Man darf als Taxifahrer auf dem Gelände des UKSH nicht legal stehen. Dabei bringen wir häufig Patienten, müssen warten bis sie fertig sind und fahren sie dann wieder nach Hause.“ Das Sicherheitspersonal sei sehr strikt, Marx würde sich etwas mehr Kulanz wünschen. „Wenn sie ein haltendes Taxi sehen, schicken sie es weg. Egal, ob der Verkehr dadurch beeinflusst wird oder nicht. Die Taxis drehen dann eine Runde und kommen wieder zurück. Das ist doch unsinnig!“

UKSH reagiert verständnislos

Von Seiten des UKSH versteht man die Aufregung nicht, schließlich gebe es eine freie Zufahrt auf das UKSH-Gelände für 20 Minuten. „Aus unserer Erfahrung in Kiel und Lübeck sind die 20 Minuten großzügig bemessen und in der Regel ausreichend“, sagt Sprecherin Anna Dammrich-Warth. Ob man das absolute Halteverbot für Taxis aufheben könnte oder in Einzelfällen den Taxifahrern etwas mehr Kulanz entgegenbringen könnte? „Aus unserer Sicht ist die Situation sehr gut, wir sind jedoch für Verbesserungen immer offen“, so Anna Dammrich-Warth.

Für Marx keine beruhigende Antwort. „Wir haben für unsere Kunden eine gewisse Fürsorgepflicht. Wir helfen beim Gepäck tragen, begleiten sie zur Tür. Dafür müssen wir nun einmal manchmal halten und unser Taxi verlassen“, sagt Marx. „Außerdem bringen wir dem UKSH eine Menge Patienten. Da kann man uns schon ein bisschen entgegenkommen.“

Taxifahrer muss Rechnung wohl selbst zahlen

Torsten Warnick konnte sein Taxi nach etwa einer Stunde und einigen Diskussionen wieder auslösen, es wurde auf dem Gelände der Uniklinik auf einen Parkplatz geschleppt. Seine Kundin hat so lange auf ihn gewartet. Wie viel die Abschleppkosten betragen, weiß er noch nicht. Die Rechnung ist noch nicht bei seinem Taxiunternehmen angekommen. „Egal wie viel da drauf steht: Mein Chef wird sie mir in die Hand drücken. Trotzdem werde ich meinen nächsten Fahrgast auch nicht einfach aus dem Taxi schmeißen.“

Hannes Lintschnig

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