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Lübeck Theater-Krise: Jetzt will die Bürgerschaft in Kiel tagen
Lokales Lübeck Theater-Krise: Jetzt will die Bürgerschaft in Kiel tagen
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19:51 19.06.2019
Lübecker Bürgerschaft: Die Stadtvertretung will den altehrwürdigen Bürgerschaftssaal verlassen und in Kiel vor dem Landeshaus tagen. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
Lübeck

Auf nach Kiel: Die Lübecker Politiker wollen ihre Bürgerschaftssitzung nach Kiel verlegen. Dort soll vor dem Landeshaus getagt werden, um für das Lübecker Theater einzutreten. Das hat der Hauptausschuss beschlossen. Der Grund: Die Politiker wollen mehr Geld für die lübsche Spielstätte. Denn sie bekommt weniger Millionen vom Land als das Kieler Theater und das Landestheater. Die Sitzung soll voraussichtlich im August stattfinden.

Was die Kieler Kulturministerin Karin Prien (CDU) zur Debatte sagt, lesen Sie im LN-Interview.

SPD will Sitzung vor dem Landeshaus in Kiel

Für die SPD ist völlig klar: „Es geht um die Rettung des Theaters“, sagt Stadtpräsidentin Gabriele Schopenhauer. Sie hat die Sitzung vor dem Landeshaus als „öffentlichkeitswirksame Aktion“ vorgeschlagen. Das habe die Bürgerschaft schon einmal gemacht: Damals hatte die Stadt für die Universität Lübeck gekämpft. Die damalige Landesregierung wollte Lübecks Uni schließen. Schopenhauer: „Das Land muss begreifen, welchen Wert die Kultur in Lübeck hat.“

Die CDU, Grüne und Unabhängige haben der Sitzung in Kiel zugestimmt. „Das ist gut, um das Theater mehr in den Fokus zu rücken“, sagt CDU-Fraktionschef Oliver Prieur. „Es ist richtig“, stimmt Thorsten Fürter (Grüne) zu. Denn: „Das Lübecker Theater braucht mehr Geld.“ Die Unabhängigen stimmen zu: „Wir wollen die Finanzlage des Theaters thematisieren“, sagt Fraktionschef Detlev Stolzenberg.

FDP boykottiert die Bürgerschafts-Sitzung in Kiel

Ein klares Kontra kommt von der FDP. „Ich werde nicht nach Kiel fahren – und mich zum Affen machen“, sagt Fraktionschef Thomas Rathcke. Denn: „Das Theater Lübeck gehört der Stadt – nicht dem Land.“ Das sei völlig anders als bei der Uni. „Außerdem ist nicht die Jamaika-Regierung an der Sache Schuld.“ Seit Jahrzehnten gebe das Land mehr Geld für das Kieler Theater und das Landestheater als für das Lübecker Theater. Rathcke: „Wenn, dann muss Lübeck mehr Geld für das Theater ausgeben.“ Die Politik müsse entscheiden: Was habe Priorität? „Aber das passiert nicht.“

Bürgerschaft: Debatte zum Theater erwartet

Das Theater wollen die Linken zum Thema der Bürgerschaft machen. Sie wollen der Spielstätte an der Beckergrube mehr Geld geben – mindestens eine Million Euro. Außerdem hoffen sie darauf, dass Schwandt seine Kündigung zurücknimmt. Einen entsprechenden Dringlichkeitsantrag haben die Linken jetzt für die Bürgerschaft am Donnerstag gestellt.

Theater Lübeck: Investitionsstau von zehn Millionen Euro

Hintergrund: Lübecks Theaterdirektor Christian Schwandt hat gekündigt – zum 31. Juli 2020. Er ist seit August 2007 im Amt – und leitet das Theater sehr erfolgreich. So sind die Besucherzahlen von 144 000 (2007) auf 184 000 (2018) gestiegen. Die Gründe für die Kündigung: Schwandt kann die Steigerung für die Mindestlöhne von 80 Mitarbeitern nicht mehr bezahlen und auch nicht die Lohnerhöhungen für die Tarifangestellten. Zudem hat das Theater einen Investitionsstau von zehn Millionen Euro.

So wird das Theater finanziert

Das Theater Lübeck hat 2018 ein Budget von 24,4 Millionen Euro. Davon zahlt das Land 10,537 Millionen Euro. Die Stadt Lübeck steuert zehn Millionen Euro bei. Das Theater selbst hat Einnahmen von 3,9 Millionen Euro. 184 000 Besucher zählte das Theater. Am Theater sind 320 Mitarbeiter beschäftigt.

Der Vergleich 2009/2010: Das Theater hatte ein Budget von 18,2 Millionen Euro. Das Land hat 9,79 Millionen Euro davon bezahlt. Die Hansestadt hat 5,8 Millionen Euro dazu gegeben. Das Theater hat selbst 2,6 Millionen Euro finanziert. 173 000 Besucher gingen ins Theater. Damals waren ebenfalls 320 Mitarbeiter am Theater tätig.

Das Geld vom Land 2018: Das Land überweist dem Kieler Theater und dem Landestheater mehr Geld als Lübeck. Eine Tatsache, die Schwandt stets kritisiert hat. So hat das Land dem Kieler Theater 2018 satte 14,7 Millionen Euro überwiesen. Das Landestheater hat 14,3 Millionen Euro erhalten. Die Lübecker nur 10,537 Millionen Euro. Im Detail: Das Geld kommt nicht direkt vom Land, sondern es stammt aus einem Topf, in den alle Kommunen in Schleswig-Holstein einzahlen.

Christian Schwandt – ein Mann des großen Auftritts

Stets hat Schwandt kritisiert, dass das Lübecker Theater weniger Geld vom Land bekommt als das Kieler Theater und das Landestheater. Aber auch die Hansestadt hat ihrem Theater nur auf Druck mehr Geld gegeben. Schwandt hat einen strikten Sparkurs gefahren. Aber: Als Theater-Mann weiß er um die Wirkung des großen Auftritts und hat bereits spektakuläre Aktionen angezettelt. Dabei hat Schwandt sich immer bewusst mit Stadt, Land und anderen Theatern angelegt.

Spektakuläre Aktionen für mehr Geld

Im Dezember 2009 hat er den Mietvertrag für das Theatergebäude an der Beckergrube gekündigt – aus Geldnot. Schwandt wollte die damalige Miete von 420 000 Euro nicht mehr an die Stadt bezahlen. Das Ergebnis: ein öffentlicher Aufschrei und mehr Geld von der Stadt. Nummer zwei: 2010 hat Schwandt ein Konzept vorgelegt. Die Theater in Schleswig-Holstein sollten nach Erfolg bezahlt werden. Ein Tabu-Bruch. Den Theaterkollegen aus Kiel und Schleswig platzte der Kragen und sie schossen zurück. Das Konzept hat Schwandt nicht durchgebracht, aber in der Folge gab es mehr Geld vom Land für alle drei Theater.

Ein Mann des Theaters: Direktor Christian Schwandt (56) ist ein Meister des großen Auftritts. Quelle: Olaf Malzahn

2012 ist Schwandt dann mit dem Theater aus dem kommunalen Arbeitgeberverband ausgetreten. Er konnte die stets steigenden Tarifgehälter der Mitarbeiter nicht mehr bezahlen. Ohne Mitgliedschaft im Verband hätte er niedrigere Löhne zahlen können und einen Haustarif aushandeln können. Doch SPD und Grüne wollten das nicht – und gaben mehr Geld fürs Theater.

Josephine von Zastrow

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