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Lokales Lübeck Tierheim Lübeck in akuter Alarmstimmung
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19:01 11.12.2019
Tierheimleiterin Elena Čujić (l.) und die Vorsitzende des Tierschutzes Lübeck, Susanne Tolkmitt, hoffen auf neue Unterstützer und Vereinsmitglieder. Quelle: Wolfgang Maxwitat
Kücknitz

Er ist gerade in Druck gegangen, der Weihnachtsbrief des Tierschutzvereins Lübeck und Umgebung. Inhaltlich soll er Bilanz ziehen und das zurückliegende Jahr würdigen; und in den vergangenen Jahren enthielt er stets frohe Botschaften.

Denn vor allem baulich konnte sich das Tierheim erneuern. Diesmal allerdings ist der Grundtenor ein anderer; im Resebergweg 20 herrscht Alarmstimmung. „Es ist absehbar, dass wir ohne einen nennenswerten finanziellen Zufluss am Ende des nächsten Jahres Insolvenz anmelden müssen“, sagt die Vereinsvorsitzende Susanne Tolkmitt.

Jedes Jahr fehlen zwischen 100 000 und 200 000 Euro

Man habe einen jährlichen Haushalt, der sich so zwischen 700 000 und 800 000 Euro bewege – „und dies regelmäßig mit einer jährlichen Unterdeckung von 100 000 bis 200 000 Euro“, so Tolkmitt. Bisher sei es jedoch immer gelungen, den Fehlbetrag durch Rücklagen auszugleichen.

Vor allem große Erbschaften haben in der Vergangenheit das Konto des Tierheims immer wieder aufgefüllt. „Doch in den letzten zwei Jahren sind größere Beträge ausgeblieben, sodass die Reserven so gut wie aufgebraucht sind“, erklärt die Vorsitzende.

„Animal hoarding“ verursacht hohe Kosten

Erschwerend komme hinzu, dass im Laufe eines Jahres unkalkulierbare Ereignisse die laufenden Kosten regelmäßig in die Höhe treiben würden. „Durch eine plötzliche größere Sicherstellung von Tieren zum Beispiel hätten wir relativ schnell wieder ein Problem“, sagt Elena Čujić, die das Tierheim leitet.

Sie spielt damit auf das zunehmende Phänomen des „Animal hoarding“ an, also eine Tiersammel-Sucht, die Halterin oder Halter irgendwann überfordert, sodass der Tierschutz eingreifen muss. „Meist sind die Tiere dann unterernährt und in einem desolaten gesundheitlichen Zustand, was für uns natürlich wieder höhere Versorgungskosten bedeutet“, betont Čujić.

Kampagne „Rettet das Tierheim Lübeck!“ gestartet

Weitere Faktoren, die die Finanzbilanz des Tierheims zunehmend belasten: Nicht nur die Zahl der verwilderten Hauskatzen, die in Kücknitz kastriert und versorgt werden, steigt konstant. Auch die Anzahl der aufgenommenen Hunde, – „die aufgrund von Verhaltensauffälligkeiten nicht selten kurz vor der Euthanasie stehen“ – wächst stetig. „Diese sind aber entsprechend sehr schwer vermittelbar und bleiben eine lange Zeit bei uns“, ergänzt die Tierheimleiterin.

Deshalb möchten die Tierfreunde nun mit der Kampagne „Rettet das Tierheim Lübeck!“ die Öffentlichkeit wachrütteln und um Unterstützer werben. Und damit ist auch die Politik gemeint. Denn auch von der Stadt und vom Land fühlen sie sich massiv im Stich gelassen. Beispiel „Fundtierrichtlinie“ in Schleswig-Holstein.

Land sagt finanzielle Nachbesserung zu

„Laut dieser Richtlinie haben wir nur Anspruch auf 28 Tage Finanzierung. Aber dass wir es innerhalb dieses Zeitraums wirklich schaffen, ein Wildtier wieder in die Freiheit zu entlassen oder zum Beispiel einen Hund an einen neuen Halter abzugeben, kommt selten vor“, weiß Elena Čujić.

Daten und Fakten

Um insgesamt rund 1500 Tiere hat sich das Team des Tierheims im laufenden Jahr gekümmert. Das Team besteht aus sechs Tierpflegerinnen und Tierpflegern sowie einer Tierheimleitung. Dazu kommen jeweils zwei bis drei „Bufdis“, also junge Leute, die ihren Bundesfreiwilligendienst ableisten. Sie sind für Extraaufgaben abgestellt.

Bei der Kostenaufstellung stehen die Personalkosten auf Platz eins – wobei die Tierpflegerinnen und Tierpfleger aufgrund der Geldnot gerade mal den Mindestlohn erhalten. Auf dem zweiten Rang stehen schon die Tierarztkosten.

Deshalb gebe es den Vorschlag des Landesverbandes des Deutschen Tierschutzbundes, dass Fundtiere bis zur Vermittlung finanziert werden. „Der Entwurf liegt schon lange im Ministerium, ohne dass man etwas hört“, mahnt Susanne Tolkmitt an. Kiels Ministeriumssprecher Joschka Touré beschwichtigt auf LN-Anfrage und sagt: „Der Neuentwurf ist in Bearbeitung und soll möglichst schnell umgesetzt werden.“

Hundesteuer-Einnahmen sollen Tierheim zugutekommen

Aber auch die Kommunen nimmt Tolkmitt in die Pflicht. „Für die Versorgung von Wildtieren und somit zum Beispiel von Wildvögeln bekommt der Tierschutz Lübeck keinen einzigen Cent von der Hansestadt oder den Umlandgemeinden“, klagt sie.

Reagiert haben bereits die „Die Bürger für Lübeck (BfL)“. So fordert Lothar Möller, BfL-Vorsitzender und Mitglied der Lübecker Bürgerschaft, dass die Einnahmen aus der Hundesteuer dem Tierheim zufließen sollten.

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