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Lübeck Im Malsaal des Theaters entsteht das Bühnenbild für „Tintenherz“
Lokales Lübeck Im Malsaal des Theaters entsteht das Bühnenbild für „Tintenherz“
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09:00 27.10.2019
Bücher über Bücher: Für das Weihnachtsstück „Tintenherz“ nach Cornelia Funkes Hommage an die Magie des Wortes malen Eva Knüppel (l.) und Esther Labs Styropor-Bücher an. Quelle: Lutz Roeßler
Innenstadt

Ein riesiger, hoher Raum mit Tageslicht von oben. Der gesamte Boden ist mit farbbeckleckertem Nesselstoff ausgelegt, an den Wänden stehen alte Bühnenbilder oder rostig aussehende Container. Hoch oben auf einem Wandbord thront ein überdimensionaler Wagner-Kopf. Es ist der Malsaal des Theaters Lübeck, das Reich von Moritz Schmidt. Der 40-Jährige hat vor 20 Jahren hier seine Ausbildung zum Theater- oder Bühnenmaler absolviert, konnte bleiben und leitet seit fünf Jahren den Malsaal.

Wo die Bühnenbilder entstehen

Hier entstehen, nach Absprachen mit Regisseur und Bühnenbildnerin, die Bühnenbilder für die Musiktheater- und Schauspiel-Produktionen. Tischler fertigen das Grundgerüst, Plastiker, die zu den insgesamt fünf Mitarbeitern im Malsaal gehören, gestalten aus Styropor und anderen Materialien Gegenstände, während die Theatermaler Neues auf Alt trimmen, sogenannte „Prospekte“ (Hintergrundbilder) malen und Farbe auf die Gegenstände bringen. Ein uralter Beruf, denn schon vor Jahrhunderten haben Theatermaler versucht, fürs Publikum eine möglichst echte Kulisse oder Illusionen zu erschaffen.

Moritz Schmidt leitet den Malsaal. Hier ist er in seiner Farbküche. Geschultert hat er eines der Hauptwerkzeuge der Arbeit als Bühnenmaler: eine Malbürste. Quelle: Lutz Roeßler

Bilder müssen aus der Ferne wirken

„Man muss sich daran gewöhnen, über die Bilder zu laufen“, sagt Moritz Schmidt. Denn: Bühnenbilder, vor allem Prospekte, sind groß, müssen auf die Entfernung wirken, weil die Zuschauer ein ganzes Stück von der Bühne entfernt sitzen. „Man geht hier oft mit dem Theatermaler-Blick durch den Raum“, sagt Schmidt – „mit zugekniffenen Augen.“

Im riesigen Malsaal des Theaters kommen ungewöhnliche Werkzeuge und Techniken zum Einsatz. Ein Blick hinter die Kulissen.

Mit riesigen Bürsten übers Bild laufen

Damit das großflächige Malen rückenschonend ist, arbeiten Bühnenmaler mit riesigen Malbürsten am Stiel auf großflächig am Boden gespanntem Nesselstoff. Selbst die Skizzen werden mit Kohle am Bambusstiel gefertigt, Raster zur Übertragung kleiner Vorlagen aufs große Hintergrundbild werden mittels eines überdimensionalen Lineals am Stiel erstellt.

Aktuell sind Bücher die Hauptarbeit

In diesen Tagen sieht es im Malsaal jedoch ganz anders aus: Bücher über Bücher, große und kleine, dicke und dünne, in allen Farbschattierungen, befestigt an Bücherwänden, stehen im Fokus. An einem Tisch stehen Esther Labs (24) und Eva Knüppel (31) – und arbeiten ausnahmsweise einmal mit normalen Pinseln. „Großartig“, sagt Esther Labs, deren Eltern ebenfalls am Theater arbeiten, „endlich mal ein anderes Format.“ Frei Hand oder mit Schablonen gestalten sie und ihre Kollegin die aus Styropor gefertigten Bücher, bekleben die Buchrücken und tragen Schatten auf.

Die Welt der Bühnenmaler

Rund 3000 Liter Farbe werden pro Saison im Malsaal verbraucht. Das Gros ist Farbe auf Wasserbasis, nur in speziellen Fällen wird feuer- oder wasserbeständige Farbe benutzt.

Der Malsaal ist 300 Quadratmetergroß, die größten Arbeiten sind die Rundhorizonte fürs Große Haus mit etwa 270 Quadratmetern sowie der „Hänger“ zu Leonard Bernsteins letzter Oper „A quiet Place“ – er misst rund 240 Quadratmeter.

Wer Bühnenmaler oder -plastiker werden möchte, durchläuft eine dreijährige Ausbildung. Ausbildungsbetriebe sind Theater oder Opernhäuser. Berufsschulen für den Blockunterricht gibt es in Berlin, Baden-Baden sowie in Essen. An der Hochschule für Bildende Künste in Dresden gibt es den Studiengang Diplomdesigner Theatermalerei. Arbeit finden Bühnenmaler auch in Film- und Fernsehstudios sowie im Messebau.

Seit etwa zwei Wochen arbeitet das Malsaal-Team fürs aktuelle Weihnachtsmärchen – Cornelia FunkesTintenherz“, das am 29. November Premiere feiert. Kein Wunder, dass da viele Bücher gebraucht werden. Wie Moritz Schmidt lieben die beiden Bühnenmalerinnen ihren Beruf.

Abwechslungsreiche Arbeit

„Es ist spannend, denn man gestaltet immer wechselnde Landschaften und arbeitet mit unterschiedlichen Kollegen zusammen“, sagt der Chef, und Eva Knüppel, die schon an verschiedenen Theatern tätig war, ergänzt: „Die großen Rundhorizonte sind besonders schön, weil es ein Gemeinschaftsprodukt und ein Gesamtkunstwerk ist. Es geht darum, dass die Bühnenbildnerin mit unserer Arbeit zufrieden ist.“ Öfter schauen sich Moritz Schmidt und sein Team natürlich auch das Ergebnis ihrer Arbeit an. „Es ist gut, das mal aus der Entfernung zu sehen“, sagt Eva Knüppel.

Blick hinter die Kulissen

Während Moritz Schmidt Türen patiniert, seine Kolleginnen Esther und Eva die Bücher verzieren, sitzt eine junge Frau an einer Staffelei und überträgt eine kleine Vorlage einer Waldlandschaft ins größere Format. Praktikantin Lina Marie Liebert (20), die ihre künstlerische Begabung für begrenzt hält, „wollte einfach einmal hinter die Kulissen schauen“. Dass sie bei den Büchern für „Tintenherz“ ein wenig mithelfen konnte, macht sie stolz.

Experimente mit Farben und Materialien

Wenn die Bühnenmaler sich erinnern an besonders schöne Arbeiten aus ihrer Werkstatt, dann fällt Moritz Schmidt vor allem der Prospekt zu „Der Wildschütz“ ein. Er zeigt auf die kleine Vorlage, die im Malsaal hängt und sagt: „Das war richtig ein Stück Theatergeschichte.“ Besonders gern mag er es auch, Neues so herzurichten, dass es alt aussieht. „Wir schütten manchmal auch Sachen zusammen, die nicht zusammen gehören, experimentieren viel herum“, erzählt er schmunzelnd.

Allen in Erinnerung bleiben wird wohl der riesige Prospekt zu „A quiet Place“: Da wurden schwarze Schleier so mit Rosen bemalt, dass das Hintergrundbild richtig plastisch wirkte.

Vier bis fünf Wochen für jede Produktion

Was sie in den kommenden Wochen in Sachen „Tintenherz“ noch erwartet, wissen Moritz Schmidt, Esther Labs und Eva Knüppel noch nicht genau. Jedes Bauteil wird mit der Bühnenbildnerin besprochen, manchmal gibt es kleine Modelle. Generell hat das Malsaal-Team für jedes Bühnenbild vier bis fünf Wochen Zeit, „zwischendrin kommen immer noch kleinere Arbeiten wie Reparaturen für andere Produktionen hinzu“, sagt Schmidt.

Für Cornelia Funkes spannendes und poetisches Abenteuer tickt die Uhr: Am Freitag, 29. November, ist um 11 Uhr Premiere des Weihnachtsstückes für Kinder ab acht Jahren. In welcher Umgebung dann wohl „Meggie“, ihr Vater „Mo“, Großtante „Elinor“, der rätselhafte „Staubfinger“ und „Capricorns“ Handlanger agieren? Man darf gespannt sein.

Von Sabine Risch

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