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Lübeck Totales Chaos um das Grenzmuseum
Lokales Lübeck Totales Chaos um das Grenzmuseum
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15:01 07.06.2019
Was wird aus dem Grenzmuseum in Schlutup? Die Museumsmacher drohen in einer bundesweit verbreiteten Email mit Schließung. Die Stadt sucht nach einer Lösung, findet aber keine. Quelle: Lutz Roeßler
Schlutup

Das ist die Gemengelage: Seit 1999 betreibt die Arbeiterwohlfahrt (Awo) im ehemaligen Zollhaus in der Mecklenburger Straße einen Jugendtreff. Seit 2004 betreibt ein Verein im gleichen Gebäude die Grenzdokumentationsstätte. Weil es seit Jahren Reibereien gibt, suchte die Stadt mehrere Monate lang in einem aufwendigen Verfahren nach einer Alternative für den Jugendtreff.

Die Kinder- und Jugendbeauftragte Christiane Möller organisierte den größten Beteiligungsprozess mit Kindern und Jugendlichen, den Lübeck bislang erlebt hat. Quelle: 54° / Felix König

Das ist die aktuelle Situation: Die Verwaltung empfiehlt, dass beide Träger mit ihren Einrichtungen bleiben, wo sie sind. Und das, nachdem vier Monate lang insgesamt 19 verschiedene Standorte in Schlutup untersucht wurden, ob sie für einen Jugendtreff geeignet sind. Geprüft werden soll zudem, ob das Gebäude erweitert werden kann. Um die Reibereien zu beenden, rät Kultur- und Bildungssenatorin Kathrin Weiher (parteilos) zu „einer professionellen Mediation“.

Jugendliche füllten 120 Fragebögen aus

Die Jugendlichen in Schlutup wurden per Fragebogen und in Workshops befragt. Am Ende votierten die meisten dafür, im Zollhaus zu bleiben, berichtete die Kinder- und Jugendbeauftragte Christiane Möller jetzt dem Jugendhilfeausschuss der Bürgerschaft.

Ingrid Schatz und der Vereinsvorstand der Grenzdokumentationsstätte drohen mit Schließung und starteten einen Hilferuf. Quelle: Wolfgang Maxwitat

Der Vereinsvorstand des Grenzmuseums bekam nach eigener Aussage am Mittwoch Wind von einem SPD-Antrag, dass der Jugendtreff das gesamte Außengelände erhalten sollte, Vereinsvorsitzende Ingrid Schatz: „Dann ist das Museum tot.“ Der Vorstand verschickte eine Email mit einem Hilferuf an Bundestagsabgeordnete, den Kieler Ministerpräsidenten, an Landtagsabgeordnete, Kommunalpolitiker und Journalisten. Den SPD-Antrag bekam aber niemand zu Gesicht. Im Jugendhilfeausschuss war er kein Thema.

Seit 1999 ist die Awo mit ihrem Jugendtreff im früheren Zollhaus. Unser Archivbild zeigt die Übergabe einer neuen Skaterbahn. Quelle: AWO

Die CDU kann sich einen weiteren Verbleib beider Einrichtungen im Zollhaus nicht vorstellen. Dagmar Hildebrand: „Eine BMX-Bahn und ein Fußballfeld passen nicht zu einer Dokumentationsstätte.“ Eine „professionelle Mediation“ für die beiden Einrichtungen lehnt die CDU ab. Auch die FDP hat mit dem jetzigen Zustand Probleme. Kreisvorsitzender Daniel Kerlin: „Skaterbahn und Museum passen nicht zueinander. Man baut eine solche Anlage ja auch nicht vor das Holstentor.“

Das will Schlutups Jugend

Bei der Suche nach einem neuen Standort für den Jugendtreff hat die Verwaltung die Schlutuper Jugend eingebunden. 120 Kinder und Jugendliche beantworteten einen Fragebogen. 92 Kinder und Jugendliche beteiligten sich an Workshops.

Bei der Frage nach dem, was es unbedingt in einem Jugendtreff geben muss, antworten die meisten, dass Internetnutzung und WLAN-Zugang im Jugendtreff unumgänglich sind (73 Prozent), eine Spielkonsole wünschen sich 56 Prozent der Befragten. Für immerhin 54 Prozent der Kinder und Jugendlichen ist es unverzichtbar, dass Mitarbeiter im Jugendtreff arbeiten, mit denen sie sich gut verstehen.

Beliebte Treffpunkte für Kinder und Jugendliche im Stadtteil sind der Hafen, das Zentrum und der Dovensee. 34 Prozent der Kinder und Jugendlichen sind zu Fuß unterwegs, 27 Prozent fahren Fahrrad, neun Prozent Scooter oder Longboard. Nur 17 Prozent der Jugendlichen fahren „meistens“ oder „oft“ Bus, 13 Prozent werden von den Eltern gefahren. Als „frappierendes Ergebnis“ bewertet das die Kinder- und Jugendbeauftragte Christiane Möller. Denn eingeschränkte Mobilität reduziert die Auswahl an Standorten für einen neuen Jugendtreff.

Völlige Verwirrung dann durch eine Mitteilung der Senatorin: Eine Bundesbehörde, die der Hansestadt das Zollhaus vor 20 Jahren zum Vorzugspreis anbot, hatte am 24. April an Weiher geschrieben. Die Bundesbehörde hatte zur Auflage gemacht, dass Lübeck 20 Jahre lang Jugendarbeit in dem Zollhaus sicherstellt. Solange kann Lübeck die Jugendlichen gar nicht woanders unterbringen.

Die Hansestadt ging bisher davon aus, dass die Frist im Sommer 2019 abläuft. Die Bundesbehörde spricht in dem Brief aber von 2024. Muss also alles noch fünf Jahre so bleiben, wie es ist?

Jörn Puhle (SPD), Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses, will, dass die Verwaltung noch einmal vier Standorte für einen Jugendtreff überprüft. Quelle: 54° / John Garve

Der Jugendhilfeausschuss hat keine Entscheidung getroffen. Stattdessen wurde die Verwaltung beauftragt, mit der Bundesbehörde die unterschiedlichen Fristen zu klären. Dann soll die Verwaltung vier alternative Standorte noch einmal intensiv unter die Lupe nehmen – unter anderem eine Kegelhalle und die Netzewiese am Hafen. Dazu sollen auch noch einmal die Jugendlichen befragt werden. Der Jugendhilfeausschuss will die Standortfrage in seiner nächsten Sitzung am 22. August klären.

Und wenn das Grenzmuseum umzieht?

Jörn Puhle (SPD), Vorsitzender des Jugendhilfeausschusses, brachte noch eine Überlegung ins Gespräch: „Wenn bis 2024 ein Umzug des Jugendtreffs nicht möglich sein sollte, müssen wir auch darüber nachdenken, ob die Grenzdokumentationsstätte umzieht.“

Kai Dordowsky

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