Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lübeck Totschlag im Langen Lohberg: Prozess beginnt
Lokales Lübeck Totschlag im Langen Lohberg: Prozess beginnt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:05 18.03.2019
Die Tat ereignete sich in der Straße Langer Lohberg Quelle: Holger Kröger
Lübeck

Es war eine grausiger Fund, den Beamte des 1. Polizeireviers Anfang November im Langen Lohberg machten: In einer Ein-Zimmer-Wohnung lag zwischen leeren Flaschen auf dem Sofa die Leiche eines 39-Jährigen (die LN berichteten). Er war durch 25 Messerstiche gestorben, zwei davon so tief, dass sie die Wirbel trafen.

Die Polizisten waren einem Hinweis nachgegangen, den der Mieter der Wohnung auf einem Polizeirevier in Hannover gemacht hatte. Der 49-Jährige hatte zu Protokoll gegeben, er habe seine Lübecker Wohnung verlassen und sei aus der Stadt „abgehauen, weil ich für Ulis (Name geändert) Tod verantwortlich bin“.

Seit dem 25. Lebensjahr alkoholkrank

Seit Montag steht der Mann vor dem Landgericht, ihm wird Totschlag vorgeworfen. Klar und aufgeräumt sagte er nach der Verlesung der Polizeiprotokolle ausführlich über seine Lebensumstände aus. Der Beschuldigte ist in Schlutup aufgewachsen, sein Vater hatte starke Alkoholprobleme. Er verließ die Schule ohne Abschluss, begann schon früh zu trinken und ist seit seinem 25. Lebensjahr alkoholkrank. Er wurde bereits zwei Mal wegen tätlicher Übergriffe beziehungsweise versuchten Totschlags verurteilt.

Der Angeklagte schildert die Stunden vor der Tat am 30. Oktober 2018. Er habe an diesem Tag sein Geld bekommen und schon mittags größere Mengen Bier, Korn und Whiskey getrunken. Bei einem Einkauf im Rewe-Markt in der Beckergrube habe er einen Bekannten getroffen und zu sich nach Hause eingeladen. Dort habe er kochen und mit ihm Wein und Wodka trinken wollen. Zu diesem Zeitpunkt sei er bereits stark alkoholisiert gewesen. Nach einem Ausflug zu einem weiteren Supermarkt kamen beide in der Wohnung des Angeklagten an. Er habe das Fenster geschlossen, weil in der Straße ein Haus gebrannt habe, erinnert sich der mutmaßliche Täter. An diesem Punkt setzt seine Erinnerung aus. „Es muss wohl Ärger gegeben haben“, folgert er. „Es ist schrecklich, was da in meiner Wohnung passiert ist, aber ich kann mich nicht erinnern“. Der Vorsitzende Richter Christian Singelmann wundert sich: „Mir fällt auf, dass Sie sich an sehr vieles genau erinnern, aber plötzlich ist Schluss.“ Singelmann zeigt Fotos des Toten, der Angeklagte sagt: „Ich dachte, er schläft. Ich habe ihn angefasst und gemerkt, dass ich Blut an den Händen hatte“.

Er irrte durch Hannover

Der 49-Jährige erzählt, dass er sich die Hände gewaschen und die Wohnung verlassen habe. Wie er zum Bahnhof kam, erinnert er jedoch nicht mehr. Von dort fuhr er nach Bremen, wo er eine Nacht im Freien verbrachte und anschließend nach Hannover, wo er durch die Stadt irrte und am Ende in einer Polizeiwache zu Protokoll gab, dass in seiner Lübecker Wohnung ein Toter liege. Dabei gab der Angeklagte zunächst an, dass in seiner Wohnung in der Nacht vom 30. auf den 31. Oktober noch eine dritte Person gewesen sei. Später zog er diese Aussage zurück.

Der sachverständige Psychiater, der den Prozess begleitet, fragte den Angeklagten, ob er während seiner Alkohol-Exzesse öfter Blackouts habe, was dieser jedoch verneinte. Einen Alkoholentzug habe er während einer fünfjährigen Haftstrafe 2002 gemacht, aber in Freiheit sei ihm das nicht gelungen. „Ich habe mich über Therapien informiert, aber der Alkohol war stärker“, so der 49-Jährige.

Friederike Grabitz

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Der Verein, der sich für den Inklusionssport stark macht, sucht nach einem Standort in Lübeck. Bei einem Empfang mit Bürgermeister Jan Lindenau und Sportsenatorin Katrin Weiher gibt es erste Gespräche.

18.03.2019

Die Konfirmanden vom Lübecker Dom haben Postkarten geschrieben für die Seeleute in den Lübecker Häfen. Die Deutsche Seemannsmission hat sie jetzt an Bord verteilt und für große Freude gesorgt.

18.03.2019
Lübeck Arbeitsamt Lübeck - Nachwuchs sichert die Zukunft

Ausbildungszertifikat der Arbeitsagentur würdigt vier Unternehmen aus Lübeck und Ostholstein.

18.03.2019