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Lübeck Travejazz in Lübeck: Eine lebende Legende und viele Newcomer
Lokales Lübeck Travejazz in Lübeck: Eine lebende Legende und viele Newcomer
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20:03 31.08.2019
Rolf Kühn (89) ist seit der Nachkriegszeit eine der prägenden Gestalten des deutschen Jazz Quelle: Thorsten Hingst
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Lübeck

Es hat schon öfter Versuche gegeben, dem Jazz in Lübeck eine große Bühne zu geben. Das Festival Travejazz, von Ehrenamtlern organisiert, ist bisher der nachhaltigste Erfolg. Seit 2014 findet es im Schuppen 6 und an anderen Standorten statt. Das Spektrum reicht von der lebenden Jazzlegende bis zu Newcomer-Bands. Das Festival dauert von Donnerstag, 5. September, bis Sonntag, 8. September.

Keine Konkurrenz zu Jazz Baltica

Am Ursprungsgedanken habe man festgehalten, sagt Thorsten Hingst, der Künstlerische Leiter des Festivals: „Wir wollen national und international etablierte Acts kombinieren mit Musikern, die irgendwie einen Lübeck-Bezug haben.“ Als Konkurrenz zum großen Nachbarn, dem sommerlichen Festival Jazz Baltica in Timmendorfer Strand, habe Travejazz sich nie gesehen. „Ich habe sogar den Eindruck, dass Jazz Baltica eher in unsere Richtung schielt – dass dort verstärkt Bands mit Bezug zur Region aufgetreten sind.“

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Das Horst Hansen Trio, das gar kein Trio ist, eröffnet das Festival. Quelle: Moritz Kraemer

Eröffnet wird Travejazz am ersten Abend mit einem Konzert des Horst Hansen Trios – das zwar weder ein Trio ist noch einen Musiker namens Horst Hansen hat, aber modernen Jazz über Genregrenzen hinweg verspricht, mit Stilelementen von Fusion, HipHop und Drum&Bass.

Rolf Kühn: Eine lebende Legende

Besonders stolz ist Hingst auf das Konzert des 89-jährigen Klarinettisten Rolf Kühn. „Das ist einer der deutschen Jazzer mit Weltgeltung“, sagt er. Kühn ist seit mehr als 70 Jahren Jazzmusiker, spielte in den Bigbands von Benny Goodman und Tommy Dorsey, im Duo mit Ornette Coleman und immer wieder mit seinem Bruder, dem nicht weniger berühmten Pianisten Joachim Kühn. Sein Spektrum reicht vom Swing bis zu Jazzrock und Free Jazz. Am Freitagabend tritt er im Schuppen 6 in einem Quartett mit dem Berliner Schlagzeuger Eric Schaefer auf. Schaefer ist vor allem durch seine Zusammenarbeit mit dem Pianisten Michael Wollny bekannt – und war übrigens schon häufig zu Gast bei Jazz Baltica. Vorher ist die Sängerin Esther Kaiser mit ihrer Band zu hören.

Lübecker Jazzpreis

Am Sonnabendnachmittag gehört ein ganzer Konzertblock den Newcomern – Bands, die nur ein Debütalbum oder noch gar keine Veröffentlichung vorzuweisen haben: die süddeutsche Gruppe Quintessence, die Berliner Formation Supersalad und das Quartett des jungen Trompeters Maik Krahl. Dazu kommt ein Konzert, dessen Künstler noch nicht feststeht: Es wird bestritten vom noch unbekannten Gewinner des Lübecker Jazzpreises, der von Björn Engholm und Frank-Thomas Gaulin gestiftet wird. Eine Jury des Vereins Jazzpool hat den Preisträger ausgewählt. Alle vier Konzerte kosten keinen Eintritt – eine bewusste Entscheidung der Veranstalter, die damit mehr Aufmerksamkeit für noch unbekannte Talente schaffen wollen.

Musiker aus der Lübecker Szene

Am Sonnabendabend treten im Schuppen 6 das ungewöhnliche Duo Stefanie Boltz (Gesang) und Sven Faller (Basssaxophon) sowie die Band Nighthawks auf, die mit ihrem Programm der Boeing 707 ein Denkmal setzen will. Auch die Lübecker Jazzszene ist auf dem Festival vertreten: Der Saxophonist Stefan Kuchel interpretiert mit dem Pianisten Jan-Christoph Mohr am Freitag um 23 Uhr in der Petrikirche Volkslieder neu, und der Kontrabassist Florian Galow spielt um Sonnabend um 11 Uhr in der Petrikirche im Duo mit dem Trompeter Benny Brown auf dem Turm der Petrikirche. Am Sonntag spielt das Saxophonquartett Q4 um den Lübecker Altsaxophonisten Fiete Felsch in einem Jazz-Gottesdienst in der Jakobikirche. Für jeden Konzertblock gibt das Festival fünf mal zwei Karten an die Kulturtafel.

Das Quartett Q4 mit dem Lübecker Fiete Felsch (r.) spielt im Gottesdienst in der Jakobikirche. Quelle: Ralph Rüdiger Cornels

Wirtschaftlich steht das Festival auf festen Füßen, dank der Unterstützung von Stiftungen – allen voran die Possehl-Stiftung – , Sponsoren und der Stadt. Thorsten Hingst freut sich darüber, dass die Possehl-Stiftung die Förderung für drei Jahre zugesagt hat: „Ich mache jetzt schon die Planung für 2020.“

Programm und Tickets: www.travejazz.de

Von Hanno Kabel