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Lübeck Travemünde: Ein Pilot will den Strandbahnhof retten
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Travemünde: Ein Pilot will den Strandbahnhof retten

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07:47 27.07.2021
Das ist Ralph Kaerger-Thofern.
Das ist Ralph Kaerger-Thofern. Quelle: NDR/Archiv
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Travemünde

Seit der Versteigerung des Travemünder Strandbahnhofes im Oktober wurde gerätselt: Wer ist der Käufer? Denn der Bieter, der das Gebäude für 760000 Euro ersteigert hatte, blieb zunächst anonym. Nun steht fest: Sein Name ist Ralph Kaerger-Thofern, er ist Lübecker, 60 Jahre alt und von Beruf Pilot. „Mir tat es im Herzen weh, wie heruntergekommen dieses wunderschöne Gebäude ist“, sagt er. „Ich wollte einfach nicht, dass es weiter verfällt.“

Schon im März dieses Jahres, als bekannt wurde, dass der Eigentümer, die Deutsche Bahn AG, den Bahnhof verkaufen will, hat sich Kaerger-Thofern informiert, wie er an die Immobilie kommen könnte. Damals hieß es aber noch, das Koordinierungsbüro für Wirtschaft in Lübeck (KWL) wolle die Immobilie kaufen – was sich später zerschlagen hat. Es werde kaum möglich sein, eine Wirtschaftlichkeit herzustellen, hieß es damals. Doch Kaerger-Thofern hielt an seiner Idee fest. „Sie ist gereift, es ging Schritt für Schritt bis zum Kauf“, sagt der 60-Jährige, der bereits Erfahrung mit großen Projekten hat: In seinem Studienort Braunschweig (Niedersachsen) hat er schon einmal mit zwei Partnern ein Veranstaltungszentrum aufgebaut. „Jetzt nähert sich meine berufliche Karriere langsam dem Ende, und ich wollte mich mehr der Familie widmen“, sagt der Pilot. „Außerdem war mir wichtig, dass aus dem Strandbahnhof kein Schlösschen gemacht wird, sondern es weiter der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt wird.“

Konzept wird vom Bürgermeister begrüßt

Vor dem Käufer und zwei weiteren Personen, die zusammen mit Kaerger-Thofern ein Konzept entwickeln, liegt allerdings noch ein großes Stück Arbeit. Von 2004 bis 2006 wurde der Strandbahnhof zwar für insgesamt 2,3 Millionen Euro von der Possehl-Stiftung sowie der Hansestadt Lübeck aufwendig saniert. Doch die Bahnhofshalle verfiel zusehends. Abbröckelnder Putz, Schimmel und viel Taubenkot machen den Bahnhof bis heute zu einem Schandfleck in Travemünde. Ralph Kaerger-Thofern plant, nicht nur einen neuen gastronomischen Betrieb in dem Gebäude anzusiedeln, sondern auch passende Geschäfte und einen Bereich, in dem die Geschichte des Hauses dargestellt wird, zu installieren. „Es gibt so viele Menschen, die Travemünde vor allem im Sommer besuchen und mehr wissen wollen, was es mit dem Bahnhof auf sich hat“, sagt Kaerger-Thofern. „Für so eine Aufarbeitung stehen genügend Dokumente zur Verfügung.“ Weil aber seine Mitstreiter und er erst einmal einen Plan entwickeln mussten, wollte sich der Käufer nicht sofort nach der Ersteigerung zu erkennen geben.

Das Konzept wird von Bürgermeister Bernd Saxe sehr begrüßt. Er hat sich bereits mit Kaerger-Thofern zur Besprechung getroffen. „Uns war vor allem wichtig, dass der Bahnhof ein öffentlicher Raum bleibt, und da decken sich die Interessen der Stadt und des Käufers“, sagt Saxe. „Nun ist ein sehr engagierter Käufer am Werk, der mit sehr viel Ideen und Fantasie an die Sache herangeht. In meinen Augen hat das alles Hand und Fuß.“

Viel Lob für die Pläne

Auch von anderer Seite gibt es viel Lob für die Pläne: „Wir wünschen dem Käufer viel Glück für das Projekt und hoffen, dass er seine ehrgeizigen Ziele umsetzen kann“, sagt Kurdirektor Uwe Kirchhoff. „Es ist schön, dass eine öffentliche Nutzung an diesem wichtigen Standort angeboten wird, und wir werden versuchen, das zu unterstützen, wo wir können.“ Auch Ulf von Danckelmann, Vorsitzender der Travemünder Wirtschaftsgemeinschaft (TWG) sagt, er sei schon „ganz gespannt“ und wolle demnächst eine Kooperation anbieten.

„Jeder Fortschritt ist beim Strandbahnhof wichtig.“ Ganz ähnlich äußert sich auch Christian Martin Lukas, Geschäftsführer des Lübeck und Travemünde Marketings (LTM): „Wir wünschen uns, dass der neue Eigentümer den Strandbahnhof als Schmuckstück des Seebades einer wertigen Nutzung zuführt und das Umfeld positiv beeinflusst.“ Ob das Welcome Center der LTM allerdings im Strandbahnhof verbleibt, sei derzeit noch unklar. Kaerger-Thofern sagt dazu: „Wir gehen momentan davon aus, dass der Vertrag verlängert wird.“