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Lübeck Denkmalschutz für „Hein Mück“
Lokales Lübeck Denkmalschutz für „Hein Mück“
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07:00 11.09.2019
Schutz für die „Pappschachtel“: Das Gebäude an der Vogteistraße, das die älteste Gaststätte Travemündes, „Hein Mück“, beherbergt, ist jetzt unter Denkmalschutz gestellt worden. Quelle: Thomas Krohn
Travemünde

Das „Hein Mück“ ist die älteste Gaststätte des Seebads.Ende dieses Jahres schließt die Kultkneipe. Der Eigentümer will das sanierungsbedürftige Haus an der Vogteistraße im Herbst 2020 abreißen und an gleicher Stelle Mietwohnungen bauen. So sein Plan. Doch daraus wird nichts mehr – jedenfalls nicht ohne behördliche Genehmigung: Die Stadt hat die „Pappschachtel“, wie das 1898 errichtete Gebäude von Travemündern wegen seiner Quaderform genannt wird, jetzt unter Denkmalschutz gestellt.

„Das Objekt wurde als Einzeldenkmal erkannt und in die Denkmalschutzliste eingetragen“, bestätigt Stadtsprecher Hansjörg Wittern auf LN-Nachfrage. Das Gebäude habe nach Prüfung der Denkmalschutzbehörde sowohl historisch-städtebauliche als auch wissenschaftliche und Kulturlandschaft prägende Kriterien erfüllt. Nach den Bestimmungen des Denkmalschutzgesetzes Schleswig-Holstein habe der Eigentümer bei baulichen Veränderungen besondere Regelungen zu beachten. Dies gelte auch für die Umgebung des Objekts, wenn etwa eine Veränderung dieser geeignet sei, den Eindruck des Gebäudes wesentlich zu beeinträchtigen.

Behördliche Genehmigung muss sein

Ohne behördliche Genehmigung dürfe das Haus nicht abgerissen werden, stellt der Stadtsprecher zudem klar. Zuständig für eine Erlaubnis seien der Bereich Bauordnung der Stadt Lübeck sowie die Abteilung Denkmalpflege des Bereichs Archäologie und Denkmalpflege. Allerdings könne es je nach Sachlage Umstände geben, unter denen im Einzelfall ein Abriss möglich wäre. Diese Umstände seien in der einschlägigen Rechtsprechung sowie im Kommentar zum Denkmalschutz genannt.

In einem Leitsatz des Verwaltungsgerichts Koblenz etwa heißt es in einem Fall: „Besteht für ein denkmalgeschütztes Gebäude keinerlei wirtschaftlich sinnvolle Nutzungsmöglichkeit mehr und ist dessen Erhaltung daher angesichts des hohen Instandsetzungs- und Unterhaltungsaufwands nicht mehr zumutbar, muss dem Eigentümer, solange der Landesgesetzgeber keine wirksamen Ausgleichsbestimmungen erlässt, der Abbruch des Denkmals bei verfassungskonformer Anwendung des §13 Absatz 1 Satz 1 Denkmalschutzpflegegesetz gestattet werden.“

Am Mittwoch trifft sich laut Stadtsprecher Wittern eine Mitarbeiterin der Denkmalschutzbehörde mit dem Eigentümer des „Hein-Mück“-Gebäudes, Christian Soldwisch, um Detailfragen hinsichtlich des Denkmalschutzes zu besprechen. Soldwisch am Dienstag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Das meint die Bevölkerung

Und wie ist die Meinung in der Bevölkerung zum Denkmalschutz des „Hein-Mück“-Gebäudes? „Das ist ein guter Tag für Travemünde. Ich freue mich, dass ein Stück Zeitgeschichte des alten Travemündes erhalten bleibt“, sagt CDU-Ortsverbandsvorsitzender Thomas Thalau. Das Gebäude habe im Ort eine Tradition und werde nun im Stadtbild verbleiben. Auch Rolf Fechner, gebürtiger Travemünder und Heimatforscher, ist zufrieden: „Das ist eine richtige Entscheidung.“ Möglicherweise sei der Druck auf die Denkmalpflege zu groß gewesen, insbesondere nach der – zumindest zum jetzigen Zeitpunkt – unverständlichen Maßnahme, das Maritim-Hotel unter Schutz zu stellen. „Wichtig ist aber, dass der Denkmalschutz nicht nur auf dem Papier steht wie beim Hafen- und beim Strandbahnhof, sondern aktiv nachgehalten wird, damit hier nicht noch ein weiterer Schandfleck entsteht“, mahnt Fechner.

Das sagen die Politiker

Ortsratsvorsitzender Gerd Schröder (CDU) sagt: „Ich finde es gut, dass die Pappschachtel erhalten bleibt.“ Das Haus sei ein Erkennungsmerkmal für den Ort. Claus F. W. Pätow, stellvertretender SPD-Ortsvereinsvorsitzender, hofft, dass das Gebäude weiterhin sinnvoll genutzt wird und „nicht so verkommt wie zum Beispiel das Hotel Seestern“. Allerdings: „Wenn es so wäre, weiß ich nicht, ob es sinnvoll ist, das Haus stehenzulassen und das Grundstück nicht besser für eine Wohnbebauung, die sich in die Umgebung einfügt, zu nutzen.“ Thomas-Markus Leber aus Travemünde, stellvertretender Vorsitzender der FDP-Bürgerschaftsfraktion, vertritt die Meinung: „Es ist immer wünschenswert, wenn identitätsstiftende Gebäude erhalten werden.“ Der Liberale gibt jedoch zu bedenken, dass dies für den Eigentümer zumutbar sein müsse.

Gaststätte wird auf jeden Fall geschlossen

Ob Denkmalschutz oder nicht: Die GaststätteHein Mück“ wird jedenfalls zum Ende dieses Jahres geschlossen. Pächter Marco Büttner will sich ganz auf sein zweites Standbein, das Fischrestaurant „Lütt Hus“ in der Vorderreihe, konzentrieren.

Im „Leopold’s“ geht’s weiter

Ein anderer Gastronom in Travemünde macht dagegen weiter: Reiko Freyer, Chef des Restaurants „Leopold’s“ in der Kurgartenstraße. Seit einiger Zeit kursieren im Seebad immer wieder Gerüchte, dass der Wirt aufgeben wolle. „Das stimmt überhaupt nicht, das Gerücht nervt total und macht uns mürbe“, ärgert sich Reiko Freyer. Er betreibe das „Leopold’s“, das für seine gute Küche bekannt und beliebt bei Einheimischen und Urlaubern sei, seit zehn Jahren und denke nicht daran, aufzuhören. „Das ist ein Missverständnis. Mein Pachtvertrag läuft noch fünf Jahre, und ich kann so lange weitermachen, wie ich will.“ Das Gebäude gehört ebenso wie das von „Hein Mück“ dem Travemünder Hotelier Christian Soldwisch.

Von Thomas Krohn

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