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Lübeck Travemünde: Maritim jetzt unter Denkmalschutz
Lokales Lübeck Travemünde: Maritim jetzt unter Denkmalschutz
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10:00 04.08.2019
Von der Strandpromenade aus gesehen: das 1973 fertiggestellte Kulturdenkmal, das Strandhotel Maritim. Quelle: Thomas Krohn
Travemünde

Es war schon häufiger Gesprächsthema unter den Eigentümern, und die Gerüchteküche handelte es als „sehr heiß“. Jetzt haben die Maritim-Bewohnerinnen und Bewohner Gewissheit: Die Hansestadt Lübeck hat das Maritim-Gebäude als besonderes Kulturdenkmal auf ihre Denkmalliste gesetzt. „Es handelt sich beim Schutzumfang um das Äußere und das Innere der gesamten Baulichkeit im aktuellen Zustand“, erklärt Hansjörg Wittern, stellvertretender Pressesprecher der Hansestadt.

Die entsprechenden Informationen seien an die Betroffenen in schriftlicher Form herausgegangen, also an die Gemeinschaft der Erbbauberechtigten – das sind die Bewohner der sogenannten Residenzanlage im Hochhaus-Komplex mit den 36 Etagen. Der Bereich Archäologie und Denkmalpflege hatte zuvor eingehend die Aufnahme in die Liste geprüft.

Maritim 2 Zimmer-Appartemt 24. Stock. Innenausstattung Blick vom Wohnzimmer zum Balkon auf den Priwall. Aufnahme aus dem Jahre 2004. Die Ausstattung entspricht dem in den 70iger Jahren beim Bau des Maritim gewollten gehobenen Stil. Quelle: Karl Erhard Vögele

Als Begründung wird unter anderem ausgeführt, dass das Gebäude von besonderem städtebaulichem Wert sei, als Landmarke weithin sichtbar sei und die Lage Travemündes anzeige. Der Komplex sei wegen seiner unmittelbaren Nähe zur ehemaligen DDR-Grenze auch von besonderem städtegeschichtlichen Wert. Architekturhistorisch sei er wertvoll, weil er einheitlich im Stil der frühen 70er-Jahre als reales und symbolisches Leuchtfeuer des freien Westens erbaut wurde.

Die jetzige Einstufung als Kulturdenkmal mit dem Zweck, das Gebäude dauerhaft zu erhalten und zu schützen, hat sowohl für das Hotel mit seinen 240 Zimmern als auch für die Wohnungseigentümer Folgen. Alle Instandsetzungsmaßnahmen, Nutzungsänderungen und Umbauten müssen künftig nicht nur von der zuständigen Baubehörde, sondern auch von der Denkmalschutzbehörde abgesegnet werden. Das heißt: Jede Veränderung inner- und außerhalb des Gebäudes muss extra genehmigt werden.

Als das Maritim vor fast 50 Jahren gebaut wurde, war es der Inbegriff modernen Komforts. Jetzt steht es unter Denkmalschutz.

Denkmalcharakter muss erhalten bleiben

Für Stadtsprecher Wittern ist diese Tatsache aber kein Problem: „Für das Travemünder Maritim ergibt sich das gleiche wie für Hunderte andere Denkmaleigentümer in Lübeck auch. Es gilt ab sofort eine Zusammenarbeit mit der Denkmalschutzbehörde im künftigen Umgang mit dem Denkmal. Die Eigentümer haben die Verpflichtung zum Erhalt des Denkmals; abgestimmte Maßnahmen können steuerlich abgesetzt werden.“ Ziel sei es, den erkannten Denkmalcharakter und Denkmalwerte nachhaltig zu bewahren.

Ob dies für den Hotelbetreiber, die Maritim Hotelgesellschaft in Bad Salzuflen, Auswirkungen auf den Betrieb und die Wirtschaftlichkeit hat, kann dieser noch nicht sagen. „Wir müssen den Vorgang und damit verbundene Auswirkungen zunächst prüfen“, erklärt Harriet Eversmeyer, Direktorin Public Relations der Gesellschaft, auf LN-Anfrage.

Rolf Fechner, Travemünder Bürger Quelle: Thomas Krohn

Und was sagen Travemünder und Touristen dazu, dass das Hotelgebäude unter Schutz gestellt wird? Rolf Fechner (72), in Travemünde geboren und seit vielen Jahren Heimatforscher und Chronist, betont: „Für mich ist Kultur etwas, was bewahrens- und schützenswert ist. Diese Voraussetzungen sehe ich beim Maritim nicht gegeben.“ Und Dietmar Wysniewski (64), Urlauber aus Ueckermünde, fragt: „Muss denn eigentlich alles unter Denkmalschutz gestellt werden?“ Das Maritim sei nur ein „riesiger Klotz“. Bärbel Jakobitz (77), für einen Tag aus Hamburg nach Travemünde gekommen, wiederum meint: „Das Gebäude passt überhaupt nicht in die Landschaft.“ Viele Menschen hätten sich aber daran gewöhnt.

Wie wohl auch auf Fehmarn – dort wurden bereits 2015 die drei sogenannten IFA-Hochhäuser in Burgtiefe unter Schutz gestellt. Geschützt werden soll das, was vom Entwurf des legendären dänischen Architekten und Designer Arne Jacobsen noch erhalten ist.

„Schlanke, hohe Baumasse“

Das Gebäudewurde Anfang der 1970er-Jahre gebaut und 1973 fertiggestellt. Mit auf dem Dach installierten Funkmasten hat es eine Höhe von 125 Metern. Es beherbergt neben dem Vier-Sterne-Hotel 320 Appartements, Restaurants, eine Tiefgarage, einen Innenpool, Wellness-Abteilung und eine Kegelbahn. Im Dachgeschoss befindet sich mit 117 Meter Höhe das höchste Leuchtfeuer Europas. Es ersetzt das Leuchtfeuer auf dem ältesten Leuchtturmgebäude Deutschlands, der nur wenige Meter neben dem Maritim steht und besichtigt werden kann.

Am 28. Dezember 1970schloss der Lübecker Senat einen Vertrag mit der Maritim-Gruppe ab, der am 25. März 1971 von der Bürgerschaft abgesegnet wurde. Der ursprüngliche Plan der Gesellschaft, eine 70 Meter breites und 17-geschossiges Gebäude zu erreichten, wurde aus städtebaulichen Gründen abgelehnt. Dafür sollte ein Hotelturm mit 35 Stockwerken errichtet werden. Das Kurmittelhaus und die vier alten wilhelminischen Villen an der Strandpromenade wurden abgerissen. Auch ein Teil der neobarocken Parkanlage in der Umgebung des abgerissenen Hansa-Hotels musste dem Neubau weichen.

Im Bebauungsplander Hansestadt Lübeck aus 1971 heißt es: „Um eine Abriegelung des Leuchtenfeldes vom Wasser zu vermeiden und um eine möglichst geringe überbaute Fläche und damit eine möglichst ungeteilte und uneingeschränkte Grünfläche zu erhalten, wird das geplante Bauvolumen in einer schlanken, hohen Baumasse an der Peripherie des Leuchtenfeldes im Zusammenhang mit der vorhandenen Kur- und Badeeinrichtungen untergebracht. Dadurch wird auch die Strandverschattung auf das geringstmögliche Maß herabgesetzt.“

Thomas Krohn und Michael Hollinde

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