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Lübeck Noch immer kaputt: Personenfähre „Priwall VI“ droht das Saison-Aus
Lokales Lübeck Noch immer kaputt: Personenfähre „Priwall VI“ droht das Saison-Aus
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16:37 01.03.2019
Liegt seit Monaten fest vertäut am Kai neben dem Fähranleger auf Travemünder Seite: die Personenfähre „Priwall VI“. Quelle: Thomas Krohn
Travemünde

In knapp vier Wochen geht es los: Am 30. März wird die Fährstrecke zwischen Priwall und Nordermole wieder eröffnet, sehnlich erwartet von Spaziergängern und Radfahrern, die zwischen der Halbinsel und der Travemünder Seite pendeln wollen. Allerdings müssen Radler und Rollstuhlfahrer wohl weiterhin den Umweg zur einen Kilometer entfernten Autofähre in Kauf nehmen.

Die PersonenfährePriwall VI“, die normalerweise auf der Strecke ihren Dienst versieht und auch Drahtesel und „Rollis“ mitnehmen kann, ist nach dem Getriebeschaden im vorigen Jahr (die LN berichteten) immer noch nicht repariert. Ein Einsatz pünktlich zum Saisonbeginn ist unwahrscheinlich. Der Fall ist jetzt beim Landgericht Lübeck anhängig.

Seit Jahrzehnten verbinden sie Travemünde und den Priwall: die Priwall- und Norderfähren. Klicken Sie sich durch die Bildergalerie für mehr Fotos.

Ausfall seit Juni 2018

Dabei war das Schiff nach seinem Ausfall Anfang Juni 2018 bereits zur Reparatur in die Travemünder Werft Marina Baltica geschleppt worden. Drei Monate war die „Priwall VI“ in einer Halle aufgebockt. Doch der Stadtverkehr Lübeck als Eigentümer und der Erbauer, die Barthel-Werft in Derben an der Elbe (Sachsen-Anhalt), wurden sich nicht einig, wer für den Schaden aufkommen muss.

Im vergangenen Jahr war die „Priwall VI“ drei Monate in der Werft Marina Baltica aufgebockt. Quelle: Thomas Krohn

Bei einer Untersuchung wurden auch andere Schäden festgestellt. Zudem dauerte es fast zwei Monate, bis die notwendigen Ersatzteile aus einem Lager in Belgien eintrafen. Schließlich musste die Fähre den Platz unrepariert räumen. Seitdem liegt sie fest vertäut erst am Kohlenhofkai und jetzt auf Travemünder Seite neben dem Fähranleger. Damit sich an Bord keine Möwen oder andere Seevögel einnisten, wurden an den Seiten Planen gespannt.

Fall liegt beim Gericht

Im vergangenen November brachte der Stadtverkehr den Fall vor Gericht. „Wir haben ein Gutachterverfahren beantragt und warten auf die Bestellung eines Sachverständigen durch das Landgericht“, sagt Stadtverkehrsprecherin Gerlinde Zielke. Und erklärt: „Wir sind überzeugt, dass alle zuständigen Institutionen alles Notwendige zügig veranlassen werden, um die Angelegenheit zeitnah zu regeln.“ Das gelte auch für den Stadtverkehr. Sollte der Gutachter seitens des Gerichts wider Erwarten nicht rechtzeitig vor Saisonbeginn bestellt werden können, müsse leider mit der „Priwall IV“ gestartet werden. Seitens des Stadtverkehrs sei alles vorbereitet, die Ersatzteile seien lange eingetroffen.

Die „Priwall IV“, die keine Fahrräder und Rollstuhlfahrer mitnehmen kann, musste während fast der gesamten Saison 2018 eingesetzt werden. Quelle: Thomas Krohn

„Nach geklärter Rechtslage wird die Fähre unverzüglich in die Werft verbracht“, sagt Zielke. „Die voraussichtliche Reparaturzeit beläuft sich auf eine Woche, und die ‚Priwall VI‘ ist wieder fit.“ Warum das Schiff nicht erst einmal auf Kosten des Stadtverkehrs repariert werden kann und dieser sich gegebenenfalls das Geld vom Erbauer zurückholt, erklärt Zielke so: „Wir können die Linie ja bedienen, leider eben nur mit der alten ‚Priwall IV‘.“

Langer Rechtsstreit droht

Die 53 Jahre alte Fähre nimmt wegen ihres hohen und engen Einstiegs jedoch keine Ausflügler mit Fahrrädern und auch keine Rollstuhlfahrer mit. Diese werden sich voraussichtlich noch lange gedulden müssen, bis sie die Trave wieder zwischen dem Priwall und der Nordermole überqueren können, denn ein Einsatz der „Priwall VI“ scheint in weiter Ferne.

„Der Stadtverkehr Lübeck hat ein Beweisverfahren beantragt“, bestätigt Landgerichtssprecher Stephan Bahlmann auf LN-Nachfrage. Nach einer Prüfung erfolge eventuell ein Beweisbeschluss. Anschließend werde durch das Gericht ein Sachverständiger beauftragt. Bis zur Fertigstellung des Gutachtens könne es mehrere Monate dauern. Das Gutachten werde dann den Parteien zugeleitet. Wenn diese sich nicht einigten, müsse einer von beiden Klage einreichen. Bei einer Gerichtsentscheidung sei für die Beteiligten wiederum der Beschwerdeweg möglich. Zuständig sei dann das Oberlandesgericht in Schleswig.

Seit 2016 im Einsatz

Die „Priwall VI“ wurde 2015 in der Barthel-Werft in Derben (Sachsen-Anhalt) gebaut und kostete 1,2 Millionen Euro. Seit März 2016 wird sie zwischen Priwall und Nordermole eingesetzt. Sie ist knapp 27 Meter lang, 6,30 sechs Meter breit und hat einen Tiefgang von 1,60 Meter. Der Hauptmotor hat eine Leistung von 120 kW, das Bugstrahlruder 195 kW. Die maximale Geschwindigkeit beträgt acht Knoten.

An beiden Seiten des Schiffs befinden sich hydraulisch betriebene rollstuhl- und behindertengerechte Einstiegsklappen. Die Fähre kann bis zu 190 Personen mitnehmen. Die beiden Führerstände können wahlweise genutzt werden, weil die Fähre sowohl mit ihrer Steuerbord- als auch mit ihrer Backbordseite anlegen kann.

Thomas Krohn

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